Jean Paul Gaultier: I DO IT MY WAY

Jean Paul Gaultiers Punk Kreationen in der Kunsthalle München

Kunstausstellung in München

Machos, Musen, Meerjungfrauen, Popstars und Matrosen – keine Retrospektive sondern ein pompöses Defilee ist die große Werkschau Jean Paul Gaultiers, des „Enfant terrible“ der Modewelt. Ein „Last Call“ für die letzten Tage der Ausstellung.

Jean Paul Gaultier, Autodidakt aus einem Pariser Vorort, gehört zu den berühmtesten Modeschöpfern der Gegenwart. Wie kein zweiter Designer fordert er mit seinen fantasievoll-kühnen und ironischen Kreationen die gängigen Vorstellung von Mode und Schönheit heraus und wirft soziale und ästhetische Normen über Bord. Die Kunsthalle München zeigt eine umfassende Ausstellung, in der sein faszinierendes Werk gewürdigt wird.

14 Tonnen Material wurden dazu von Paris nach München gebracht. Themenparcours zeigen 160 seiner avantgardistischen Kostüme als Revue höchster französischer Schneiderkunst, voller Detailversessenheit und erotischer Anspielung.

Korsagen als Tribut an die starke, unabhängige Weiblichkeit

Als Kind lauschte er im Schönheitssalon seiner Großmutter den Frauengesprächen. Er begriff, dass Kleidung ein Aufputschmittel sein kann, um dem grauen Einerlei des Alltags zu entkommen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Aus dieser Zeit stammt seine Inspiration für die Korsagen, die ihn weltberühmt gemacht haben. Was einen Aufschrei in der Frauenbewegung verursacht hat, war für ihn ein Tribut an die stärkste und eigensinnigste Frau seiner Kindheit. Ihm schwebte eine Frau vor, die mit ihrer Rolle als Sexobjekt spielt und das Machtverhältnis der Geschlechter umkehrt. Für Madonna und andere Popstars hat er Hunderte von exzentrischen, erotischen Bühnenkostümen geschaffen, ebenso für Tanzrevuen und Filme. Seine künstlerischen Kooperationen mit Regisseuren wie Peeter Greenaway, Pedro Almodovar und Luc Besson waren epochemachend. Für die Kostüme in „Die Stadt der verlorenen Kinder“ wurde er für den Oskar nominiert. Heute sitzt er in der Jury in Cannes.

Fetisch hoher Symbolkraft: der Matrosenpullover

Für den leidenschaftlichen Cineasten war Rainer Werner Fassbenders Film „Querelle“ Inspirationsquelle. Aus ihm erschuf er seinen „ultimativen Matrosen“ als hypersexuelles Symbol mehrdeutiger Männlichkeit, dazu Meerjungfrauenkostüme, in denen bis zu 180 Stunden aufwendiger Arbeitszeit steckten. Gaultier, den nie das reine Schöne interessierte, brach mit den gängigen Konventionen der Modewelt. „Als wir Alte und Dicke über den Laufsteg schickten, gingen Schockwellen durch den Raum“, freut er sich noch heute genüsslich. Ihn interessierte nie der glatte Glamour. Vielmehr fokussierte er das Ungewöhnliche, Atypische, die Subkultur, insbesondere Punk. Sein Spiel mit Identitäten stellt die geschlechtliche Zuordnung von Kleidern auf den Kopf. Gaultiers Design-Code ist, dass das Unperfekte begehrenswert sein kann, die Harmonie der Gegensätze. So schafft er hybride Looks aus Kultiviertem und Animalischem, Traditionellen und Modernen, Großstadt und wilder Natur in höchster handwerklicher Präzision.

Hommage an das Ungewöhnliche

Seinen Musen und Helden huldigt er und kreiert ihnen avantgardistische Denkmäler, die in der Ausstellung zu bestaunen sind: beispielsweise Frida Kahlo, David Bowie, Boy George, Madonna und Conchita Wurst. Fotos von Peter Lindbergh zeigen ihn in szenischen Bildern u.a. mit Nadja Auermann und Marianne Sägebrecht. Und immer hebt er die Stärke hervor, das Ungewöhnliche, Kühne und Unverbiegbare, das ist es, was ihn an den Menschen interessiert. Die Hauptschau gilt dem Figurenparcours mit Gaultiers eigenwilligen Kreationen. Die erscheinen umso ungewöhnlicher, da die Figuren zu leben scheinen, dank erstaunlich realistischer Videoprojektionen. Bilder namhafter Modefotografen und Fotokünstler sowie Videoinstallationen ergänzen das choreografische Gesamtkunstwerk.

„Jean Paul Gaultier / From the Sidewalk to the Catwalk“ ist von 18. September 2015 bis 14. Februar 2016 in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8, in München zu sehen

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