
Kulturblitz | Nur geschrieben…
Cover von „Nur geschrieben…“. Foto: MZ
Buchtipp von KulturVision
Tuschespuren von Jürgen Fiege und Haikus von Peter Reuter vereinen sich in dem neuen Gemeinschaftswerk der beiden Künstler zu einem Kleinod, erschienen im Verlag Kulturmaschinen.
Dieses Buch ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Die von Peter Reuter verfassten Texte sind mit der Hand geschrieben, einer sehr feinen, ein wenig nach links geneigten Handschrift, für den an Gedrucktes gewohnten Leser allerdings auch noch im Druckformat.
Es sind Haikus, also japanische Gedichte in der 5-7-5-Silbentechnik komprimierte Gedanken. Nicht auf ein Thema konzentriert, wie sonst in den Büchern der beiden Künstlerfreunde.
Der Grund, so schreibt der Autor, sei, dass er täglich seine Gedanken niederschreibe, „Wörter und Sätze, die den Weg zu mir finden“.
Es sind Gedanken etwa zu „Menschenleben“:
Menschenleben – es
Ist für Folter und Ängste
Nicht vorgesehen.
Oder Mutprobe:
Der Federhalter,
manchmal nicht mutig genug
Schreiben muss handeln…
Aber auch: Mein Wunsch:
Mein Wunsch? Ihr Gesicht
In beide Hände nehmen.
Nur für uns allein.
Diese Haikus bleiben haften und wecken den Wunsch, selbst das Notizbuch und den Federhalter in die Hand zu nehmen.
Der Sauerlacher Grafiker und Kalligraf Jürgen Fiege illustriert mit seinem Pinsel und Tusche die Texte. Dabei schöpft er aus Träumen und Ängsten, aus dem Wald und aus der Begegnung mit der weißen Wölfin. In seinem Einleitungstext wird es konkret. Das Donnern erinnere ihn nicht an Gewitter, sondern an Krieg und er fragt: Bin ich schon kriegstüchtig?