Neue Heimat für Helmut Ammanns Kruzifix

Immer weniger Menschen besuchen Gottesdienste in den Kirchen. Gotteshäuser werden zu Mehrzweckbereichen, teilen ihren Raum mit Kunst und Kultur oder werden durch Umbau und Neugestaltung verkleinert. Was wird aus ihren ehemals prägenden Kunstwerken?

Mit der baulichen Veränderung der Evangelischen Erlöserkirche in Schwandorf wurde der große Kruzifixus von Helmut Ammann, für den er 1954 den Auftrag erhielt, heimatlos.

Die Nachlassverwalter Erich Kasberger und Marita Krauss nahmen das Kunstwerk in der Galerie Ammann in Pöcking auf. Dort haben sie das Kruzifix renoviert und für seinen neuen Standort auf dem Bergfriedhof der Maria-Himmelfahrts-Kirche in Bad Wiessee sorgfältig präpariert.
Hannelore Rehme hat dies ermöglicht und das Kunstwerk der Gemeinde gestiftet, die Einweihung fand am 4. April statt.

Was bringt dieser Kruzifixus der Kriegs- und Nachkriegsgeneration den heutigen Christen einer 60jährigen Friedensgeneration? Ist die Frömmigkeit eine andere geworden? Suchen wir den Karfreitag oder den Ostersonntag? Der hoch aufgerichtete Kruzifixus von Helmut Ammann lässt beides finden: Seine Aufwärtsbewegung verkörpert eine Schau von Helmut Ammann, aufgezeichnet in seinem Tagebuch aus dieser Zeit: „Kreuz und Korpus wie Bogen und Pfeil … der Tod ist verschlungen in den Sieg …“.

Bemerkenswert sind die Hände: bei der Redegebärde werden die beiden letzten Finger eingebogen, die drei anderen ausgestreckt; die rechte Hand Christi zeigt diese Spannung in den Himmel – sie ist auch Segensgestik und ebenso bezeugt sich mit ihr der vom Tode Auferstandene als der Lebende. Die Finger der linken Hand sind dagegen leicht gebeugt, die Spannung ist gebrochen, die Hand ist nach oben geöffnet – sie weist auf die Wunden Jesu und das vom Leid gezeichnete Haupt. Diese über den Kreuzesbalken hinaus in den Himmel ragenden Hände sind wie ein Ruf nach Antwort.

So wächst dieser aus seinem bergenden Kirchenraum entwurzelte Kruzifixus in seiner neuen Heimat über Begrenzungen hinaus. Sein Korpus umfängt das Gräberfeld des Friedhofes und um sein Haupt bricht die Sonne von allen Seiten herein, türmen sich Wolken und Wetter als Botschafter, strahlt der Kosmos über die Weite des Himmels und der Berge hinab.

Dieses Kunstwerk ist offen für jede Begegnung – seine Bildsprache bewegt sich noch in einer Wirklichkeitserfassung und begnügt sich nicht mit Hinweisen auf verhüllte Glaubensmysterien und Reduktion auf Symbole.

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