Musik für Laute: Mit Worten und Klang verzaubern

Ingo Veit. Foto: KN

Konzert in Schliersee

Das letzte Mal für heuer hieß es „Musik bei Kerzenschein“ in der evangelischen Kirche Schliersee. Ganz im Zeichen der Musik aus dem späten Mittelalter und der Renaissance stand das Konzert, das einen würdigen Abschluss der Konzertreihe darstellte. Im Mittelpunkt stand Musik für Laute.

Gespielt wurde das außergewöhnliche Zupfinstrument mit Korpus und angesetztem Hals von Ingo Veit, unterstützt von einem „namenlosen Ensemble“, wie der Lautenist schmunzelnd feststellte. Verzaubern wollen sie das Publikum mit der Sprache, dem Klang und der Bedeutung des Wortes, und das in verschiedenen Sprachen.

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Verschiedenste Werke hatten sie für die Verzauberung ausgewählt. Italienische Lauden aus dem 14. Jahrhundert, Canzonetten aus dem 16. Jahrhundert, sowie Stücke von französisch und englischsprachigen Komponisten. Es wäre auch gar nicht so wichtig, die Texte immer genau zu verstehen, meinte Ingo Veit, sondern sich am Klang der Musik und der Sprache zu erfreuen.

Ingo Veit Schliersee
Musik bei Kerzenschein in der Christuskirche Schliersee. Foto: Karin Sommer

Hinreißend schön dargeboten

Das war leicht getan, waren doch die Darbietungen von hinreißender Schönheit, perfekter Intonation und großer Harmonie unter den Musikern gekennzeichnet. Sich sicher in allen Sprachen, Jahrhunderten und Tonhöhen bewegend, brillierte Annika Hofmann mit ihrem Gesang. Unterstützt wurde sie harmonisch in der zweiten Stimme und mit Violine von Agnes Waidosch, bei deren Vorstellung Ingo Veit sich konzentrieren musste, da sie als seine Tochter bis vor kurzem seinen Namen trug. Sehr kontinuierlich, stark und sanft der Kontrabass, von Christian Gemmer gespielt. Im Mittelpunkt stand natürlich die Laute von Ingo Veit, die weiß, dass sie mit ihrem Klang bezaubert und Menschen in Windeseile in um so viel langsamere Zeitalter versetzen kann.

Musik für Laute
Bezaubernde Darbietung von Christian Gemmer (Kontrabass), Ingo Veit (Laute), Annika Hofmann (Gesang) und Agnes Waischosch (Violine und Gesang). Foto: Bärbel Soller

Die Musik verändert sich wohl mit der Menschheit, doch die Themen, die Menschen bewegen, sind immer dieselben, glaubt der Lautenist. Liebe, Schicksal und Glaube werden wohl immer besungen werden. Genauso wie Tanz ein universales und zeitunabhängiges Phänomen darstellt. Im 16. Jahrhundert wurden Tänze getanzt, die heute immer noch in der Bretagne die Menschen in Bewegung bringen. Damals gab es sogar drei Tempi – schnell für die Jugend, mittelschnell für die Ehepaare und langsam für die Alten.

Laute
Faszinierendes Instrument Laute. Foto: Pixabay

Auf Reisen mit Johann Wolfgang von Goethe

Zwischen den Liedern begleitete Ingo Veit Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Italienreise. Vor dreihundert Jahren war dieser Richtung Süden aufgebrochen und ließ die Nachwelt in Tagebuchform an seinen Reiseeindrücken teilhaben. Der Dichter hätte zweifelsohne seine Freude an diesem Abend gehabt, war er doch fasziniert von den verschiedenen Sprachen und der Wichtigkeit, sie zu lernen, um die eigene besser zu verstehen und auch in der Fremde zu Hause zu sein.

Herumgewirbelt wie ein Haufen Blätter.

Seit dem sechzehnten Jahrhundert gibt es Lieder, die für ein bestimmtes Instrument gespielt wurden. Lieder für Laute erinnern an Zeiten, in denen Menschen sich ihrem Schicksal leichter fügten, in denen Leid und Schmerz vielleicht leichter akzeptiert wurden, weil sie ein so offensichtlicher Teil des Lebens waren. „Sorrow stay“ von John Dowland, der das Lied um 1600 schrieb, beeindruckt mit seiner Bereitschaft, in die tiefsten Täler der menschlichsten Erfahrung hinabzusteigen.

Auch in „Carmina Burana“, die Liedersammlung, die im Kloster Benediktbeuern entdeckt wurde, geht es um das Schicksal, das „uns alle herumwirbelt wie einen Haufen Blätter“, wie es Ingo Veit formuliert.

Ingo Veit auf der Gitarre mit dem Machado Quartett

Die Wahrnehmung des Publikums in der Schlierseer Kirche wurde auf jeden Fall in angenehmster Weise herumgewirbelt – neuen, alten Klängen folgend, fremden Sprachen lauschend, verzückt von einer Darbietung auf höchstem Niveau.
Schade, dass der Sommer seinem Ende zugeht und mit ihm auch die Konzertreihe in der evangelischen Kirche ein Ende nimmt. Aber wie auch schon damals im Mittelalter werden wir bewegt vom Kommen und Gehen der Jahreszeiten, von der Liebe, dem Schicksal und vom Glauben, seiner Abwesenheit oder der Suche nach ihm.

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