Inneres bloß gelegt

Andreas Kuhnlein: Torso. Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellung in München

Kein Durchkommen gab es anfangs, kaum eine Möglichkeit die Werke zu betrachten, so viele Besucher schoben sich durch die Glyptothek. Erst als die meisten Besucher mit einem Glas Wein in den Garten geflüchtet waren, konnte der Künstler begrüßt und die Werke bestaunt werden.

„Zerklüftete Antike“ so heißt die Ausstellung, die zeitgenössische Bildhauerkunst den zeitlosen Werken gegenüberstellt. Der Bildhauer Andreas Kuhnlein aus Unterwössen im Chiemgau, mit dem Kulturvision schon vor drei Jahren eine Ausstellung im Waitzinger Keller in Miesbach organisierte, ist wie kaum ein anderer Künstler dafür prädestiniert, seine Menschensicht derjenigen der Antike gegenüberzustellen.

Schöpft aus Lebenserfahrung

Denn Andreas Kuhnlein, Autodidakt, der nie eine Bildhauerschule besucht hat, der kein arrivierter Künstler ist, sondern von Haus aus Schreiner, später aber beim Bundesgrenzschutz an der Grenze zur DDR Wache schob, dieser Andreas Kuhnlein ist ein Künstler, der aus seienem Inneren, aus seiner Lebenserfahrung schöpft und dadurch absolut authentisch ist.

Deshalb ist er inzwischen auch in der ganzen Welt bekannt, er stellt in den USA ebenso aus wie in China und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Dennoch blieb er der bescheidene Mensch, der mit Ruhm nichts anzufangen weiß. Ein Foto mit ihm zu machen, gelingt indes nicht, zu viele Freunde muss er begrüßen und wir wollen nicht dabei stören.

Ein reifes Werk

Es ist ein reifes Werk, große Kunst, wie in einem der ausliegenden Gästebücher steht, ein Werk, das einen radikalen Gegenentwurf zu den idealen Figuren der Antike darstellt. Dort werden zwar die Abgründe des Menschseins auch nicht ausgeklammert, aber immer überwiegt die Harmonie, die Schönheit der klassischen Darstellung.

In Kuhnleins Arbeiten indes kommt das menschliche Leiden ebenso wie Verletzlichkeit und Vergänglichkeit zum Ausdruck. Seine Plastiken sind versehrt, zum einen, weil er sie mit der Kettensäge fertigt und tiefe Einschnitte im Holz die Brutalität von außen ebenso wie innere Verletzungen sichtbar werden.

Mensch in Einzigartigkeit

Zudem birgt Holz als Material, auch wenn es Hartholz ist, von seiner Natur her sowohl Zerklüftung als auch Vergänglichkeit in sich, zumal wenn man weiß, dass der Künstler auf seinem wunderbar gelegenen Hof im Chiemgau nur totes Holz bearbeitet. Zumeist ist es der Mensch, den Andreas Kuhnlein in seiner Einzigartigkeit aus dem Holz heraus arbeitet.

Der Mensch, der leidet, wie Marsyas oder wie Sisiphos, den er am Boden liegend mit der großen Holzkugel in stemmender Haltung dargestellt hat, oder aber der Mensch, der äußerlich glatt und schön ist, wie viele der antiken Skulpturen und dennoch Risse und Verletzungen aufweist.

Am berührendsten sind jeweils die Gegenüberstellungen. Andreas Kuhnlein hat exakt in der äußeren Form die Darstellung der Antike getroffen, aber ebenso das Innere bloß gelegt. Eine Ausstellung, die man nicht versäumen darf.

Die Ausstellung „Zerklüftete Antike“ von Andreas Kuhnlein in der Glyptothek ist bis zum 30. Oktober täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr Donnerstag 10 bis 20 Uhr geöffnet. Ein Begleitprogramm gibt es, ein Katalog ist erschienen.
Ein dreißigminütiger Film ist abrufbar unter http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/suedlicht/index.html

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