„Schleichweg“ in Parallelwelten

Parallelwelten

Christiane Ahlhelm und Lydia Starkulla aus Parallelwelten. Foto: TOBEL

Theaterprobe in Valley

Was passiert, wenn ein junges Wesen eine Kellerassel trifft? Wenn es in deren Welt hineinpurzelt? In eine Welt, in der man sich nur schwer verständigen kann? „Schleichweg“ von Theater Kunstdünger ist ein Zweipersonenstück fast ohne Worte, viel Akrobatik, Gestik und noch mehr Botschaft.

Man ist es von Christiane Ahlhelm und Lydia Starkulla gewohnt, dass die beiden Schauspielerinnen ihre Theaterstücke für Kinder mit einem immensen Maß an kreativen Ideen vorbereiten. Neben Sprache spielen Mimik, Gestik, Akrobatik eine bedeutende Rolle. Ebenso ist das Bühnenbild, das seit Jahren in den bewährten Händen der Künstlerin Sibylle Kobus liegt, ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

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Im aktuellen Stück „Schleichweg“ ist es sogar der Dritte im Bunde, der im Zentrum des Geschehens steht und von künstlerischem und technischem Einfallsreichtum nur so strotzt. Ich durfte bei einer Probe dabei sein, die unter strengen Hygienevorschriften ablief. Eigentlich hätte das Stück Premiere zum 20. Geburtstag vom Theater Kunstdünger haben sollen, jetzt aber ist der Termin der öffentlichen Aufführung wie so vieles im Dunklen.

Parallelwelten
Christiane Ahlhelm als Assel liebt Papier. Foto: TOBEL

Da steht also in der Mitte der Bühne ein großer Kasten, in dem sich eine schwarze Stoffbahn mit einer Kurbel wie bei einer Wäschemangel horizontal drehen lässt. Darauf wird der gesamte Hintergrund des 45-minütigen Stückes dargestellt. Dadurch, dass sich der Kasten auch um die eigene Achse drehen lässt, kann er auch die zwei Welten, um die es im Stück geht, abbilden.

Schulhefte geschreddert

Die erste Welt stellt Christiane Ahlhelm als unförmige, mit kreisrunder Brille agierende und unverständlich ständig vor sich hin murmelnde Kellerassel dar. Sie erforscht sehr neugierig unbekannte Räume und sammelt dabei alles, was ihr in den Weg kommt. Insbesondere liebt sie Papier, das sie in ihren Bauch stopft oder zu Streifen schreddert. Kinder dürften ungeheueren Spaß haben, wenn Schulhefte also in den Papierzerkleinerer eingespeist werden.

In der zweiten Welt lebt das mit Ohrschnecken und rosa Ranzen ausgestattete Kind, das wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ dasselbe Einerlei immer wieder erlebt: Aufstehen, frühstücken, in die Schule gehen, heimkommen, essen, schlafen. Aber am dritten Tag ist alles anders, denn niemand öffnet beim Nachhausekommen auf ihr Klingeln. Lydia Starkulla, das Kind, lässt den Ranzen fallen und studiert ihr rotes Poesiealbum.

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Die Assel hat sich den Ranzen geklaut. Foto: TOBEL

Und dann vermischen sich die beiden Welten, denn die Assel hat sich den Ranzen geklaut, darin häuslich niedergelassen und beide begeben sich ins Abenteuerland, besteigen Berge und kommen in eine Stadt, verstecken sich und versuchen miteinander zu kommunizieren. Das ist schwierig, wenn man die Sprache des anderen nicht versteht. Aber wenn man guten Willens ist, funktioniert auch das. Denn das Schöne an den Parallelwelten ist, dass man voneinander lernen kann, dass der eine das sieht, was der andere nicht wahrnimmt.

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Lydia Starkulla sucht ihren Ranzen. Wo ist er? Foto: TOBEL

Das Stück, so erzählt mir Christiane Ahlhelm am Ende, haben sie zu viert entwickelt. Unter ihrer Leitung und der Regie von Michl Thorbecke, sowie Sibylle Kobus, deren Bühnenbild ja eine wesentliche Rolle spielt, probierten die beiden Schauspielerinnen die nahezu sprachlose Handlung anhand von Bewegungen, Akrobatik und sportlichen Übungen (immerhin schlägt Lydia Starkulla Rad) so lange aus, bis alles perfekt, auch mit der Technik klappte.

Ihr Ziel ist es, „Schleichweg“ in Kindergärten und Schulen zu zeigen, es ist für Kinder ab vier Jahre konzipiert und beweist wieder einmal die unerschöpfliche Fantasie aller vier Protagonisten. Mit Witz und Kreativität wird Kindern und Erwachsenen ganz beiläufig, dafür aber nachhaltig, Botschaft vermittelt.

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