Ein Mann seines Wortes

Papst Franziskus - Rezension zum Papstfilm „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“

Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes. Foto: pixabay

Filmrezension

Er läuft seit einigen Wochen in den deutschen Kinos und kann gar nicht genug beworben werden. Jeder sollte ihn ansehen, egal ob Protestant, Katholik, Atheist oder Andersgläubiger: den Film des Regisseurs Wim Wenders über den Papst Franziskus.

Der berühmte Filmemacher und bekennende Katholik Wim Wenders war erstaunt, als die Kommunikationsabteilung des Vatikan im Herbst 2013 an ihn herantrat. Sie sprachen mit ihm über ein Filmprojekt über den Papst. Die Bedingungen waren ideal: keine Auftragsarbeit, freie Finanzierung, keine Vorgaben. Im Gegenteil. Wim Wenders durfte sogar die Archive im Vatikan nutzen.

„Auge in Auge“ mit dem Papst

Rechtzeitig zum fünfjährigen Pontifikat von Papst Franziskus ist der Film Anfang dieses Sommers in die Kinos gekommen. Im Zentrum stehen vier lange Interviews. Wim Wenders drehte sie im Vatikan mit einer speziellen Kameratechnik. Der Regisseur verzichtet darin auf einen konkreten Fragesteller oder Stichwortgeber. Er lässt den Pontifex stattdessen seine Botschaften für alle Menschen direkt in die Kamera sprechen. So befinden sich Zuschauer und Papst gleichsam „Auge in Auge“. Markante Schlüsselsätze wie „Solange eine Kirche ihre Hoffnung darauf setzt, reich zu sein, ist Jesus darin nicht zu Hause“ verstärkt Wim Wenders noch einmal durch Inserts mit dem gleichen Wortlaut.

Zu den Interviews im Vatikan und vielen bewegenden Szenen auf Reisen des Papstes setzt Wim Wenders Spielfilmszenen in Schwarz-Weiß, die das Leben des Namensgebers Franziskus von Assisi in kurzen Stationen zusammenfassen. Sie unterstreichen die Besonderheit dieses Papstes, der dem Namen Franziskus bewusst gewählt hat, um die Kirche zu erneuern, indem er an das Leben und die Ideale des Franz von Assisi erinnert: Der Radikalheilige steht für eine Kirche der Armen. So beginnt und endet dann auch der Film in Assisi.

Papst erinnert an die Menschenwürde

Papst Franziskus sieht sich in dessen Tradition. Er verzichtet bewusst auf Prunk, benutzt öffentliche Verkehrsmittel und einen Fiat 500 als Dienstwagen. Er sucht immer wieder die Begegnung mit den Ärmsten und den Ausgegrenzten an den Rändern dieser Gesellschaft. Eindringliche Kamerabilder aus dem Archiv zeigen weltweit Menschenansammlungen, die dem Papst zujubeln. Sie lassen die Zuschauer an diesen bewegenden Begegnungen teilhaben. Genau wie der Papst erspart auch Wim Wenders den Zuschauern nicht die direkte Konfrontation mit Armut, Krankheit und Verzweiflung. In ergreifenden Situationen spricht der Papst Flüchtlingen oder Katastrophenopfern Mut zu, wäscht Strafgefangenen die Füße. Er ist ihnen nah. Er holt sie vom unsichtbaren Rand der Gesellschaft, setzt sie in den Fokus und lässt nicht zu, das weggesehen wird.

Plakat
Plakat zum Film. Foto: Universal Film

Das Ergebnis ist ein Dokumentarfilm und zugleich ein Propagandafilm der anderen Art, feinsinnig und eindringlich. Er plädiert für Mitgefühl, Solidarität, soziales Engagement, Bescheidenheit, Schutz der Umwelt, Kampf gegen Ungerechtigkeit. Dieser Papst lenkt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, der Kirche und der Politik auf Werte, für die es sich in unserer neoliberalen, entfesselt kapitalistischen Zeit wieder einzutreten lohnt. Wim Wenders feiert diesen Papst, auf den die Christen gewartet haben und weckt in den Zuschauern den Wunsch mit ihm gemeinsam die Welt zu verändern.

Auseinandersetzung mit kritischen Themen

Nicht die Reichen und Schönen stehen für Papst Franziskus im Zentrum. Nicht der Pomp und der stille Luxus, die Bequemlichkeit, die Privilegien, sondern die Begegnung mit den Armen und Bedürftigen, den Vergessenen und am Rande der Gesellschaft Gestrandeten, den Menschen an den Brennpunkten unserer Welt. Zugleich sucht er den interreligiösen Dialog und setzt sich sorgfältig und bestimmt mit kritischen Themen auseinander, die in der katholischen Kirche manchmal lieber totgeschwiegen werden.

Laudato si‘ erinnert an Verantwortung für die Natur

Der Regisseur Wim Wenders lässt die Zuschauer für einen Moment innehalten mit der Frage: „Was tun wir jetzt eigentlich?“ Papst Franziskus fordert: „Wir brauchen und wir wollen einen Wandel“. Damit stellt er eine Aufgabe und Herausforderung an uns alle. Der Film „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ lässt die Zuschauer nicht kalt. Er erreicht sie in seinem eindringlichen Appell an die Menschlichkeit, Genügsamkeit und an unsere Aufgabe, die Wunder der Natur und unseren einzigen Planeten Erde zu schützen. Papst Franziskus hat im dritten Jahr seines Pontifikats die  Enzyklika „Laudato si’– Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ zum Themenkomplex „Umwelt und Entwicklung“ veröffentlicht.

Jeder sollte diesen bewegenden Film gesehen haben. Für den aktuellen Pontifex ist es bereits der zweite Auftritt auf großer Leinwand: Bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Jahr wurde „Beyond The Sun“ vorgestellt – ein Familienfilm über die Botschaft Jesu, in dem der Papst einen Cameo-Auftritt hat.

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