
Ein Berg voller Kunst
Die Vorsitzende des Kunstvereins Tölzer Land, Marion Marski, vor der Karte des neuen Kunstwanderwegs. Foto: CS
Eröffnungsfeier am Blomberg in Bad Tölz
Am Blomberg in Bad Tölz feierte der Kunstverein Tölzer Land am 20. September die Wiedereröffnung des höchsten Kunstwanderwegs Deutschlands – mit 13 neuen Skulpturen aus Holz und Metall.
„Sinneswandel“ heißt dieser Kunstpfad, der ganz oben am Blomberg beginnt und sich über 1,5 Kilometer vom Gipfelkreuz bis zum Kletterwald hinter dem Blomberghaus erstreckt. Seine Entstehung und Weiterentwicklung geht auf den Kunstverein Tölzer Land zurück, der dort bereits 2008 zusammen mit Künstlern aus Partnerstädten die ersten 15 Werke installierte. „Über die Jahre hinweg kamen immer wieder neue Werke dazu, während andere verschwanden und verwitterten“, erzählt Marion Marski, erste Vorsitzende des Vereins, als KulturVision sie oben am Berg anlässlich der Wiedereröffnung traf. Auch von einem Dornröschenschlaf, dem der Pfad immer wieder anheimfiel, berichtet sie.

Der „Welt-Aal“ von Philine Vijverberg . Foto: CS
Doch nun erstrahlt er in neuem Glanz, denn 13 neue Skulpturen bereichern den Kunstwanderweg, der insgesamt 32 Werke umfasst. Entstanden sind die Neuzugänge beim BergKunstFestival, das der Kunstverein im Juli vergangenen Jahres am Blomberghaus mit eigenen Künstlern und Schülern der Berufsfachschule für Holzbildhauer Garmisch-Partenkirchen (BFB) ausrichtete. Der Verein will mit Projekten wie diesen die Zusammenarbeit mit jungen Künstlern und Bildungseinrichtungen fördern und die zeitgenössische Kunst in der Region sichtbar machen.
Welt-Aale und hybride Wesen
Als Motto dachten sich die BFB-Schüler das Thema „Aliens – Netzwerk zwischen den Welten“ aus. Warum ihre Wahl auf dieses Thema fiel, erklärt Bernhard Kleinhenz, der das Projekt im letzten Jahr betreute, so: „Als die Schüler aus Garmisch zur kalten Jahreszeit auf dem Blomberghaus zu Besuch waren, sah die Natur da oben für sie wie eine Mondlandschaft aus“, sagt er. Daraus sei die Alien-Idee entstanden.
Lesetipp: Künstler und Kettensägen am Blomberg
Wie von einer anderen Welt sieht etwa das Werk „Welt-Aal“ der BFB-Schülerin Philine Vijverberg aus: ein schlangenartiges Gebilde, das aus einem ausgehöhlten und wurmartig gestalteten Baumstamm herausragt. Die junge Künstlerin blickt mit Freude auf das letztjährige Festival zurück: „Wir haben viel gelacht und sind als Team richtig eng geworden“, sagt sie über die einwöchige Veranstaltung. Erstaunt ist sie bis heute, wie sich durch den Einsatz einer Kettensäge ein klobiger Eichenstamm in ein Kunstwerk verwandelt.

Der Beitrag von Regine Hammer: „ZwischenRaum und Zeit“ Foto: CS
Spannende Perspektiven bietet auch der Beitrag „ZwischenRaum und Zeit“ der BFB-Schülerin Regine Hammer: Sie transformierte einen Eichenstamm in eine wabenartige Struktur, die gleichzeitig auch eine liegende menschliche Form mit einem Arm und einem Bein andeutet. „Die Arbeit wirkt fremdartig und vertraut zugleich, als würde sie zwischen Raum und Zeit existieren“, sagt die junge Künstlerin.

Das Werk „Prototyp“ stammt von Oliver Kugel. Foto: CS
Auch die beteiligten Bildhauer des Kunstvereins leisteten dem Motto „Alien“ Folge: So schuf Oliver Kugel, der dafür bekannt ist, mit seiner Kettensäge Holzstämme in menschliche und tierische Figuren zu verwandeln, ein Hybridwesen, das den Titel „Prototyp“ trägt. Die rot eingelassene Figur stelle einen Außerirdischen dar, der sich über die Vorgänge auf dem Planeten wunderte und zu dem Schluss käme, dass dieser eine Art Prototyp sei, sagt der Künstler. Ein interessanter Gedanke von Oliver Kugel, der im Vorstand des Kunstvereins künftig für den Kunstwanderweg zuständig ist.
Werke aus Metall von Gottfried Brenner und Giovanni Lora
Nicht aus Holz, sondern aus Metall besteht das Werk „Alienvogel“ des Künstlers Gottfried Brenner. Der in Lenggries lebende Holz- und Steinbildhauer schweißte aus Eisenteilen ein vogelartiges Wesen zusammen, das am Hang unterhalb des Blomberghauses mit einer Kette an einem stabilen Buchenast hängt. Es sei ein magischer Vogel aus dem entrückten Sein – gleich dem Phoenix wiederkehrend und vergehend.

„Equilibrio Dinamico“ von Giovanni Lora aus Vicenza. Foto: CS
Ebenfalls aus Metall fertigte der italienische Künstler Giovanni Lora aus Vicenza die schlichte menschliche Figur „Equilibrio Dinamico“ an, die auch unterhalb des Blomberghauses steht. Sie sieht aus, als hätte man sie mit der Schere aus einem silberfarbenen Papier geschnitten. Fragil wirkend und dennoch stabil steht sie beispielhaft für seine Art, die menschliche Figur so minimalistisch wie möglich darzustellen.
Windobjekte und Wanderer
Der Bildhauer Jürn Ehlers, ein gelernter Bootsbauer und Steinmetz, der am Ammersee lebt und arbeitet, kreierte ebenfalls neue Werke für den Kunstwanderweg: die Installation „Vom Winde bewegt“. Es handelt sich dabei um eine blaue Holzsäule mit Glas und einer überdachten roten Form an der Spitze, die sich im Wind dreht. Der Künstler sieht darin eine Art Leuchtturm, der statt Licht den Wind anzeigt.

Die Skulptur „Vom Winde bewegt“ von Jürn Ehlers. Foto: CS
Spannend auch sein neues Werk „Convivium“, das er aus den Überresten eines Weidenkreuzes schuf. Dieses Ursprungswerk stammt von den beiden Künstlerinnen Marianne Süßbauer und Sylvia Drudnik und wurde 2009 unterhalb der Bergstation aufgestellt. Jürn Ehlers verband die biegsamen Zweige mit rot bemalten Holzelementen, die dort langsam einwachsen. Es sei eine Art Wegzeichen, das sich mit der Zeit verändere, so der Künstler, der schon seit vielen Jahren mit seinen Werken den Kunstwanderweg bereichert.
Tipp: Nicht weit vom Weidenkreuz entfernt steht seine Werkgruppe „Wanderer“ aus 2009, die er anlässlich der Wiedereröffnung restauriert hat. Die zwölf Figuren erinnern an das Unterwegssein – und daran, wie jeder Mensch seinen eigenen Lebensweg gehe.