Fantasievolle und brillante Spieltechnik

Yojo Christen. Foto: KN

Konzert in Tegernsee

Beethovens“Appassionata“, Chopins Sonate b-moll und Gershwins „Rhapsody in Blue“, sowie seine eigene Komposition “Zwitschermaschine“ am Schluß.

Der lässig zum Podium schlendernde junge Mann offenbarte an den Tasten eine unbändig auslotende, neugierig pointierende Vitalität. Seine ungeheuren technischen Fähigkeiten brachten kompromisslos alle Elemente Beethovens unheimlicher, drängender und glühender Sonate f-moll op. 57 zu Gehör, Yojo Christen kostete alles aus, Dunkelheit, Licht, Geschwindigkeit, Langsamkeit, Feinheit und Kraft; und bündelte es zu einen mit Spannung und Klangmut, Intensität und Direktheit verwobenem Ganzen. Agogisch anders, Hörgewohnheiten provozierend, beleuchtete er doch edel unter anderem den hymnischen 2. Satz mit dem akkordisch würdevollen Thema in Des-Dur, stieg mit dominantem Baß und alarmierenden Trillern in die erste Variation, und berauschte sich am perlendem Presto in der letzten Veränderung. Zum Hexenkessel machte er den letzten Satz, zu einem Strudel mit gewaltigem Sog voller naturhafter Vehemenz, zur Essenz seiner noch jungpianistischen Wildheit.

Ausgefeilte Diktion

In Chopins „Sonata funébre“ b-moll Nr. 2 op. 35 offenbarte er geschliffenere Pianistik, einen aufleuchtenden Anschlag und eine unvergleichliche Spannungsstruktur von ausgefeilter Diktion.

Auch hier holte er alles aus den ersten zwei Sätzen, ihre Finsternis und Erregung, herausragend sein Tempoaufbau und seine Gefühlsübertragung im berühmten „Trauermarsch“, den er anfangs noch voranschreitend, doch die ganze Endgültigkeit und Resignation aus Klang und Rhythmus aufzeichnend spielte, die Akkorde aufschreiend deutend, das Dur-Motiv harfenähnlich, liedhaft himmlisch aufleuchtend, mit atemnatürlicher ergreifender Linienführung. Die Wiederholung des Trauermarschbeginns erfolgte nun in schleppenderem, Erschöpfung zeichnendem Tempo, die Aufschreie weniger durchdringend, um sich in ein verhauchendes Pianissimo aufzulösen. Die verschreckend huschenden Geister des Finale ließ Yojo Christen wie eine unendliche Folge aus allen Richtungen wehender Böen des Wahnsinns erklingen, traumwandelnde Fingerfertigkeit raste die Prestotriolen eines zarten und doch spannungsgeladenen Todeshauches ab.

Virtuos und witzig

Unbeschwerte Spielfreude holte Christen aus Gershwins Klaviersolo-Fassung der „Rhapsodie in Blue“ heraus, den quirligen und klangvollen sinfonischen Jazz mitreißend und feinfühlig, virtuos und witzig nachempfindend. Seine „Zwitschermaschine“, mit 11 Jahren komponiert und immer wieder umgearbeitet, zeugte von fantasievoller und brillanter Spieltechnik voller Trillerfolgen, Oktavdonnern und jazzigen Elementen. Dem rhythmischer Applaus des begeisterten Publikums antwortete dieser sicher noch im pianistischen Reifungsprozess stehende Virtuose mit Katchaturians Toccata in einem aberwitzigen Tempo und kristallklarer, fesselnder Präzision.

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