Rote Bete, ein roter Kapuzenmantel, Tatorte, Touristinnen und mehr

Wort und Kunst

Hinten die Künstler: Peter Keck, Waltraud Milazzo, Anschi Hacklinger und Nani Mahlo (v.l), vorn die Schreibenden: Monika Ziegler, Karin Sommer, Stephanie Wochinger und Claudia Kreutzer (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn

Musikalische Lesung in Warngau

Es ging auch um ein geheimnisvolles Bild, Kater Luca, einen Hochzeitswalzer oder eine Skulptur mit Krebs im Arm. Es ging um die einfühlsame Verbindung zwischen „Wort und Kunst“. Es ging um die belebende, fruchtbare Interaktion zwischen schreibenden und bildenden Kunstschaffenden. Bei der Matinee von Mitgliederinnen der Schreibwerkstatt im Altwirtsaal in Warngau ging es ganz „einfach“ um die vielfältigen Facetten der Kunst.

Wort und Kunst
Karin Sommer begrüßt die Gäste. Foto: Petra Kurbjuhn

Karin Sommer, Leiterin der 2007 von Monika Ziegler gegründeten Schreibwerkstatt, freute sich angesichts des sonnigen Vormittags über die positiv gestimmte Zuhörerschaft und versprach eine Vielfalt schauriger, skurriler, persönlicher oder poetischer Momente. Dabei versprach sie nicht zu viel.

Ein Hochzeitswalzer und die Poesie des „Auswegs“

Anschi Hacklinger bezauberte gleich zu Anfang mit ihrer gefühlvollen Eigenkomposition, dem Hochzeitswalzer „Die kannste haben“. Und Monika Ziegler wollte „Es“ haben, nämlich Peter Kecks wundervolles Bild „Ausweg“. Womit wir mittendrin sind im Geschehen. Zwei unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Bild erlauben uns Stephanie Wochinger und Monika Ziegler.

Geheimnis des Bildes

Zart und poetisch lässt sich Stephanie Wochinger auf das „Geheimnis des Bildes“ ein und beschreibt in dem ihr eigenen, philosophischen Stil das Licht, das den Raum durchflutet oder die atemlose Stille der Farben. Auch wenn wir das Bild nicht vor uns sehen könnten, wir hätten es lautmalerisch vor Augen. Bei ihrem sehr persönlichen Text lässt uns Monika Ziegler teilhaben an ihrem „Onkel, Bruder, Vater, Freund“, dem auch ein Ausweg gelungen ist, auf ganz eigene Art.

Kunst und Wort
Monika Ziegler und Peter Kecks Bild „Ausweg“. Foto: Petra Kurbjuhn

Mit kräftigem Anschlag, langsam und getragen, warm und entschlossen, verarbeitet Anschi Hacklinger in ihrer Komposition „Luca“ den Tod ihrer geliebten Katze. Und schon tritt sie auf, die Dame im roten Kapuzenmantel. Karin Sommer trägt ihre Geschichte „Was man nicht hat, braucht man nicht“ vor. Genügt es, sich zu ermahnen: man muss nach vorne schauen. Stimmt das wirklich? Kann man so mit dem Tod eines geliebten Tieres umgehen?

„Rote Bete ist unmusikalisch“ und der „Welttag des Ausmistens“

Da hat sich Anschi Hacklinger geärgert, als sie das las und beschlossen, die richtige Musik für Rote Bete zu schreiben. Mit tiefer Sympathie für die Roten Rüben, rhythmisch, stampfend, laut und erhaben zeigt sie die Musikalität der Rahnen auf. Schnell springt sie hin und her, wiederholt und hämmert mit heftigem Anschlag. Da schwingt fast schon etwas wie Wut mit.

Kunst und Wort
Anschi Hacklinger spielt eigene Kompositionen. Foto: Petra Kurbjuhn

Gut, dass nun auch Monika Ziegler sich „zurückbeamt“ in ihre Jugendzeit in der DDR, als sie das billigste Gericht auf der Speisenkarte aussuchte, die Hasenläufchen mit gemischtem Salat, Sellerie, Möhren und Rote Bete.

Herrlich, was Kunst vermag. Musik und Wort verbinden sich zu einem wunderbaren Ganzen. So auch beim „Welttag des Ausmistens“, den Anschi Hacklinger überschäumend fröhlich im Dixi Sound ausruft und den sich Claudia Kreutzer in ihrer Geschichte nur im November vorstellen könnte. Wer räumt schon gern bei strahlendem Sonnenschein aus?

Tatortbilder und Skulpturen lassen Texte entstehen

Tatortfotos aus Mitterdarching und Mecklenburg-Vorpommern von Nani Mahlo, Drehbuchautorin und Fotografin aus Valley, haben die Mitgliederinnen der Schreibwerkstatt zu fantasievollen, gruseligen, eigenwilligen Kurzkrimis ermuntert. Stephanie Wochinger und Monika Ziegler beeindrucken wieder mit ihrer unterschiedlichen Herangehensweise in Stil und Ausdruck.

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Stephanie Wochinger vor Nani Mahlos Tatortbildern. Foto: Petra Kurbjuhn

Lesetipp: Fünfmal Mord in Valley

Mit den Skulpturen und Kleinplastiken von Waltraud Milazzo haben sich die Damen der Schreibwerkstatt schon länger beschäftigt. Zwei sind bei der Matinee im Altwirtsaal ausgestellt und finden sich in Kurzgeschichten wieder.

„Franziska und der rote Krebs“ heißt Karin Sommers Erzählung, in der sie die kleine Keramikfigur eindrücklich und mit großer Empathie beschreibt. Will die „kahlköpfige Frau“ den Krebs umarmen? Ist nur der hier sichtbare Krebs gemeint oder handelt es sich auch um den Krebs, der sich nicht scheut, sich des Menschen von innen heraus zu bemächtigen?

Touristinnen als Taschendiebe

Stephanie Wochinger und Claudia Kreutzer beschäftigen sich mit den Touristinnen. Amüsant und interessant wie die beiden Autorinnen der Figur begegnen. Stephanie Wochinger begleitet launig und mit sehnsüchtigen Worten eine Gruppe älterer Bustouristinnen bei einem Ausflug mit Bootsfahrt am Tegernsee. Claudia Kreutzer hingegen erinnert uns zunächst an unsere Gefühle, „wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“, um dann schnell umzuschwenken und ihre Touristinnen als Taschendiebe mit Jahresplanung zu outen. Gekonnt!

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Claudia Kreutzer und Waltraud Milazzos „Touristinnen“. Foto: Petra Kurbjuhn

Dazu passt zum Schluss die sehnsuchtsvolle Musik von Anschi Hacklinger. Da träumen wir mit ihr vom Tegernsee oder von Capri, wenn sie mit einem Lächeln auf den Lippen barfuß die Pedale bedient und bedauern, dass sie schon vorbei ist, die kurzweilige, kunstsinnige Matinee.

Weitere Informationen zur Schreibwerkstatt von KulturVision e.V. finden Sie hier.

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