Champagner und andere Extravaganzen

Schlierseer Bauerntheater

Sabine Mlynek als Fifi und Peter Franz als Sixtus Dirnberger. Foto: Hannah Miska

Theater in Schliersee

Komödie „Zwei Bauern im ¾-Takt“ im Bauerntheater Schliersee: Von zwei Bauern, die auszogen, das Vergnügen zu suchen – und im greislichen Schlamassel enden.

Das Schlierseer Bauerntheater ist in die Jahre gekommen – es feiert heuer seinen 127. Geburtstag. Hat sich also der Staub der Jahrzehnte auf das Theater gelegt, ist es ein wenig behäbig und altmodisch geworden?

Ich wurde gewarnt: vor den harten Stühlen, auf denen man nicht lange sitzen könne, vor dem Oberbairischen, das man (als Saupreiß) nicht verstehen könne, und natürlich vor dem Risiko, mir eine billige Klamotte anzutun.

Bayerisches Gfui

Bätschi, liebe Freunde. Wenn ihr bisher noch kein Volksstück im Bauerntheater gesehen habt, habt ihr etwas versäumt. Schon der Theatersaal in seiner ganzen Pracht, mit Wandbemalungen, Rundbögen, großen Porträts von früheren Schauspielern und, last but not least, diesem wunderbar gemalten Bühnenvorhang, versetzt einen in die richtige – bayerische – Stimmung. Die Idee, nicht nur Stuhlreihen, sondern auch Tische im Foyer zu haben, an denen man seine Mass Bier trinken und die Brezn essen kann, schafft eine wunderbar relaxte Atmosphäre und die Schlierachtaler Musikanten (Akkordeon, Gitarre, Oboe, Tuba, Trompete) sorgen für die passende musikalische Umrahmung.

Weiberleut im Schrank und Hennen im Salon

Mit „Zwei Bauern im ¾-Takt“ hebt das Bauerntheater eine über 80 Jahre alte Komödie von Max Ferner und Karl Mittermayr ins Programm, die – dem Zeitalter entsprechend – sehr traditionelle Rollenbilder kolportiert. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die beiden wohlhabenden Bauern Blasius Dullinger (Johannes Wegmann) und Sixtus Dirnberger (Peter Franz), gelangweilt von ihrem über 25jährigen Ehe-Einerlei, fahren gelegentlich „auf Minga“, um dort in einem luxuriösen Apartment eines Freundes rauschende Feste zu feiern – weder an Damen noch an Champagner mangelt es dabei.

Schlierseer Bauerntheater
Die Nerven liegen blank: Johannes Wegmann als Blasius Dullinger. Foto: Hannah Miska

Natürlich, wie es sich bei einer anständigen Komödie gehört, kommen die Ehefrauen der Sache auf die Schliche, es gibt hanebüchene Notlügen, gefolgt von Turbulenzen, irrwitzigen Verwicklungen und einem totalen Beziehungs-Durcheinander.

Dode Leich

Der Dreiakter startet eher langsam, nimmt aber spätestens mit dem Auftritt des herbeigerufenen Schlossers (Georg Attlfellner) an Fahrt auf: Er soll den Schrank öffnen, in dem sich Dullingers Gspusi Fifi (Sabine Mlynek) versteckt hält.

Schlierseer Bauerntheater
Die starke Dullingerin (Carolin Schmid) mit verzweifelter Freundin (Mirl Weiher Forsthuber) und Schwiegervater (Girgl Floßmann). Foto: Hannah Miska

Von nun an steigern sich Tempo und Sprachwitz (dem selbst einige müde Kalauer nichts mehr anhaben können) bis zum fulminanten Höhepunkt der Geschichte, der durch einen absolut komisch inszenierten, fingierten Selbstmord herbeigeführt wird.

Vergnügliche Farce

Die Geschichte geht – natürlich – gut aus. Sie wird gespielt von Amateuren, deren schauspielerische Leistung beeindruckend ist. Die Schauspieler sprechen im Übrigen – dies für die Schliersee-Besucher von jenseits der Weißwurstlinie – so klar und akzentuiert, dass selbst des Bairischen Unkundige nicht im Dunklen tappen.

Kurzum: Eine witzige, spritzige Komödie, die die Lachmuskeln strapaziert. Und eine gute Alternative zum täglichen Tatort im deutschen Fernsehen ist das Schlierseer Bauerntheater sowieso.

Schlierseer Bauerntheater
Gloßer Applaus für die Schlierseer Theatergruppe. Foto: Hannah Miska.

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