
Zauberhafte Reise zur Schneekönigin
„Die Schneeekönigin“ in ihrem Element – herrschen und eisige Stimmung verbreiten. Foto: SB
Theater Dramadama in Valley
In eine Welt voller Eis und Kälte und gleichzeitig voller Wärme und Liebe entführt das Ensemble Dramadama in seiner diesjährigen Winterproduktion im Valleyer Schlossbräu seine Zuschauer. Regisseurin Lydia Starkulla schafft mir ihrer Adaption von „Die Schneekönigin“ wieder Theatermomente die Groß und Klein in Erinnerung bleiben werden.
Der Festsaal des Valleyer Schlossbräu ist derzeit nicht mehr wiederzuerkennen, denn er hat sich in ein Winterwunderland aus einer anderen Welt verändert. Von einem Bühnenbild ist hier nicht zu sprechen, denn schon wie im „Sommernachtstraum“ in Holzkirchen, stehen die Darsteller auch hier nicht isoliert vom Publikum auf einer Theaterbühne. Das bunt gemischte Publikum im ausverkauften Saal sitzt mittendrin in der Kulisse. Ist hautnah dran an den Laienspielern von Dramadama, welche „Die Schneekönigin“ frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen von Helmut Münchhausen spielen.
Die Schneekönigin mit eigenem Touch
Die Geschichte dürfte den meisten bekannt sein: Ein Zauberspiegel zerbricht, ein Splitter trifft einen Jungen und dieser sieht von nun an die Welt anders als zuvor. Die Schneekönigin nimmt sich seiner erkalteten Seele an und nur seine Freundin kann ihn retten. Doch Lydia Starkulla wäre nicht Lydia Starkulla, hätte sie diesem Märchen nicht ihren ganz eigenen Touch verliehen und damit ein Theaterstück voller Magie und Humor erschaffen, ohne dabei die wichtige Message zu verlieren.
Drei Trolle und eine große Liebe
Gleich zu Beginn lernt das Publikum die drei Trolle kennen, welche derart mitreißend und humorvoll von Jochen Geipel, Andrea Beier und Xaver Bernöcker verkörpert werden, dass man mit der Zeit völlig vergisst, dass sich echte Menschen in den Kostümen befinden. Die drei Trolle bleiben tragende Charaktere im weiteren Verlauf und sorgen für so manche Lacher im Stück.

Die drei Trolle: Andrea Beier, Xaver Bernöcker und Jochen Geipel. Foto: SB
Der große Troll zerstört einen Zauberspiegel, der alles Gute plötzlich schlecht erscheinen lässt und damit nimmt die Handlung ihren Lauf. Denn der Menschenjunge Kay, überzeugend von Quirin Rauffer gespielt, bekommt einen Splitter in sein Auge und sieht von diesem Moment an seine Kindheitsfreundin und große Liebe Gerda nicht mehr so, wie zuvor. Diese wird lebendig von Anna Zuckermaier dargestellt und kann gar nicht fassen, was mit ihrem Kay geschieht.

Das Liebespaar Gerda (Anna Zuckermaier) und Kay (Quirin Rauffer). Foto: SB
Die Reise zur Schneekönigin
Doch es kommt noch ärger: Denn die Schneekönigin hat sich auf den Weg zu den Menschen gemacht und bringt neben Schnee und Kälte auch noch Unheil mit. „Sie treibt alles auseinander“, warnt Gerdas Großmutter, wie immer souverän gespielt von Gisela Emmi Riedl, die Beiden. Die Alte soll Recht behalten, denn die Schneekönigin vereist Kays Herz und entführt ihn in ihr Reich am Nordpol.

Die Schneekönigin alias Daniela Scheuenstuhl-Anduleit. Foto: SB
Daniela Scheuenstuhl-Anduleit stellt die Majestät mit einer derartigen Präsenz dar, dass allen im Raum auch ohne Eiswind der Atem stockt. Daniel Rasch formt die Rolle des belehrenden Hannes mit der Kiepe wieder mit seiner Spielart zu einem besonderen Charakter. Gerda will ihre große Liebe Kay jedenfalls nicht der Schneekönigin und seinem eisigen Schicksal überlassen und macht sich auf den Weg zum Nordpol.

Der komödiantische Hofstaat samt König von Kamtschatka. Foto: SB
Auf ihrer Reise trifft sie auf so manch eigentümliche Leute. Der Hofstaat rund um den König von Kamtschatka, der Bruder der Schneekönigin, etwa. Brillant gestaltet Urmel Saurle die Rolle des Leibarztes des zur Melancholie neigenden Königs, der überzeugend komödiantisch von Lorenz Schmaus gespielt wird. Patrick Junge (Hofmeister) und Eva Frauenrieder (Hofdame) sowie die junge Lucy Weichert als Prinzessin komplettieren diesen humorvollen und charismatisch dargestellten Hofstaat und begeistern das Publikum.

Die Räuberinnen aus Lappland in ihren Kostümen. Foto: SB
Bevor Gerda jedoch am Nordpol ankommt, trifft sie noch auf eine Gruppe rüder Räuberinnen in Lappland (Anja Erbricht, Indira D’Souza, Julia Brünner, Katharina Grun, Muriel Baumgartner und Susanne Grun), die dem Saal stimmgewaltig und eindrücklich einheizen.
Hervorzuheben sind neben der Inszenierung des Saals und stimmungsvollem Lichtdesign, auch und vor allem die detailverliebten Kostüme (Katharina Probst und Lydia Starkulla) aller Darstellenden, welche auch bei einem derart nahen Schauspiel am Publikum, nicht an Authentizität einbüßen.
Freundschaft, Mut und Liebe
Wie die Geschichte über Freundschaft, Mut und die Kraft des Herzens rund um Kay, Gerda und all ihre Begleiter ausgeht, das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Dass sich ein Besuch dieser philosophischen und humorvollen Theatermärchenreise des Dramadama e.V. für große und kleine Zuschauer mehr als lohnt, sei hier jedoch gesagt.