Mit OperaBrass durch London

OperaBrass

Die Blechbläser der Bayerischen Staatsoper. Foto: Monika Janke

Konzert in Holzkirchen

Fast schon ein Heimspiel. Und nicht nur wegen des Holzkirchners Uli Pförtsch an der Posaune. Bereits zum dritten Mal begeisterten die Blechbläser der Bayerischen Staatsoper nun das Holzkirchner Publikum im Festsaal des Kultur im Oberbräu. An diesem Abend hatten sie Streifzüge kreuz und quer durch London im Gepäck.

Zehn elegant gekleidete Blechbläser stehen auf der Bühne. Jeder Einzelne ein Meister seines Instruments und zusammen eine geniale Klangwucht. Neben Uli Pförtsch, Frank Bloedhorn an der Trompete, Steffen Schmid an der Tuba und dem Hornisten Rainer Schmitz, alle inzwischen wohlbekannt in Holzkirchen, waren an weiteren Trompeten Johannes Moritz, Stefan Leitner und Andreas Kittlaus sowie die Posaunisten Thomas Klotz und Michael Bigelmeier und Uwe Füssel an der Bass-Posaune dabei.

Von Barock bis Camille Saint-Saens

Festlich begann das Konzert mit Jeremiah Clarke (1674-1707) und Trompetenklängen aus Henry Purcells (1659-1695) Semi-Oper „Indian Queen“. Danach stand natürlich Georg Friedrich Händel (1685-1759) auf dem Programm.

Frank Bloedhorn führte wie schon bei den vorhergehenden Konzerten inspiriert, launig und ironisch durch den Abend. So erklärte er uns, wie man sich die Premiere der Wassermusik 1717 vorstellen muss. Zwei Barken fahren auf der Themse. In einer sitzt König Georg I. mit Gefolge und in der zweiten befinden sich 50 Musiker, dazu Tausende von Zuhörern und Zuschauern an den Ufern der Themse. Welch gigantischer Medienerfolg wird das für Händel.

Opera Brass
Frank Bloedhorn moderiert launig den Abend. Foto: Monika Janke

Kraftvoll und mit intensiven Klängen lässt uns OperaBrass an diesem Ereignis teilhaben. Bis in die Fingerspitzen motiviert, mit erlesenem Gefühl für Töne und Lautstärke interpretieren sie nach eigenen Arrangements dieses allseits bekannte Werk.

Gemeinsam mit den King Singers traten sie im Prinzregententheater auf. Die Blechbläser von OperaBrass erfreuen mit Liedern vom englischen Kontinent. Da gibt es das Lied eines Mädchens, das von Eiche und Esche träumt, ebenso wie das Seefahrerlied „Migildi magildi“ oder die irische Melodie „Londonderry Air“, die traditionell, ja fast wie die englische Nationalhymne klingt.

Karneval der Tiere

Und schon befinden wir uns im Londoner Zoo. Alle sind bereit zum „Karneval der Tiere“. Beim königlichen Marsch der Löwen geht es zuweilen etwas laut und auch recht ungeordnet zu. Mit tiefem Gebrüll schreiten sie langsam und majestätisch in die Runde, aufwärts und abwärts gespielt von Trompeten- und Posaunenklängen. Ist sie das wirklich, die ganz dicke Frau im Kiosk, die aussieht wie eine Schildköte und nachts tanzen geht? Sollen wir Frank Bloedhorns einleitenden Worten glauben?

Elefanten tanzen am liebsten Walzer

Er klingt schon etwas seltsam, der Can-Can der Schildkröte. Ganz langsam und ausgesprochen müde erscheint er hier. Fast im Zeitlupentempo spielen die Bläser den sonst so flotten, spritzigen Tanz von Jacques Offenbach. Schnell geht es weiter mit den Elefanten. „Sie haben dicke Haut und lieben Blasmusik“, erklärt Bloedhorn. „Elefantenmänner tanzen am liebsten Walzer“.

Da können sich Tuba und Horn austoben und in die Vollen greifen. Langsam und träge erscheint der Kuckuck, der immer nur dasselbe tut und sagt, wie so mancher Mensch. Bei den Fossilien liegt die Sache naturgemäß anders. „Ob einer ein Fossil ist, hat mit dem Alter nichts zu tun“. Wir erfahren, dass ein Fossil immer von früher erzählt und nicht sehen will, wie es im Leben weitergeht. Und wie drückt das die Musik aus? Schnelles Klappern, lautes Klacken, stimmgewaltige Rhythmen.

Londoner Show-Time

Die Blechbläser von OperaBrass lieben sie, die „Songs from the Show“. Wie hier Kopfkino zum Einsatz kommt, ist einfach genial. Alles dürfen wir uns vorstellen bei diesen kraftvollen Klängen der Musiker. „Covent Garden ist nicht nur Oper oder Musical, sondern immer auch Show“, erklärt Frank Bloedhorn. Die Kunstform Show ist in England und den USA längst etabliert. Immer wieder ist es die Liebe, die verzaubert. Und so streifen sie hin und her, beobachten die Leute, wiegen die Köpfe, bleiben in Bewegung und holen schnell mal einen anderen Aufsatz für ihr Instrument.

Opera Brass
Die Musiker und ihre Instrumente. Foto: Monika Janke

Bei „I Only Have Eyes For You“ oder „The Way You Look Tonight“ aus „Swing Time“ gleiten wir dahin und lassen uns mitnehmen in eine leichte, luftige, lockere Stimmung von Swing und Jazz. Wir hören und fühlen sie und stellen wie selbstverständlich bewundernd fest: Wie du heute Abend wieder aussiehst….

Mit altmodischem Navi

Nun noch ein wie für London Besucher gemachter Streifzug durch die Metropole an der Themse. Mit „altmodischem Navi“, einem echten Stadtplan, den Frank Bloedhorn in der ersten Reihe ausgibt, kann es losgehen. Aufgepasst und die richtigen Planquadrate finden.

Gordon Langfords (1930-2017) „London Miniatures“ führen uns durch einige wichtige Gegenden und Plätze, wie Soho, den Green Park oder Trafalgar Square. Da ist Lebendigkeit, Halbwelt oder Jagdeifer angesagt. Es erklingen Seemannslieder bei Lord Nelson, und es brechen Erinnerungen an die Monarchie auf. Vorbei an den Horseguards haben wir sofort die königliche Truppenparade vor Augen.

Satter Klang

Eine bunte Mischung, die musikalisch höchst komplex durchkomponiert ist. Malerisch, kräftig und laut klingt es, teilweise wenig melodiös. Dann wiederum beherrschen differenzierte Töne den Saal. Tuba, Horn, Posaunen und Trompeten greifen Raum und werden mit schnellem Einsatz zu einem satten Klang zusammengeführt.

Wir hören fröhliches Stakkato ebenso wie vielfältiges Treiben. Kurze Soli und voller Gesamtklang wechseln sich ab. Schmissige Blasmusik mit Volksfestcharakter erwartet uns bei den Horseguards. Ja, so kann man eine Metropole liebevoll durchschreiten und jedem Platz ganz einfach seine ihm eigene Stimmung musikalisch zuordnen.


Die Musiker beim Schlussapplaus. Foto: Monika Janke

Und weil Frank Bloedhorn an diesem Tag Geburtstag hat, bekommt er ein kurzes „Happy Birthday“ vom Publikum und beschenkt sich gemeinsam mit seinen großartigen Musikerkollegen von Opera Brass selber mit einem schwedischen Volkslied als Zugabe.

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