
Politsatire feiert Premiere in Schliersee
Gelungene Premiere von „Der Weihrauchwastl“ im Schlierseer Bauerntheater. Foto: Judith Weber
Theater in Schliersee
Wer wird Bürgermeister? Mit dem Stück „Der Weihrauchwastl“ startet das Schlierseer Bauerntheater in die neue Spielsaison. Die bayerische Politsatire dreht sich um eine Bürgermeisterwahl und sorgt für viele Lacher. Ein unterhaltsamer Theaterabend rund um Lokalpolitik.
Eine gelungene Premiere
Mit der Premiere von „Der Weihrauchwastl“ ist im Schlierseer Bauerntheater am Ostersonntag die neue Spielsaison eröffnet worden. „Ein sehr passendes Stück zur Kommunalwahl heuer. Aber so, wie es sich im normalen Fall eher nicht abspielen sollte“, sagte Vize-Vorstand des Schlierseer Bauerntheaters Anton Stögmeier bei der Begrüßung.

Der Weihrauchwastl soll beim Schreiben der Rede helfen. Foto: Judith Weber
Die bayerische Politsatire in drei Akten von Erfried Smija stellt eine Bürgermeisterwahl in den Mittelpunkt und erzählt von Intrigen und persönlichen Interessen. Inszeniert wird das Stück von Girgl Floßmann, unterstützt von Steffie Owen als Regieassistenz. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bürgermeisterwahl in Schliersee, bei der der langjährige Vorstand des Bauerntheaters Florian Reinthaler zum Bürgermeister gewählt wurde, erhält das Thema eine zusätzliche Note, ohne dass sich Parallelen aufdrängen.
Zwischen Kandidatur und Intrigen
Im Zentrum der Geschichte steht Bartl Moosberger, den Hans Schrädler spielt. Der berechnende Immobilienmakler Hannes Nagel, dargestellt von Martin Hirtreiter, will ihn als Bürgermeisterkandidaten aufbauen. Als Figur ist Bartl kein geübter Redner und wirkt gerade in öffentlichen Auftritten unsicher, keine ideale Voraussetzung für dieses Amt. Gitti Knott spielt seine Ehefrau Anni Moosberger, die von den Plänen ihres Mannes nicht überzeugt ist. Um den Kandidaten dennoch vorzeigbar zu machen, wird der „Weihrauchwastl“, Sebastian Haslberger, gespielt von Girgl Floßmann, ins Spiel gebracht. Als Mesner mit Talent fürs Schreiben soll er eine Wahlrede verfassen, die Bartl den nötigen Rückhalt verschafft. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass es nicht nur um eine Kandidatur geht, sondern vor allem um persönliche Vorteile für Hannes Nagel.

Lissi Nagel geht Anni Moosberger ziemlich auf den Geist. Foto: Judith Weber
Bartls Schwester Betty Moosberger, gespielt von Conny Floßmann, durchschaut die Zusammenhänge und versucht gegenzusteuern. Lissi Nagel, dargestellt von Antonia Fürst, ist die Frau des Immobilienmaklers Hannes Nagel. Sie mischt sich mit schrillem Auftreten und hoher Stimme ins Geschehen ein und fällt damit immer wieder auf. Nicht ohne Grund bezeichnet Anni Moosberger sie als „überzüchtete Henne“ und fragt den Weihrauchwastl: „Geht dir das Weiberts ned auf den Geist?“ Solche derben Sprüche gehören durchgehend zum Stück und sorgen für viele Lacher. Der Weihrauchwastl erkennt, was hinter den Kulissen läuft. Am Ende spitzt sich alles auf einen entscheidenden Moment zu: Mit einer veränderten Rede greift er in letzter Minute in das Geschehen ein und lenkt den Verlauf in eine andere Richtung als ursprünglich geplant.

Ein Auftritt mit Nebenwirkungen, Bartl Moosberger nach der Rede. Foto: Judith Weber
Die Pointen kamen an, es wurde viel gelacht. Auch der Bezug zur Schlierseer Kommunalpolitik wurde punktuell aufgegriffen, etwa bei einem Namen des Gegenkandidaten als Versprecher sowie in einem Gedicht, in dem sich lokale Politiker und auch deren familiäres Umfeld wiederfinden konnten.
Als der Vorhang fiel, wurden die Schauspieler mit lang anhaltendem Applaus für die grandiose Vorstellung belohnt.

Viel Applaus als Belohnung. Foto: Judith Weber
Unter den Gästen waren neben dem frisch gewählten Bürgermeister Florian Reinthaler unter anderem die Kabarettistin Monika Gruber, die selbst schon auf der Bühne des Schlierseer Bauerntheaters stand, sowie Schauspieler Helmfried von Lüttichau. Auch Bürgermeister Stefan Deingruber aus der Nachbargemeinde Fischbachau, Vertreter der Kirche und befreundete Schauspieler aus München waren im Publikum.
Vor der Vorstellung, in den Pausen und auch nach dem Schlussapplaus spielten die Schlierachtaler Musikanten und begleiteten den Abend musikalisch.
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