4 Wochen no plastic – wie alles begann

No plastic

Das Spiel hieß: No plastic und dauerte 4 Wochen. Foto: Anschi Hacklinger

Sonntagskolumne

Ressourcen sparen, das wär’s. Auch oder gerade im Kleinen. Auf die Politiker schimpfen kann jeder, bei sich selber anfangen ist die größere Herausforderung. Die Autorin nimmt sie an – und je nachdem scheitert sie auch mal, fühlt sich wie der siegreiche David neben dem grossen Goliath oder amüsiert sich über ihre leidenschaftlichen Ambitionen, die Welt zu retten.

Vor einigen Wochen war’s, als mein großes und durchaus ökologisch interessiertes Kind mit einem Vorschlag offene Türen einrannte: plastikfrei leben. Auf YouTube verfolge sie schon lange den Blog eines Mädels, das einen sehr nachhaltigen Lebensstil pflege und das könne man doch mal ausprobieren.

Im Prinzip eine super Idee, fand ich, trotzdem einigten wir uns erstmal auf die abgespeckte Variante: 4 Wochen plastikfreies Einkaufen. D. h., keine Verpackungen kaufen, die aus Plastik bestehen oder beinhalten und, wenn wir schon mal dabei sind, auch keine aus Alufolie. Und außerdem auch möglichst wenig Papier – in der Bilanz des CO2 Verbrauchs schneiden Papiertüten nicht viel besser ab als solche aus Plastik und landen außerdem wegen der schlechteren Haltbarkeit viel früher im Müll. In Plastik verpackte Vorräte verbrauchen, das war erlaubt. So lauteten also die Regeln unseres neu ersonnenen Spieles, in dem wir selber die Spielfiguren waren.
Die Rücksprache mit den beiden anderen Familienmitgliedern ergab, dass die Begeisterung nicht ganz so groß war, sie aber bereit waren, so weit als möglich mitzumachen.

No plastic

Die Protagonistinnen mit Botschaft. Foto: Anschi Hacklinger

Und los geht’s….

Also dann, alle Figuren aufs Startfeld. Der erste Einkauf entpuppte sich als sehr einfach und schnell – die Auswahl an nicht in Plastik verpackten Lebensmitteln im normalen Supermarkt war äußerst überschaubar und machte die „Entscheidung“ leicht. Milch und Joghurt in Pfandflaschen, das wenige unverpackte Obst und Gemüse und außerdem kleine Schokoküsse – die einzige Süßigkeit, die nur in „Papier“ und nicht in (beschichtetem) Plastik oder Alu verpackt ist.

Die Käseverkäuferin war zwar ob meiner Brotzeitbox etwas irritiert, in die sie den georderten Käse verpacken sollte, kooperierte aber. Nächste Hürde: „Darf ich die Dose in eine Papiertüte tun, um dann das Etikett dranzuklipsen?“ „Nein.“ Die Verkäuferin schaute beleidigt. Ich erklärte ihr, dass ich mich in einem Live-Spiel befände, in dem keine Verpackungen erlaubt seien. Jetzt schaute sie nicht mehr beleidigt, sondern verständnislos, aber wir einigten uns darauf, dass ich das ausgedruckte Preisetikett ganz bestimmt an der Kasse vorzeigen würde.

No plastic
Selbstgenähte Brot – und Breznsackerl zum Papiertüten sparen. Foto: Anschi Hacklinger

Der Mülleimer bleibt leer….

Das Auspacken daheim machte richtig tatsächlich Spaß. Bisher gab es nach jedem Einkauf die absurde Situation, dass der Mülleimer nach dem Verräumen zur Hälfte gefüllt war. D.h., man kauft ein, schmeißt aber gleich schon wieder jede Menge weg. Was für eine Überflussgesellschaft, die sich erlauben kann, dermaßen viel an Ressourcen und Energie wegzuschmeißen!

Der Vorteil von unverpacktem Obst und Gemüse: Man kann sich „gute“ Ware nehmen und muss nicht daheim gleich schon die erste verschimmelte Mandarine wegschmeißen, die man im Netz übersehen hat. Und: man kauft tatsächlich nur so viel ein, wie man tatsächlich braucht. Und das ist ja manchmal auch weniger als ein ganzes oder auch anderthalb Kilo Orangen. Das wiegt meines Erachtens den etwas höheren Preis auf jeden Fall wieder auf. Nachteil: die Auswahl ist tatsächlich sehr begrenzt.

Flexibilität hilft beim Jagen

Der erste Einkauf hatte tatsächlich etwas „archaisches“ – im Wald konnten sich unsere Vorfahren auch nicht aussuchen, ob ihnen ein Wildschwein oder ein Hase vor die Flinte lief, sie mussten eben nehmen, was sie bekamen. Und da ich momentan noch hoch motiviert und gespannt war, brachte mich der kurzfristig umdisponierte Speisezettel mit Salat aus Roten Rüben anstatt dem in Folie verpackten Feldsalat auch nicht aus dem Konzept.

Mein ökologisch interessiertes Kind übrigens auch nicht – es bevorzugt zum Abendessen sowieso Käsebrot.

Das war erst der Beginn – die Erfahrungsberichte der nächsten Wochen no plastic folgen…

In der Sonntagskolumne bringen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge von Kulturschaffenden zu Themen, die sie umtreiben. Wenn Sie Lust haben sich zu beteiligen, schreiben Sie uns: redaktion@kulturvision-aktuell.de

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern frohe Ostern!

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