Duo Viennese in Tegernsee

Eine ungewöhnliche Musikerformation spielte für das „Podium für junge Solisten“ im Tegernseer Barocksaal: ein Violinduo welches alle Facetten des gemeinsamen Tones eindringlichst wiedergeben kann. Von strahlend sonnenklarer Tongebung bis zur dunkel tenebrösen Färbung, beherrscht das „Duo Viennese“ jede Nuance eines sich auf höchsten Niveau bewegenden, lebendigen Geigenspiels.

Monika Hager-Zalejski und ihr Mann Pavel Zalejski sind seit 2005 ein konzertierendes Violinduo, gewannen schon zahlreiche Wettbewerbe, u.a. 2008 den Solistenpreis der Musikuniversität Wien. Sie treten erfolgreich in Österreich, Deutschland, Italien, Slovenien und Polen auf, und arbeiten mit namhaften Musikern zusammen. Wenn sie nicht gemeinsam spielen, ist sie als Mitglied der Nürnberger Staatsphilharmonie auf den Musikbühnen Europas unterwegs, er als Primarius des „Apollon-Musagete“ Streichquartett,(2008 Gewinner des ARD Wettbewerb in München).

Für den Veranstalter „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ bot das „Duo Viennese“ in Tegernsee ein breitgefächertes Programm. Zwei Duos von Haydn begannen die hochmusikalische Unterhaltung der Solisten, in perfekter Abstimmung, tänzerisch leichtfüßig und feinsinnig dialogisierend, ließen sie die Duette Nr.1 und 2 Op.99 erklingen; auftrumpfend entschlossen und virtuos begegneten sich die beiden Instrumente bei Ignaz Pleyels Duo Op. 1 Nr. 24. Erster Ausflug in die Moderne wurde György Ligetis Ballade und Tanz für zwei Violinen von 1950. Die erzählende Ballade begann in klagendem Ton dunkler Färbung, bis die Vitalität und die Wildheit des Tanzes leidenschaftlich eintrafen.

Prokofjevs Sonate pour deux violons brachte noch mehr Virtuosität hervor. Ein kantiges Stück, bei dessen Interpretation beide Musiker sowohl ein wohldosiertes Maß an Aggressivität, etwa im 2.Satz Allegro, als in der sanften Anrufung des Comodo auch hingebungsvolle Verträumtheit zeigten, und sich im Allegro con brio einer rasanten Verfolgungsjagd hingaben. Bartoks Duos Nr.35 und 44 schlossen den 1.Teil des Konzerts mit ihren Anklängen an seine Rumänischen Tänze beschwingt ab.

In Hermann Zilchers „Zwei Stücke für Violine“ näherten sich die beiden Instrumente musikalisch wie zwei vorsichtig Liebende, die sich erkennen, sich ihr bisheriges Leiden bestätigen und sich ausgelassen in der Tanz-Caprice erheitern. Mit Dvoraks berühmter „Humoreske“ ging die führende Rolle von Pavel Zalejski an Monika Hager-Zalejski über, die slawische Passion der Musik leuchtete glühend auf. Zu Alfred Schnittkes „Moz-art“ bot das Duo eine Faschingseinlage mit Masken und Gesten, Pfeifen und Necken, während es einige Charaktere der Commedia dell’arte, das Maskentheater nach Goldoni, perfekt spielend nachzeichnete.

Virtuos gestalteten sie Wieniawskis drei Etüdes-Caprice Nr. 1,4 und 7. Erste und letzte, g-moll und c-moll, eröffnete die eine Geige mit klagender Melodie, während die andere sie mit Arpegen umrankte, mit dem mittleren Stück in A-Dur brachten sie ein Hauch von emporschnellenden Paganinifunken in den Saal. „Dancing whit the rabbi“, „La petite valse““ und „Klezmer’s Freilach“ von Aleksej Igudesmann gaben dem Konzert ein Abschluß in dem typischen, freudigen erzählend-tänzerischem Stil dieser Musik. Ein erinnerungswürdiger Abend zweier Violinvirtuosen ersten Ranges.

Marcus Vitolo

Bildnummer: 1329128668

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