Opera Brass zwischen Jazz, Swing und Oper

Opera Brass - Virtuosen: Rainer Schmitz (Horn) und Steffen Schmid (Tuba)

Opera Brass – Virtuosen: Rainer Schmitz (Horn) und Steffen Schmid (Tuba) Foto: Petra Kurbjuhn

Konzert in Holzkirchen

Und wieder begeisterten sie das Publikum im ausverkauften Festsaal im Kultur im Oberbräu. Die Blechbläser der Bayerischen Staatsoper zogen unter Mitwirkung von Lokalmatador Uli Pförtsch an der Posaune alle Register ihres phänomenalen Könnens.

„Opernhits zwischen Liebe und Tod“ lautete das Motto, dem sich die seit 1995 bestehende Kammermusikformation der Staatsoper in München hemmungslos hingab. Mit dem „Empty Stage Blues“ von Ingo Louis, einem Posaunisten des WDR- Rundfunkorchesters, legten sie gleich fetzig los, die Mitglieder von Opera Brass. Steffen Schmid an der Tuba und Hannes Mück (Bassposaune) starteten und sogleich setzten sich Ulrich Pförtsch, Sven Strunkeit und Robert Kamleiter an den Posaunen in Szene. Auf die Trompeten (Andreas Öttl, Frank Bloedhorn, Franz Xaver Tradler und Hannes Meier) folgte satt und kräftig Rainer Schmitz am Horn.

Oper von Monteverdi bis Verdi

Frank Bloedhorn führte gewohnt launig und philosophisch kundig durch das Programm. „400 Jahren Liebe und Tod in der Oper beginnt naturgemäß bei Claudio Monteverdis (1567-1643) Oper Orfeo.“ Historische Instrumente hätten sie mitgebracht, mit denen sie die Toccata (1.Satz) original spielen könnten. So wie sie 1607 in Mantua aufgeführt wurde, ohne Ventile. Sieben kurze Sätze aus der Orfeo Suite brachte Opera Brass zu Gehör, mit exzellenter Blastechnik, nuanciert und stilistisch höchst anspruchsvoll. Da passte wirklich alles.

Opera Brass von den Blechbläsern der Bayerischen Staatsoper
Opera Brass von den Blechbläsern der Bayerischen Staatsoper. Foto: Petra Kurbjuhn

„Wir wollen versuchen, Oper zu spielen, auch ohne Streicher“, sagte Bloedhorn und beschrieb das Stück „Das Opernhaus“ von Dieter Wendel (geb. 1965), einem Posaunenwart der evangelischen Kirche, als musikalischen Gruß aus München. „Das Opernhaus“ entpuppte sich als Mix verschiedener Stilrichtungen und Deutungen.

Bei Pietro Mascagnis (1863-1945) Intermezzo aus „Cavalleria Rusticana“ und Giacomo Puccinis (1858-1924) Nessun dorma aus „Turandot“ schwoll der edle Klang träumerisch an und führte zu höchsten Sphären. Was bleibt übrig von uns? Vom Menschen? „Niemals gehen wir ganz. Immer bleibt etwas von uns zurück. Wir hinterlassen Spuren“, erklärte Bloedhorn und verwies auf Orte, an die man immer wieder zurückkehrt oder solche, die man meidet. Alles schläft und doch…?

Andreas Oettl (Solotrompete) und Rainer Schmitz (Horn) spielen Opera Brass - virtuos
Andreas Oettl (Solotrompete) und Rainer Schmitz (Horn) – virtuos. Foto: Petra Kurbjuhn

Bei der „Capriol Suite“ des Engländers Peter Warlock (1894-1930) wies Bloedhorn vorsichtshalber darauf hin, dass alle Töne, die gespielt würden, richtig seien. Fast hätte man angesichts der Atonalität des 3. Satzes dieser Tanzmusik etwas anderes vermuten können. Mit großer Spielfreude, Leichtigkeit und Augenzwinkern ließen die Bläser von Opera Brass auch romantische Elemente aufblitzen.

Bei den Ausschnitten aus Giuseppe Verdis (1813-1901) Oper „Aida“ war zu spüren, dass diese Musik „mitten ins Herz trifft“ mit dem monumentalen Triumphmarsch in seinem harmonischen Wechselspiel zwischen Trompete und Posaune.

In der Pause durften die Besucher die historischen Instrumente ausprobieren. Einige von ihnen bewiesen Mut und stürzten sich mit sichtbarem Spaß in die Aufgabe.

Oper und „Songs from the Show“

Um Liebe und Tod ging es auch in den weiteren Stücken des Programms. In Verdis erster Oper „Nabucco“ (Gefangenenchor) und natürlich in George Bizets (1838-1875) „Carmen“, die übrigens bei der Uraufführung 1875 gnadenlos durchfiel. Heute ist diese Oper eine der beliebtesten mit ihren großen Gassenhauern. Damals waren wohl auch Themen, wie die besitzergreifende Liebe und eine Frau, die mit der Liebe spielt, nicht vermittelbar. Umso schöner, dass Opera Brass nun die Carmen Suite in voller Leidenschaft zu Gehör brachte. Die Musiker schafften es, in acht Minuten all die bekannten Titel kraftvoll, lautmalerisch, triumphal zu intonieren. Ein ideales Sujet für die 10 Blechbläser.

Blechbläser der Bayerischen Staatsoper - Posaunen uns Bassposaunen
Blechbläser der Bayerischen Staatsoper – Posaunen und Bassposaunen. Foto: Petra Kurbjuhn

Aber sie wären keine Meister ihres Fachs, wenn sie nicht auch mit der leichten Muse umzugehen wüssten. In „Songs from the Show“ setzten sie Bilder im Kopf in Musik um. In England und in den USA ist die Kunstform Show längst etabliert. Tanz und Musik bilden eine Symbiose. Und die Liebe mittendrin.

„Wie sieht sie aus – die Liebe?“ fragte Frank Bloedhorn. „Für Erwachsene hat sie vielleicht lange Beine oder viel Geld. Aber, immer ist sie einen Versuch wert.“
Und so erklang nun sehnsuchtsvolle Musik aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein herrlicher Mix aus Jazz und Swing, rhythmisch exzellent durchkomponiert, mit wunderbaren Soli von Tuba und Bassposaune. Großer Spaß und Spielfreude bei den Musikern.

Opera Brass: Musikalische Weinreise

Der Abend im KULTUR im Oberbräu Holzkichen klang aus mit einer „Homage to the Noble Grape“, einer musikalischen Reise durch die Welt der Weine des Engländers Goff Richards (1944-2011). Da musste sich Uli Pförtsch zunächst auf die Suche machen nach einem Helfer oder einer Helferin für das Schlagwerk, um den Champagner effektvoll ploppen zu lassen. Dann aber konnte es losgehen. Flott und etwas schräg, weinselig gurgelnd und spritzig nahmen die Musiker von Opera Brass auch ab und zu einen kräftigen Schluck zu sich.

Nach rhythmischem Applaus und Bravorufen gab es als Zugabe „Guten Abend, gut Nacht“ mit der Überlegung, wer denn so alles nach Hause kommt. „Der Schmetterling fliegt nach Haus…..die Lampen leuchten, der Tag ist aus.“

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