Überleben – Installationen im Dialog mit dem Mittelalter

Christoph Brech: Paradiso. Foto: Isabella Krobisch

Ausstellung in München

Christoph Brech, Jahrgang 1964, studierte Freie Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in München. Sein Hauptaugenmerk gilt den Themen Zeit, Vergänglichkeit und Erinnerung, die er durch Visualisierung, Installationen und Musik erfahrbar macht.

Wenn das Summen einer Fliege zum Ereignis wird

Die Einladung von Kurator Raphael Beuing, seine Arbeiten im Bayerischen Nationalmuseum zu zeigen, brachte den renommierten Künstler nach 25 Jahren an einen Ort zurück, der für ihn in der Zeit seines Studiums fast so etwas wie eine zweite Heimat war. „Die Säle, in denen sich jetzt meine Arbeiten mit den Objekten der Sammlung mischen, sind genau jene Säle mit den Schätzen des Mittelalters, die mich damals fasziniert haben“ schreibt der Künstler in seinem Katalogbeitrag. „Die Stille in diesen Räumen hatte und hat noch heute etwas Außergewöhnliches, ähnlich der Stille in Joseph Roths Beschreibungen sonnendurchfluteter Mittagsstunden an Sommersonntagen, wenn das Summen einer Fliege zum Ereignis wird.“

Der Heilige Christopherus birgt ein Modellauto

Christoph Brechs Werke offenbaren gerade an solchen Sommersonntagen „eine Welt ohne Zeit, eine zeitlose Welt, oder eine Welt, in der Zeit eine andere Rolle spielt. Ein Ort, an dem Kontemplation, Betrachtung und Demut keine Fremdwörter sind. Ein Refugium, ein Schutzgebiet voll von Schätzen“, wie es der Künstler selbst ausdrückt. Diesen stillen, von Geschichte erfüllten Räumen werden nun Videofilme, Toncollagen und Installationen hinzugefügt, die eine so große Magie entfalten, dass man atemlos von Raum zu Raum gleitet, sehnsüchtig nach immer neuen Offenbarungen. Denn es ist ungeheuer spannend, wie Christoph Brech es vermag, alten Kunstwerken durch die Konfrontation mit modernen Medien neues Leben einzuhauchen: Ritterrüstungen werden Luftballone an die Hand gegeben, die Reliquienbüste des Hl. Christopherus birgt ein kleines Modellauto, in Blei gefasste und elektrisch homogen ausgeleuchtete figürliche Kirchenfenster werden mit abstrakt dahinfließenden Farbfeldern eines Spielautomaten konfrontiert. Im sogenannten Passauer Zimmer ziehen golden strahlende Schwäne einzeln und gruppenweise der Wand entlang. Was hat das alles zu bedeuten ?

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Christoph Brech: Monsalvat 2012. Foto: Isabella Krobisch

Die Anmut scheinbar banaler Orte

Dieses Mysterium ist eng mit dem Titel der Ausstellung „Überleben“ verknüpft, bezieht es sich doch auf das Überleben der Kunstwerke im musealen Raum, in dem sie wertgeschätzt werden. „Kunst lebt und überlebt im Miterleben des Betrachters“ schreibt Raphael Beuing und betont, dass Christoph Brech „nie provokativ oder plakativ, wohl subtil, fragend, kritisch und oft genug mit Humor, stets aber respektvoll und einfühlsam“ arbeitet. Beuing lobt insbesondere Brechs Blick „für die Schönheit mannigfaltiger Situationen, in denen er Orten, die auf den ersten Blick banal oder unansehnlich wirken, eine große Anmut zu entlocken vermag. Das Licht spielt darin immer wieder eine große Rolle, ob goldenes Sonnenlicht oder künstliche Beleuchtung.“

Die Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst erweitert den Dialog mit dem Mittelalter und zeigt neben Leihgaben aus dem Museum einen Zyklus fotografischer Aufnahmen von Christoph Brech, die Zwischenräume und Zwischenzeiten offenbaren.

Bis 10. Juli 2016 im Bayerischen Nationalmuseum München, Prinzregentenstraße 3, www.bayerisches-nationalmuseum.de und bis 9. Juli 2016 in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Türkenstraße 16, München, www.dg-galerie.de. Im Deutschen Kunstverlag ist ein sehr empfehlenswerter Ausstellungskatalog erschienen, ISBN 9783422073722

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