Theo Straub

Vom Unternehmer zum Künstler

Theo Straub. Foto: Petra Kurbjuhn

Künstlerporträt

Seit fast 30 Jahren lebt Theo Straub in Rottach-Egern und genau so lange ist er künstlerisch tätig. Sein Katalog weist ein breites Spektrum mit eigenständigen Werken auf. Aber der 90-Jährige hat sich bis jetzt nicht bemüht, bekannt zu werden. Das soll jetzt anders werden.

Erst das Erscheinen des neuen Katalogs von KulturVision rief ihn auf den Plan. Jetzt denke er schon daran, einmal mit Malerei und Skulpturen eine eigne Ausstellung vorzubereiten, sagt er im Gespräch. Dabei kann er auf Bildskulpturen, NaturKunst, Glasblasen, Bronzeguss, Malerei und Kunstschmiede zurückgreifen.

Theo Straub
„Behutsamkeit“, Glaskugel, verbunden mit Schmiedearbeit. Foto: MZ

Letztere ist der Ausgangspunkt für sein bewegtes Leben. In der Firma des Vaters in Wertingen startete er als Kunstschlosser. „Eigentlich wollte ich Technik und Design studieren, aber das ging damals nicht“, erzählt er. So habe er beim Vater gelernt, die Gesellenprüfung abgelegt, bereits mit 19 Jahren den Meisterbrief erworben und aufgrund der Erkrankung des Vaters die Firma übernommen.

Immer aber begleitete ihn das Zeichnen, das er vom Vater erlernt hatte. Aus dem Handgelenk heraus müsse er zeichnen, so hatte dieser es dem Sohn beigebracht.

Theo Straub
Windspiel und „Mose im Korb“. Foto: MZ

Im laufe der Jahre gestaltete er das Unternehmen vom Einmannbetrieb um zu einem florierenden Unternehmen mit 400 Mitarbeitern. Von der Kunstschmiede ging es hin zur Entwicklung von Fenstern, Türen, Fassaden. „Wir haben viel im Ausland gearbeitet, im Nahen Osten oder in China, in London haben wir Hochhäuser gebaut“, erinnert sich Theo Straub. Das Baugewerbe habe sich gelohnt und mit über fünfzig Patenten zum Schall- und Wärmeschutz sei er erfolgreich gewesen. „Ich habe mir das Wissen im Selbststudium angeeignet“, erklärt er.

Dann aber mit 60 Jahren habe er das Unternehmen verkauft und sei später an den Tegernsee gezogen, um das nachzuholen, was in den Berufsjahren zu kurz gekommen sei. „Ich habe schon immer die Berge geliebt und war beim Klettern, auch beim Extremklettern“, erzählt er. Er sei auch häufig in Kanada und Alaska gewesen und habe unterwegs in der Natur regelmäßig Skizzen gemacht. Die Natur, die Schöpfung, das waren seine Themen, Landschaft, Berge, Tiere.

Theo Straub
„Das Wort und die Welt“. Foto: MZ

Seine künstlerische Arbeit begann mit Skulpturen. „Ich wollte etwas Handfestes machen“, erklärt er und lernte das Gießen. Eine Bronzeskulptur aus dem Jahr 2000 heißt „Das Wort und die Welt“. Sie zeigt ein aufgeschlagenes Buch, das über einer angedeuteten Halbkugel thront, aus der Figuren herausragen und sich zu diesem Buch öffnen.

Er lernte auch das Glasblasen und kombinierte selbstgeblasene Werke mit Kunstschmiede, etwa in der Arbeit „Behutsamkeit“, die eine Glaskugel zeigt, umhüllt mit zwei geschmiedeten Händen.

Dann aber stieg Theo Straub um auf Malerei und fand insbesondere in seinen Bildskulpturen die Erfüllung. Diese Arbeiten verbinden Malerei mit Naturgegenständen. „Diese Fundstücke beachtet niemand“, sagt er und er wolle die Natur in den Vordergrund stellen.

Dabei platziert er auf einer Leinwand mit Acrylmalerei etwa Rinden, Äste oder Holzstücke fest oder auch beliebig hängend.


„Der Waldschrat“ und „Vergangenheit“. Foto: MZ

Es findet sich aber auch ein recyceltes verrostetes Stahlblech, in das Theo Straub Linien einfräste und mit einem Stück Glas aus einem Schmelzofen versehen hat. Ein anderes Stück rostiges Stahlblech nennt er „Schönheit aus Zerstörung“, denn er bearbeitete es mit Säure, wodurch eine explosionsartige Struktur entstand, und kombinierte mit einer Fossilie.

Neben diesen Bildskulpturen fertigt der Künstler auch reine NaturKunst, indem er Fundstücke neu anordnet. Dabei entstehen Windspiele oder eine Figurengruppe aus Steinen, die er „Mose im Korb“ nennt.

Bei der reinen Malerei habe ihn in der Coronazeit besonders die gesellschaftliche Situation beschäftigt, sagt er. Dies spiegelt sich in den Bildern „Diktat“, ein Kopf, in dem sich Politiker und Wissenschaftler tummeln und darunter die fragende Menschenmenge oder auch das Bild „Panik“.


„Diktat“ und „Panik“. Foto: MZ

Mit fast 91 Jahren ist Theo Straub immer noch neugierig und probiert gern etwas Neues aus. So verrät er, dass er jetzt eine Kombination aus Malerei und Druck ausprobiere. „Ich habe eine neue Technik entwickelt, das begeistert mich.“

Hilfreich sei ihm dabei für den Gedankenaustausch die Künstlergruppe „Atelier 2010“ in Plattling gewesen, die ihn jetzt auch zu einer Gemeinschaftsausstellung im Mai in Deggendorf eingeladen habe.

Aber auch in seiner Wahlheimat im Landkreis Miesbach will Theo Straub jetzt ans Licht der Öffentlichkeit treten und plant eine Einzelausstellung.


Katalog. Foto: MZ

Die Fotos der Werke sind mit Genehmigung von Theo Straub aus dem Katalog gefertigt. Eine Ausstellung ist im Frühsommer in der Raiffeisenbank Gmund geplant.

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