Von Kaltenbrunn nach China

Kerstin Brandes in der Ausstellung. Foto: MZ

Ausstellung in Gmund

„aus nah und fern“ nennt Kerstin Brandes ihre Ausstellung in der Raiffeisenbank Gmund, in der sie Landschaften und Figuren präsentiert, die sie lange begleitet haben. Besuchende stoßen dabei auf eine breite Palette von Motiven, Techniken und Stilrichtungen, um die sich eine Klammer schließt.

Auf Einladung von gmundart hat die Miesbacher Künstlerin mit Atelier in Gmund Werke ausgewählt, die sie mag, die etwas mit ihrem abwechslungsreichen Leben und ihren Vorlieben zu tun haben. So ist die Ausstellung auch eine bildnerische Vita der Malerin und Fotografin, die eigentlich Modedesignerin und auch als Kulturjournalistin unterwegs ist.

Lesetipp: Kerstin Brandes in Shanghai in der 25. Ausgabe der KulturBegegnungen, Seite 7

Schon bei ihrem ersten langen Auslandsaufenthalt in den USA nahm sie Unterricht in Malerei und setzte dies nach ihrer Rückkehr nach Deutschland fort. Als sie später einige Jahre in Shanghai und später in Singapur verbrachte, arbeitete sie vorwiegend als Fotografin.

Jetzt widmet sie sich vorzugsweise der Malerei und hat einen Weg von der gegenständlichen hin zur abstrakten Malerei gefunden.

Kerstin Brandes
Kaltenbrunn. Foto: Kerstin Brandes

Fast zwanzig Jahre alt ist das Ölbild im Erdgeschoss, das den Steg bei Kaltenbrunn zeigt. Eine ungewöhnliche Perspektive, das Motiv oben im Bild angesiedelt, darunter viel Wasser und Schilf. Es sei ihr Lieblingsweg von Seeglas nach Kaltenbrunn, erzählt Kerstin Brandes, dieser Ort habe etwas Beruhigendes und Kräftigendes und rücke die Gedanken zurecht.

In der Ausstellung sind noch weitere Bilder aus dieser Serie zu sehen. Etwa der Mangfallsteg im Winter mit Steinen und Schilf, ebenso ein stilles, meditatives Bild.

Kerstin Brandes
Johns Bride und Koch. Fotos: Kerstin Brandes

Schon im Erdgeschoss aber warten zwei Ölbilder aus fernen Landen auf, Porträts von chinesischen Mädchen. Kerstin Brandes erzählt, dass sie fasziniert von den Fotografien von John Thompson sei, der insbesondere die Landbevölkerung abgelichtet habe. Dessen Porträtaufnahmen sind die Grundlage für die Ölbilder.

Sie sind schlicht und anrührend. In dem Bild der Braut hat Kerstin Brandes noch chinesische Schriftzeichen eingefügt, die von unten nach oben folgendes bedeuten: Mensch – groß – Himmel – Mann. Kein Kommentar!

Im Obergeschoss findet der Besuchende eine Serie, die durch ihre Goldtöne besticht und damit den Ursprung der vergoldeten Figuren plastisch herausarbeitet. Kerstin Brandes hat hier nach Fotografien gearbeitet, die sie im Park von Schloss Sanssouci fertigte. Friedrich der Große ließ ein Teehaus bauen, das mit chinesischen Figuren umgeben wurde.

Kerstin Brandes
Sans Souci 2 und 5. Fotos: KB

„Aber es sind Langnasen“, kommentiert die Chinaerfahrene Künstlerin, der damalige Bildhauer habe wohl keinen echten Zugang zu Chinesen gehabt. Das Asiatische habe sie schon immer fasziniert, erzählt sie. An der sechsteiligen Serie lässt sie an ihrem Malprozess teilhaben. Sie mische ihre Farben selbst und arbeite mit mehreren transparenten und dichten Lasuren. Dadurch könne sie den plastischen Goldschimmer erzeugen. Sie ergänzt mit etwas Zinnober und mit einigen weißen Punkten, womit noch mehr Spannung in die Bilder kommt.

Kerstin Brandes
N.L. und K.M. Fotos: KB

Aus der europäischen Welt stammen die nächsten Porträts. Deren Grundlage seien Porträtfotografien, die sie in Zeitungen gesehen habe, erklärt Kerstin Brandes. Die Malerei wirkt durch ihre Unschärfe entrückt und geheimnisvoll.


Akt 4. Foto: KB

Aus dem Unterricht für Aktmalerei stammen einige Studien, die sie mit Graphit auf Papier zeichnete und mit Acrylmalerei ergänzte. Schon in ihrer Ausbildung zur Modedesignerin habe sie Aktzeichnen gelernt. „In den USA musste man im College jeden Muskel kennen und benennen“, erzählt sie.


himmelwärts. Foto: KB

Dabei seien auch einige ihrer Kopfstudien entstanden, die sie mit Graphit, Tusche und Rötel auf Papier fertigte. Eine Ausnahme ist die Studie der Pieta von Michelangelo.


über die Schulter. Foto: KB

Hier trifft der Gast auf zwei abstrakte Bilder, die in diesem Jahr entstanden sind. Eine dunkle Wolke wird an Fäden gehalten. „Es tut im Moment gut, im Unkonkreten zu bleiben“ sagt die Künstlerin und so hat auch diese künstlerische Auseinandersetzung einen Bezug zu ihrem Leben.

Die Präsentation der Vielfalt ihrer Arbeit geht nun ins Fotografische. Zwei Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen den Ursprung ihrer Kaltenbrunn-Ölbilder. Fast mystisch muten sie an und Kerstin Brandes sagt: „Ich mag es, wenn Dinge auftauchen und verschwinden und man sich fragt, wo fängt etwas an und wo hört es auf.“

Dass sie neben Ölmalerei, Zeichnen und Fotografie auch grafische Techniken beherrscht, beweist sie mit einer Kaltnadelradierung einer Krabbe, eine Erinnerung an die USA. Und mit einem chinesischen Mädchenkopf endet der Rundgang, der in Kaltenbrunn begann.

Die Ausstellung „aus nah und fern“ von Kerstin Brandes in der Raiffeisenbank Gmund ist bis zum 11. März zu den Öffnungszeiten der Bank zu sehen.

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