Mamma Mia Bavaria

Luise Kinseher

Kabarettistin Luise Kinseher in ihrer Rolle als betrunkene Mary von Bavary. Foto: Franziska Hampel

Kabarett in Miesbach

So lautet das aktuelle Programm der Kabarettistin Luise Kinseher. Damit bescherte sie dem vollbesetzten Waitzinger Keller am Donnerstag einen Abend, der die Lachmuskeln zwei Stunden lang durchgehend strapazierte.

Zu Beginn betritt Luise Kinseher verkleidet als ein trutschige ältere Dame die Bühne – Helga Frese – und sucht verzweifelt nach ihrem Mann Heinz. Heinz dachte, „Mamma Mia Bavaria“ sei bestimmt ein bayerisches Musical. Der Titel hat aber einen anderen Ursprung, den Luise Kinseher später ausführlich erklärt. Dennoch markieren die Lieder, die die Kabarettistin und Schauspielerin in den Abend einbaut, durch ihren gekonnten Gesang das i-Tüpfelchen des gelungenen Programms.

Luise Kinseher
„Haben Sie vielleicht Heinz gesehen?“. Als Helge Frese leitet sie ihr Programm ein. Foto: Franziska Hampel

Mit Helga Frese leitet Luise Kinseher geschickt und bereits mit vielen Lachern hin zum eigentlichen Programm. Die routinierte Kabarettistin hat die Stimmung im Saal im Griff. Die Leute lachen bei jedem Gag und spenden regelmäßig Applaus. Luise Kinsehers enorm hoher Unterhaltungswert zieht sich durch. Nach ihrem kleinen Intro kommt sie erneut auf die Bühne in ihrer eigentlichen Rolle: Die Mama Bavaria.

Die siebte Reinkarnation der Bavaria

Als Bavaria trat sie in den letzten Jahren am Nockherberg auf, von dem sie sich dieses Jahr verabschiedet hat. Die Rolle passt aber einfach zu gut zu ihr, als dass man sie schon in die Schublade packt und so tourt Luise Kinseher seit Herbst letzten Jahres mit ihrem Programm „Mamma Mia Bavaria“ über die Bühnen. Die Begründung: „Die Europa und die Germania wollen ja nicht mehr und irgendwer muss ja eingreifen.“ Und so befindet sich die Bavaria nun in ihrer siebten Reinkarnation, um Bayern den Weg zu weisen.

„Mamma Mia Bavaria“ ist ein Programm, das sich dem Bundesland Bayern, seiner Politik und den bayerischen Bewohnern widmet. Dabei geht es aber nicht, wie man es schon so oft gesehen und gehört hat, nur um Klischees und ums Schimpfen über die „Preißn“ – nein, Luise Kinseher schöpft aus ihrer Rolle als fürsorgliche, liebende, aber auch mahnende Mutter. Sie weiß genau, die bayerischen Gepflogenheiten zu beobachten und nutzt ihre Position, diese selbstironisch darzustellen. Über sich selber lachen können lautet wohl ihre Zauberformel.

Die bayerische Politik

Über sich und ihr Umfeld lachen können, musste an diesem Abend auch Ilse Aigner, die als Gast in der ersten Reihe saß. Die bayerische Politik und ihre politischen Größen bekamen es doch ganz ordentlich ab. Luise Kinseher wird als Mama Bavaria aber nie grob oder unverschämt. Den Horst sei sie nun zwar los, aber die Berliner tun ihr schon leid mit ihm. Und für ihren Markus schämt sie sich schon auch immer wieder: „Nur weil er früher immer Captain Kirk sein wollte, will er jetzt mit Bavaria One durchstarten – peinlich.“ Trotzdem empfindet sie auch Mitleid, wenn sie daran denkt, dass Hubert Aiwanger hinter ihm auch noch in die „Rokete“ steigen will.

Luise Kinseher
Luise Kinseher als „Mama Bavaria“ in ihrer siebten Reinkarnation zurück auf der Erde. Foto: Franziska Hampel

In ihrem Programm gibt es keinen roten Faden, den braucht sie auch nicht. Luise Kinseher steht einfach auf der Bühne und redet und redet und das Publikum lacht und lacht. Sie erzählt, wie es früher in Bayern mit der Liebe war: „Mei, ma hod sie hoid kena glernt. Dann hod ma sich irgendwie meng und dann hod ma hoid irgendwann geheiratet – weils Wurscht is.“ Daher komme ihrer Meinung nach die wirtschaftliche Stärke Bayerns: „Weil die Leute lieber in die Arbeit gingen, als bei ihrem Partner Zuhause zu bleiben.“

24/7 und ohne Sperrstunde: Das „Mamma Mia Bavaria“

So kommt Luise Kinseher von der Politik zur Liebe über die Liebe zu den Römern und zur Entstehung des ersten Wirtshauses in Bayern. Sie hat nämlich damals, als die Römer in Bayern waren, das erste Wirtshaus gegründet, damit sich die Römer hier wohlfühlen. „Mamma Mia Bavaria“ nannte sie ihr Gasthaus mit 24/7 warme Küche und ohne Sperrstunde. Sie begrüßte die fremden Römer, sowie sie immer wieder für interkulturellen Austausch wirbt, mit der Begründung: „Nur nicht untereinander!“

Es geht weiter um ihren Stammtisch mit Lady Liberty – die Freiheitsstatue –, Mütterchen Russland, Germania und Europa, die sie alle sehr unterhaltsam karikiert. Oder um die Kirche und die Bibel. Sich selbst belügend verkündet Mama Bavaria, nicht eifersüchtig auf die heilige, schöne Maria zu sein. Eingeschnappt und mit überzeugender Mimik versichert sie: „I brauch koa Ave Maria – mia glangt a Prost!“.

Luise Kinseher
Die Mary von Bavary philosophiert, singt und erzählt und erntet sehr viel Lachen und Applaus dafür. Foto: Franziska Hampel

In der zweiten Hälfte tritt sie zunächst als betrunkene Mary von Bavary auf und bindet kurzerhand Feuermann Doni mit ins Programm ein. Das Publikum ist begeistert. Die betrunkene Mary philosophiert übers Leben – so herrlich irrsinnig und wirr, dass spätestens jetzt kein Auge mehr trocken bleibt.

Ein Abend mit Luise Kinseher, das ist ein einziger Stuhl auf der Bühne, ein Bierkrug mit Wasser gefüllt, ein Hut und zwei Mäntel zum Verkleiden. Es ist ein Abend, der wie im Nu vergeht, bei dem die Lachmuskeln hart arbeiten müssen und den das Publikum mit lautem Lachen und viel Applaus belohnt.

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