Was Musik mit uns macht

Der Pianist Dietrich Lorenz. Foto: Petra Kurbjuhn

Konzert in Waakirchen

Die Mehrfachbedeutung von „Macht Musik“ erklärte gestern Abend in der Schulaula Waakirchen der Pianist Dietrich Lorenz und und weihte mit bekannten Stücken der Musikgeschichte den neuen Flügel der Gemeinde ein.

Edel gewandet dankte Hugo Eder, 1. Vorstand der Kleinkunstbühne Waakirchen der Gemeinde, die ermöglicht hatte, einen gebrauchten Blüthner-Flügel zu erwerben. Dietrich Lorenz, der bei seinem vorigen Konzert mit einem nicht mehr sehr tauglichen Klavier hatte vorlieb nehmen müssen, hatte mehrere Flügel getestet und diesen ausgewählt, der den typisch gläsernen Klang eines „Blüthners“ hat.

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Hugo Eder, Vorsitzender der Kleinkunstbühne Waakirchen. Foto: Monika Ziegler

Der Schlierseer Pianist, bekannt für seine Erzählkonzerte, in denen er Musik mit der jeweiligen Zeitgeschichte verbindet, widmete sich dieses Mal dem Wort „Macht“, sowohl als Substantiv als auch als konjugiertes Verb. „Macht Musik!“, das sei eine Aufforderung an Kinder, denen es schwer falle, Noten zu lesen, die überfordert seien, vor der Klasse zu singen und so bildeten sich viele ein, unmusikalisch zu sein. Dazu käme, dass der Musikunterricht unter anderen Fächern untergeordnet sei. Musik aber sei ein Grundbedürfnis des Menschen, vom ersten Schrei seines Lebens an.

Lebensfrohes Werk

Nach der sehr leichtfüßig daher kommenden Sonate von Muzio Clement hatte sich Dietrich Lorenz die energiegeladene und freudvolle Waldsteinsonate von Ludwig van Beethoven vorgenommen, die der Komponist in seiner glücklichsten Zeit in Wien, noch nicht von Napoleon okkupiert, komponiert habe. Virtuos und hingebungsvoll spielte Dietrich Lorenz dieses lebensfrohe Werk.

Mit Franz Schuberts Sonate D 960, die die Wiener Klassik würdig beendete, erklärte der Pianist, warum sich nach Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert zunächst kein Komponist mehr in Wien niedergelassen habe. „Metternichs Schergen haben durchgegriffen.“ Kein Widerstand mehr, die Freiheit beschnitten.

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Dietrich Lorenz als Erzähler. Foto: Monika Ziegler

Und jetzt kommt die andere Seite ins Spiel. „Musik hat die Kraft, Menschen über sich hinaus zu führen“, sagte Lorenz und so werde sie benutzt, Macht auszuüben. Durch Flötenspiel werde der Mensch steuerbar und bekanntermaßen werde im Krieg nach Musik marschiert. Für die Pause hatter er ein Schafkopfspiel ausgebreitet, in dem die Ober und Unter als Krieger mit Lanzen abgebildet sind, nur beim Gras nicht, da tragen sie Flöten.

Auch Frederic Chopin hatte unter der Macht zu leiden, nachdem der russische Zar seine Heimatstadt Warschau besetzt hatte, konnte er nicht zurück in die Heimat. „Er war ein Flüchtling“, konstatierte Lorenz und interpretierte den berühmten Trauermarsch des Komponisten als die Musik zu einem Flüchtlingszug und keineswegs als Hymne an einen Mächtigen.

Musik als Ausdruck der Liebe

Immer wieder warf Lorenz die Kernfrage auf, was Musik mit uns Menschen macht. Zum einen benutzt die Macht Musik, ob im Supermarkt oder im Radio, zum anderen kann Musik wie kaum eine andere Kunstgattung unsere Gefühle ansprechen und uns, wie bei Claude Debussy Eindrücke aus der Natur vermitteln.

Letztlich sei Musik Ausdruck der Liebe, sei Musik natürlich, die jeder in Form seiner Stimme in sich trage, sagte Lorenz und belegte mit dem Intermezzo opus 118 von Johannes Brahms, was Musik mit dem Menschen machen kann. „Nur die Liebe zählt“, beendete der Pianist sein Konzert, das den ganzen Menschen ansprach. Er spielte zum Abschluss Claude Debussys „Clair la lune“, den Mond sinnbildlich als Kind der Erde.

Mit seiner Leidenschaft für die Musik und seinem Einsatz für die Bedeutung und den Zeitbezug der Kompositionen hat Dietrich Lorenz eine Konzertform gefunden, die dem Zuhörer mehr als Musikgenuss verschafft, er kann tiefer in die Musikgeschichte eindringen und Gegenwartsbezüge herstellen. Somit war der Abend eine ideale Einweihung für den neuen Flügel, der insbesondere auch für die Zusammenarbeit mit der Schule dienen soll, wie Hugo Eder betonte.

Mit dem gestrigen Konzert wurde die Saison 2016/17 der Kleinkunstbühne Waakirchen eröffnet. Am 7. Oktober um 20.30 Uhr findet das Zitherfestival statt. Alle Termine unter www.kkb-waakirchen.de

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