Atemberaubender Advent

Amadeus Wiesensee, Amelie Böckheler, Martin Maria Krüger (v.l.) im Altwirtsaal in Warngau

Amadeus Wiesensee, Amelie Böckheler, Martin Maria Krüger (v.l.) im Altwirtsaal in Warngau. Foto: KN

Konzert in Warngau

In der Reihe „Klassik im Advent“ der Kultur in Warngau folgten die Zuhörer im restlos ausverkauften Altwirtsaal fast atemlos der unglaublichen Virtuosität des jungen, im Landkreis wohl bekannten Pianisten Amadeus Wiesensee. Für ihn gab es zum Schluss ein fröhliches „Happy Birthday“ des Publikums zu seinem 23. Geburtstag.

Amadeus und Amelie

Professor Martin Maria Krüger, der in bewährter Weise launig und äußerst informativ durch den Abend führte, begrüßte zunächst mit dem 2. Bürgermeister von Warngau, Jakob Weiland, den Initiator der Konzertreihe und hob die besondere Verbundenheit von Amadeus Wiesensee mit Warngau vor. Schon zum 7. Mal ist dieser hier zu Gast und „er ist nicht nur vom Himmel gefallen, sondern hat sich entwickelt“. Das zeige neben der musikalischen Entwicklung auch der Bachelorabschluss in Philosophie.

Mit Johannes Brahms` (1833-1897) Variationen und Fuge über ein Thema von Händel in B-Dur, op.24 von 1861 begann Amadeus Wiesensee fulminant sein Programm. Dieses bedeutende Werk der Klavierliteratur verbindet die Barockmusik mit der Musik der Hochromantik. Triller wirbelten heftig und dramatisch durch den Saal. Immer wieder wurde das Thema leicht abgewandelt, Vorder- und Nachsätze wiederholt und klangvoll variiert. Rechte und linke Hand arbeiteten im Staccato mit kräftigem Anschlag. Lebhafte Rhythmen pulsierten immer schneller werdend und unterstützten das Auf und Ab der Variationen. Mit schier unglaublicher Fingerfertigkeit jagte der Pianist über die Tasten, elegant und expressiv.

Amelie Böckheler und Amadeus Wiesensee

Amelie Böckheler und Amadeus Wiesensee. Foto: KN

Im Anschluss gesellte sich die 24-Jährige Violinistin Amelie Böckheler zu Amadeus. Sie ist bereits als Akademistin im BR-Symphonieorchester tätig und stammt aus einer bekannten Münchner Musikerfamilie. Zusammen spielten die beiden Musiker Ludwig van Beethovens (1770-1827) Violinsonate D-Dur, op.12 Nr.1 in 3 Sätzen.

Ein furioser Beginn, der in ein kongeniales Zusammenspiel mündet. Klavier und Geige als Paar. Fordernd das Klavier, flehend die Geige. Wieder und wieder ahmt die Geige das Klavier im Echo nach. Langsam und getragen setzt das Klavier im 2. Satz ein. Gefühlvoll folgt die Violine. In wechselseitigen Passagen finden beide zusammen. Dramatisches Anschwellen. Dann ein sanfter, leiser Teil. Amadeus nimmt den Anschlag zurück, Amelie folgt ihm zart. Der 3. Satz Rondo, Allegro besticht durch schnelle, heftige Klaviertöne, fast dominant muten sie an. Aber die Violine weiß sich in Szene zu setzen. Begeisterter Applaus nach atemloser Stille.

Musikalische Momente

„Wenn etwas nicht in Worten ausgedrückt werden kann, soll man schweigen“, zitiert Martin Maria Krüger nach der Pause Wittgenstein. Die „Moments musicaux“ D 780 von Franz Schubert (1797-1828) bergen einen solch gewaltigen Kosmos an Gefühlen, dass man schweigend innehält. Drei der sechs musikalischen Gefühle hat Amadeus Wiesensee ausgewählt: Andantino, Allegro vivace und Allegretto. Alle drei beeindrucken durch unterschiedliche Gefühlswelten von expressiv über marschartig bis zur Monotonie und Verlorenheit.

Den Abschluss bildete die grandios gespielte Klaviersonate Nr.7 B-Dur op.84 von Sergej Prokofjew (1891-1953). Unbeschreiblich intensiv und klangstark fegten die Finger des Pianisten über die Tasten und entlockten ihnen alle nur erdenklichen Klangfarben. Melodiös und weich, mit wunderbarer Technik inszenierte Wiesensee den 2. Satz bis hin zu überbordender Dramatik. Ein wahrer „Gipfelstürmer“, wie Krüger es nannte.

Da hielt es niemanden mehr auf den Stühlen: standing ovations für den hervorragenden Amadeus Wiesensee, der sich von seinem Publikum mit einer Bach-Interpretation und Isoldes Liebestod aus Wagners „Tristan und Isolde“ verabschiedete.

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