Schwungvolle Spielkunst

Ensemble Isara. Foto: Podium junger Musiker

Konzert in Tegernsee

Ein sympathisches, locker auftretendes Trio, bestehend aus dem Flötisten Maximilian Randlinger, der Hornistin Marlene Pschorr und dem Pianisten Georg Michael Grau, bot zum sechsten Konzert 2016 der Reihe „Podium für junge Solisten“ im Barocksaal ein abwechslungsreiches Programm.

Das „Ensemble Isara“, dessen Mitglieder jeweils Preisträger hochwertiger Wettbewerbe und Stipendiaten namhafter Stiftungen sind, nahm das Publikum auf eine Reise durch das musikalische Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts mit. Frankreich, Schweiz, Deutschland, Österreich-Ungarn und Polen waren die Schaffensstätten der ausgesuchten Komponisten.

Malerische Idylle

Franz Dopplers Triowerk „Souvenir du Rigi“ op.34 erklang sehr inspiriert, von den Eindrücken der Landschaft um dieses Schweizer Bergmassivs, das schon der Maler Turner festhielt, das Goethe und Mark Twain schon bestiegen, geprägt. Die malerische Idylle, die Wolkenbrücke, der Vierwaldstätter See, manche Impression alpiner Musik von den Alphörnern bis zu den Flöten der Schweizer Alphirten, welche der noch zu Fuß erklimmende Wiener Flötenvirtuose Albert Franz Doppler in sich aufnahm, spiegelten sich in der getragenen und durchdachten Interpretation des „Ensemble Isara“.

Horn und Klavier gestalteten Beethovens Sonate F-Dur op.17, die Beethoven in zwei Tagen fertigstellte, für den unter seinem italienischen Künstlernamen Giovanni Punto in ganz Europa bekannten Hornisten. Dieser floh 20jährig aus den Diensten des Prager Grafen Thun und konnte deswegen lange nicht nach Österreich-Ungarn zurück. Am 18.April 1800 war es soweit und zu seinem lang erwartetes Wiener Debüt komponierte der 30jährige Beethoven nicht nur dieses ganz auf die virtuosen Fähigkeiten des 53jährigen Böhmer Hornisten Wenzel Stich zugeschnittene Werk, er begleitete ihn dabei auch am Flügel.

Aufregend virtuoser Dialog

Marlene Pschorr und Georg Michael Grau stiegen jeweils entschlossen in die Fanfare des Beginns ein, galant in die Figurationen und entwickelten diese zwei Motive bravourös. Im Adagio antwortete das Horn mit zarten Echos auf das düstere f-Moll des Klaviers, und im Finale bauten die zwei Musiker charmant einen aufregenden virtuosen Dialog auf.
Die preisgekrönte Komponistin Melanie Bonis gab ihre etwa 300 Werke als Mel Bonis heraus, das talentierte Mädchen wurde 1858 in einer kleinbürgerlichen Pariser Familie geboren, die ihr musikalisches Talent kaum förderte und ihr nur widerwillig ein Studium am Conservatoire erlaubte, dass sie fünf Jahre erfolgreich wahrnahm. Um eine Verbindung mit einem Studienkollegen zu verhindern, verheirateten sie die Eltern mit einem 22 Jahre älteren Industriellen. Dessen fünf und die später zusätzlichen vier eigenen Kinder erlaubten es ihr erst es um die Jahrhundertwende sich wieder der Komposition zuzuwenden.

Die 4 „Scènes de la forêt“ op. 123 für Flöte Horn und Klavier entstanden 1928, Nocturne, A l‘aube, Invocation und Pour Artemis, ließen das „Ensemble Isara“ als ein Panorama Bonis‘ Stils erklingen, von Zartheit, Wärme und Elegie der Nacht, von idyllischen Aufwachen der Natur, von träumerischer Sanftheit in der Anrufung, die Jagdgöttin bewegt und entschlossen.

Faszinierende Klanggebung

Mit Chopins Etüde As-Dur op 25, auch „Harfenetüde“ genannt und Liszts Konzertetüde Des-Dur „Un sospiro“ zeigte Pianist Georg Michael Grau seine bemerkenswerten virtuosen und interpretatorischen Fähigkeiten. Ganz besonders beleuchtet, mit einer faszinierenden Klanggebung erklang Chopins Werk, und die technischen Raffinessen um die dramatisch singend geführte Hauptmelodie waren von Sensibilität und Brillanz geleitet.

Ergreifendstes Werk wurde Schuberts Introduktion, Thema und Variationen e-Moll über „Trockne Blumen“ für Flöte und Klavier, für den Flötisten Bogner von Schubert über sein eigenes Lied aus dem Zyklus „Die schöne Müllerin“ entstanden. Maximilian Randlinger und Georg Michael Grau beleuchteten die variierte musikalische Aussage des Liedes in unheimlich gekonnter Manier, empfanden Nachdenklichkeit, Zerknirschtheit und Hoffnungslosigkeit nach und belebten das Geschehen mit ihrer virtuosen und schwungvollen Spielkunst.

Als letztes Stück für das komplette „Ensemble Isara“ erklang das einsätzige Trio von Frédéric Duvernoy, gemütlich und versöhnend, mit dynamischem mitreißendem Schluss.

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