So klingt Harmonie: Flöte und Harfe

Flöte und Harfe

Regine und Michael Martin Kofler in St. Josef. Foto: Friedrun Sternath

Konzert in Holzkirchen

Die Holzkirchner Musiker Michael Martin und Regine Kofler entführten schier atemlose Zuhörer in der vollbesetzten St. Josef-Kirche in magische Sphären höchsten Kunstgenusses. Ein geschickt zusammengestelltes Programm von Meistern aus verschiedenen Jahrhunderten ließ die Einheit von Mensch und Instrument fast körperlich spüren. Gänsehautfeeling.

Zunächst begrüßte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Matthias Hefter das Publikum und stimmte es kurz auf einen außergewöhnlichen Abend ein.

Von Bach bis Chopin

Danach erklärte Michael Martin Kofler, Soloflötist bei den Münchner Philharmonikern und Professor am Mozarteum in Salzburg, prägnant die Sonate in C-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Schnell ergreift die Flöte die Führung im kurzen 1. Satz, bevor eine betörende Harfenbegleitung einsetzt. Der 2. Satz, Allegro, kommt getragen und doch schwebend daher. Trällernd, mit winzigen, pointierten Pausen verspricht der 3. Satz barockes Hörvergnügen. Zwei kurze Menuette bilden den Abschluss der Sonate von 1736. Michael Kofler wiegt sich im Takt der Musik und verschmilzt mit seinem Instrument.

Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Andante in C-Dur nimmt uns mit in einen Zaubergarten voll sehnsüchtigem Vogelgezwitscher, bevor Variationen über ein Thema von Rossini auf dem Programm stehen. Frederic Chopin (1810-1849) bearbeitete Arien aus Rossinis „Cenerentola“ und transferierte sie für Kammermusik. Michael und Regine Kofler boten einen gefühlvollen langsamen Teil mit spritzigem Ende, wilden, mit überbordender Fingerfertigkeit gespielten Triolen.

Was macht eigentlich die Harfinistin mit den Füßen?

Das sei eine recht häufig gestellte Frage, erläuterte Regine Kofler vor ihrem Solo und gab auch gleich eine kurze Erklärung. Ursprünglich sei die Harfe einmal ein diatonisches Instrument gewesen. Man müsse sich das vorstellen wie ein Klavier nur mit weißen Tasten. „Die komplette Technik hat 2500 Einzelteile und sieben Pedale. Jede Saite hat drei verschiedene Töne. Und die Füße sorgen dafür, dass man auch die Zwischentöne spielen kann.“

Flöte und Harfe
Regine Kofler erklärt das Prinzip der Harfe. Foto: Friedrun Sternath

Ein Stück des französischen Komponisten Gabriel Pierné (1863-1937) hat sie sich ausgesucht. „Impromptu“– Caprice, op 9 für Harfe solo von 1885. Sehr sanft, mit unendlich weichem Klang spielt sie ihr Instrument. Da wirbeln die Fingerspitzen nur so über die Saiten. Trillernde Glissandi entströmen der Harfe. Dann wieder zupft die Musikerin nur leicht und berückend. Und man fühlt die Töne förmlich auf der Haut.

Bekannte und unbekannte Meister

Auf Georges Bizets (1838-1875) wunderbar interpretierten Klängen aus den Opern „Carmen“ und „L’Arlesiènne“ folgte der Ziegentanz („Danse de la chèvre“) des französisch-schweizerischen Komponisten Arthur Honegger (1892-1955). Das ca. 3-minütige Flötensolo ist in drei Teilen angelegt. „Lent“, ein langsames Motiv, schläfrig, aber doch aufsteigend, erhebt sich die Ziege. Darauf folgt der Tanz. Bockbeinige Ziegensprünge und lautmalerisches Meckern meint man zu hören. Fast unangenehm klingt das zuweilen. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Ist sie schon müde, die Ziege?, fragt man sich unwillkürlich.

Flöte und Harfe
In der Pause. Foto: Monika Heppt

Vor der Pause hören wir noch den Entr’acte von Jacques Ibert (1890-1962) . Diese launige Caprice von 1935 des französischen Komponisten kommt unbeschwert, fast witzig und humorvoll daher und wirkt doch vergeistigt.

Fantasien und Karneval

„Fantasie“ op.124 von Camille Saint-Saëns (1835-1921) bringen die Künstler nun in vollkommener Harmonie zu Gehör. Engelsgleiche Töne entlockt Michael Kofler seiner Traversflöte und eine liebevolle Verneigung bietet die Harfe. Mit großer Intensität schrauben sich atemberaubende Verzierungen in ungeahnte Höhen. Einschmeichelnd geführt von der Flöte setzt die Harfe ihre Akzente. Ein wechselseitiger Dialog entspinnt sich. Nach einer fast schwermütigen Passage ein ergreifender Schlusspunkt. Atemlose Stille in der St. Josef-Kirche, die sich in großem Jubel bricht.

Flöte und Harfe
Der Innenraum der neuen Kirche St. Josef in Holzkirchen. Foto: Petra Kurbjuhn

Mit Marc Berthomieus (1906-1991) „Cinque nuances“ verspricht ein weiterer Franzose Gänsehautgefühle. Jede der fünf Nuancen vermittelt durch Regine Koflers Spiel ein eigenes Gefühl: von Intensität, beschwingter Fröhlichkeit, über Esprit und munterer Heiterkeit bis hin fast zu Übersinnlichem steigern sich die Empfindungen. Wieder atemlose Stille im Publikum, danach tosender Applaus.

Ist das noch zu toppen? Man möchte meinen, nein.

Witziger Abschluss

Aber dem Ehepaar Kofler gelingt selbst das. Auf Gabriel Faurés (1845-1924) Fantasien folgt der witzige Abschluss. „Carneval de Venise“ von Paul-Agricole Génin (1832-1903) kommt mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit und guten Laune daher, gekrönt von grandiosen Verfremdungen und burleskem Charme. Wer hörte da nicht „Mein Hut, der hat drei Ecken“ heraus und möchte fast einstimmen in die venezianische Weise?

Zwei Zugaben später neigt sich der Abend seinem Ende zu. Große Begeisterung unter den Besuchern dieses einzigartigen Konzerts. Dazu beigetragen hat auch „diese wunderbare Akustik hier in der neuen Kirche“, wie eine Zuhörerin es beim Hinausgehen formulierte.

Hier geht es zum Einführungstext zur neuen katholischen Kirche St. Josef Holzkirchen:

Kultur in St. Josef – die Kirche mit Leben füllen

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