Jiddisch-bayrisches Wohnzimmerkonzert

Alpen Klezmer in Valley

Andrea Pancur – Alpen Klezmer. Foto: Ramona Meisl

Konzert in Valley

Alpen Klezmer – Zum Meer. Was die Alpen, Klezmermusik und das Mittelmeer gemeinsam haben? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch in Andrea Pancurs aktueller Konzertreihe gehen die drei Begriffe eine spannende Symbiose ein, die das Publikum amüsiert, immer wieder überrascht und vor allem zum Nachdenken bringt.

Eines muss gleich einmal vorneweg gesagt werden: Wer bei diesem Konzert nicht da war, der hat etwas verpasst. Denn Andrea Pancur und ihre Band verstehen es, eine ungeheuer vertraute und heimelige Atmosphäre zwischen sich und den Zuhörern zu schaffen.

Ungezwungene Wohnzimmeratmosphäre

Es war ein Wohnzimmerkonzert. Meist unverstärkt. Ein instrumentales Trio bestehend aus Alex Haas am Kontrabass, Christian Dawid an der Klarinette und Ilya Shneyveys am Akkordeon. Alle drei Musiker sind Meister ihres Fachs. Und dazu eine außergewöhnliche Sängerin: Andrea Pancur. Die reine Natürlichkeit der Stimmen und der Instrumente sprach das Publikum ganz besonders an. Außerdem stand die Band nicht in schier unerreichbarer Ferne auf der Bühne, sondern sie saßen an der vorderen Bühnenkante, auf gleichem Niveau wie der Zuhörer. Sie waren zum Greifen nah, als ob sie im eigenen Wohnzimmer spielten.

Jiddische Klarinettentöne von Christian Dawid
Jiddische Klarinettentöne von Christian Dawid. Foto: Ramona Meisl

In ihrem Alpen Klezmer – Projekt vereinen die Künstler alpenländische mit traditionell jiddischer Musik. Mal spielen sie einen „Boarischen“ mit jiddischem Text oder Akzent. Ein anderes Mal ist es umgekehrt. Dann ist die Melodie aus dem Klezmer, der Text dafür auf Deutsch oder Bayrisch. Darüber hinaus finden noch einige andere volkstümliche Musikrichtungen Einfluss auf die Lieder von Andrea Pancur. Sei es nun ein „italienisches Kinder-Klatschlied“ wie „Bella Ciao“ oder ungarische Volksweisen, ein Schweizer Jodler oder argentinischer Rhythmus. Dies alles lässt sich irgendwie vereinen. Und Alpen Klezmer schafft genau das.

Der Spaß darf in ihrem Programm nicht fehlen
Der Spaß darf in ihrem Programm nicht fehlen. Foto: Ramona Meisl

Wie eine Dichterin

Andrea Pancurs Texte sind absurd unterhaltsam, wenn sie beispielsweise gerade mit Silben oder der Sprache spielt:

Is do, is do wos do?
Wos is do?
Is do wos do?
Do is wos, is wos, is wos!
Is do wos no do, no do?
Do is no wos!
Wos is do no?
Do is no wos do, wos do.
Wos is den do no do?
Do is no wos!

Andererseits sind sie tief bewegend. Immer wieder geht es um die Gesellschaft, um Dinge, die die Menschen beschäftigen und um die oft ausweglose Lage von Flüchtlingen. Es scheint fast, als ob jiddische Musik hierfür die einzig wahre Ausdrucksform wäre.

Ein besonders ergreifender Moment
Ein besonders ergreifender Moment. Foto: Antonie Huber

Trotzdem herrschte im Sudhaus des Valleyer Schlossbräu eine ausgesprochen lockere Atmosphäre. Die Anmoderation der einzelnen Stücke war völlig frei. Jedenfalls wirkte es so auf den Zuhörer. Denn die Bandmitglieder warfen spontane Gedanken ein oder lachten gemeinsam – oft über sich selbst oder über ihre Texte. Während oder nach Soloparts schenkten sie sich anerkennende Blicke. Sie waren einfach eins mit sich selbst und mit ihrer Musik.

Ilya Shneyveys am Akkordeon
Ilya Shneyveys am Akkordeon. Foto: Ramona Meisl

Dieser gegenseitige Respekt ist es wohl auch, was das Publikum so sehr mitreißt. Finger klopften auf die Oberschenkel, Füße wippten im Takt der Musik, mancher summte sogar die Melodie mit. Zum Schluss des äußerst kurzweiligen Abends gab es, wie soll es anders sein, Standing Ovations – und zur Freude der Zuhörer noch einige Zugaben.

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