Miesbacherin an der Silbermannorgel in Freiberg

Jugendorgelcamp

Emabeth Sergel an der Silbermannorgel in der Nikolaikirche Freiberg. Foto: privat

Jugendorgelcamp in Freiberg

Seit vier Jahren spielt Emabeth Sergel Orgel. Jetzt konnte die 14-Jährige bei einem einwöchigen Jugendorgelcamp im sächsischen Freiberg an ehrwürdigen Silbermannorgeln viel Neues lernen und ist nächstes Jahr sicher wieder dabei.

Als mir die evangelische Kantorin und Kulturpreisträgerin Andrea Wehrmann aus Miesbach erzählte, dass ihre Schülerin Emabeth sich für einen Orgelworkshop in Freiberg beworben hat, war ich elektrisiert, schließlich ist Freiberg meine Geburtsstadt und ich wurde im gotischen Dom mit der großen Silbermannorgel konfirmiert. Jeden Donnerstag war Orgelmusik im Dom bei freiem Eintritt, eine Pflichtveranstaltung für die Freiberger Jugend in den sechziger Jahren.

Ich bin sehr neugierig wie ein junges Mädchen aus Miesbach das heutige Freiberg erlebt und freue mich riesig als sie begeistert erzählt: „Freiberg ist total schön.“ Vor allem die Innenstadt, die restaurierten Kirchen, das Kopfsteinpflaster und die vielen kleinen Läden haben es ihr angetan. Dazu der gepflegte Park, der sich um die mittelalterliche Stadt herumzieht.

Spiel an der Silbermannorgel

Und wie war das Orgelspiel an der Silbermannorgel? „Am Anfang war es schrecklich“, erzählt Ema. Silbermannorgeln seinen völlig anders sie es gewohnt sei, der Anschlag sei viel schwerer und wenn man nicht voll durchdrücke, ertöne ein Gejaule. Zudem seien die Manuale entsprechend der Zeit von Gottfried Silbermann, der von 1683 bis 1753 lebte und als bedeutendster mitteldeutscher Orgelbauer der Barockzeit gilt, kürzer, ebenso die Pedale. So habe sie sich anfangs mit der Architektur der Orgel schwergetan.

Jugendorgelcamp
Orgelworkshop an der Großen Silbermannorgel im Freiberger Dom. Foto: privat

„Das Problem war, dass wir nicht probieren konnten, sondern sofort vorspielen mussten.“ Jeder in der 16köpfigen Gruppe hatte drei Stücke vorbereitet, die er vorspielen musste. „Der erste Tag war schlimm“, sagt Ema, dann aber habe jeder üben dürfen und danach ging es. Sie schätzt sich mit ihrem Spiel etwa in der Mitte der Gruppe ein.

Nerds beim Jugendorgelcamp

In drei Gruppen wurden die 16 Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren von fünf Organisten aus Freiberg, Leipzig, Dresden, Naumburg und Dessau an den drei großen Silbermannorgeln in Freiberg, die im Dom, der Petrikirche und der Jacobkirche anzutreffen sind, betreut. Träger des Jugendorgelcamps ist der Förderverein Gottfried Silbermann in Freiberg. Der Freiberger Organist Clemens Lucke von der Petrikirche betreute die Jugendlichen in der ganzen Woche.

Unter den 16 Teilnehmern waren drei Mädchen, die meisten kamen aus Sachsen, aus Bayern kam neben Ema noch ein Jugendlicher aus Amberg. „Das waren lauter Nerds“, berichtet Ema, „die haben nur klassische Musik gehört.“ Aber es sei sehr inspirierend gewesen, mit anderen Jugendlichen eine ganze Woche zu verbringen, die sich für Klassik und Orgelspiel begeistern.

Jugendorgelcamp
Die Große Silbermannorgelim Freiberger Dom. Foto: privat

„Ich habe viel gelernt und bin motiviert, auch andere Stücke zu spielen“, ist Ema von dem Workshop begeistert und strahlt, „es war total schön.“

Ema zeigt mir das dichte Programm, jeden Vormittag und Nachmittag gab es Seminar, Workshop und Übungszeit. „Die Dozenten haben nur wenig gespielt, sondern uns Tipps gegeben“, erzählt Ema. Insbesondere zur Artikulation habe sie viel mitgenommen. Denn es gehe ja in der Musik nicht darum, nur Noten zu spielen, sondern es gehe um Ausdruck, um Betonung, wie lange man einen Ton halte. „Das muss man im Kopf haben“, sagt die 14-Jährige, „wichtig sind die richtigen Pausen.“

Selbstgebaute Orgelpfeife

Bei einer Exkursion ins Erzgebirge durften die Jugendlichen auch an weiteren Silbermannorgeln in den Dorfkirchen spielen und sie besuchten das Silbermannmuseum, bei dem sie selbst Orgelpfeifen aus Holz bauen durften. „Das ist eine Cis-Pfeife“, erklärt mir Ema und zeigt eine etwa 30 Zentimeter lange Pfeife vor, die sie aus Freiberg mitgebracht hat. Auf jeden Fall will sie im kommenden Jahr wieder an dem Jugendorgelworkshop teilnehmen. Freuen würde sie sich, wenn noch mehr Mädchen dabei wären.

Vom 3. bis 12. September 2021 finden die 24. Silbermann-Tage mit dem XV. Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb statt.

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