
Ursula-Maren Fitz in China
Ursula-Maren Fitz packt ihre Glasobjekte ein. Foto: Bernd Fitz
Ausstellung in Chongqing
Die Waakirchner Künstlerin Ursula-Maren Fitz ist mit mehreren Glasobjekten zur internationalen Ausstellung vom 11. März bis 14. April 2026 im Hongyi Jiuzhou International Culture and Art Centre in Chongqing (China) eingeladen. Ihre Werke wurden von einer internationalen Galerie bei einer Präsentation auf der ARTMUC Kunstmesse München entdeckt, die sie daraufhin zur Teilnahme an der Ausstellung in Chongqing anfragte.
Im Interview beantwortet die Künstlerin, Vorsitzende der Glasheimat Bayern e.V., Fragen zu dieser neuen Anerkennung ihrer künstlerischen Arbeit.
Was bedeutet Ihnen die Einladung nach China und damit die Sichtbarkeit Ihrer Glasarbeiten international?
China ist für mich ein völlig neues Terrain, ein Abenteuer. Ich freue mich über die Einladung und bin gespannt, wie meine Arbeiten in Chongqing gesehen werden.

IM TANZ I. Foto: Bernd Fitz
Glas spielt seit vielen Jahren eine besondere Rolle in Ihrer Arbeit – was fasziniert Sie an diesem Material so sehr?
Zum einen beeindruckt mich am Glas, dass aus den profanen Materialien Sand, Soda und Kalk durch Zugabe von geringen Zusätzen so eine schier unbeschreibliche Vielfalt von Ergebnissen möglich ist. Zum anderen begeistert mich die Formbarkeit und die Eleganz von Glas immer wieder aufs Neue.
Ihre Glasobjekte entstehen teils im Atelier, teils in enger Zusammenarbeit mit Glasmachern in einer Hütte – wie unterscheiden sich diese Arbeitsprozesse?
Im Atelier baue ich eine Form aus Gips, fülle Glas in die Form, erhitze die befüllte Form dann geregelt im Brennofen bis zirka 900 Grad Celsius und nach der Abkühlzeit, die bis etwa zwei Wochen dauert, baue ich das Glasobjekt aus, das heißt, ich zerstöre die Form und schleife und poliere das Objekt geduldig, bis es so ist, wie ich es möchte, eine fast meditative Arbeit.

IM TANZ XXXVI. Foto: Bernd Fitz
Um meine Entwürfe umzusetzen, bin ich in der Glashütte meist mit zwei Glasmachern am Hüttenofen, in dem das flüssige Glas eine Temperatur von ca. 1200 °C hat. Ein Glasmacher entnimmt in Etappen Kristall und farbiges Glas mit der Glasmacherpfeife aus dem Ofen und der zweite Glasmacher und ich beginnen, das Objekt zu formen. Das Glas hat da noch eine Temperatur von ca. 700 – 800 °C und ist immer noch rotglühend, man erkennt die spätere Farbe nicht.
Die Hitze so nah zu spüren ist für meinen Körper ungewohnt, zudem muss man schnell, präzise und ohne Zögern arbeiten. Bei jedem Objekt wieder eine Herausforderung, aber wenn ich dann das Objekt nach einigen Tagen Abkühlzeit zum ersten Mal in Ruhe im fertigen Zustand sehe, macht es mich glücklich.
Beide Arbeitsweisen haben ihren besonderen Reiz und kein Objekt lässt sich genau wiederholen.

PUR IN BALANCE IX. Foto: Bernd Fitz
Inhaltlich beschäftigen Sie sich oft mit Themen wie Verletzlichkeit, Schutz und der Reise ins Jenseits – wie spiegeln sich diese Motive konkret in den Objekten wider, die nun in China gezeigt werden?
Glas ist zum einen ein zerbrechliches Material und verweist für mich auf die Verletzlichkeit der menschlichen Seele. Und doch ist Glas auch sehr stabil und oft haben meine Objekte einen farbigen Kern und eine Hülle aus Kristall, die für mich den Schutz ausdrückt. Auch hierin steckt Synonymität – zerbrechlich und stabil zugleich, sowohl beim Glas als auch beim Menschen kann beides zutreffen.
Die Reise ins Jenseits wird durch meine Archen angedeutet, in denen zum Beispiel ein Boot und darüber ein Gesicht schwebt oder auch durch meine gläsernen Seelenhemden, die auf die Reise vom Dies- ins Jenseits hindeuten.

FROZEN SMOKE. Foto: Bernd Fitz
Da Sie gleichzeitig eine Ausstellung für die Glasheimat Bayern e.V. in Niederbayern vorbereiten, können Sie nicht persönlich nach Chongqing reisen – aber wäre es nicht toll, von einem gemütlichen bayerischen Ort in eine der größten Städte der Welt zu reisen?
Ja, tatsächlich! Unser Ortsteil Schaftlach hat vielleicht so 1600 Einwohner, Chongqing 32 Millionen. Allein unser Ausstellungsareal dort ist groß, riesig, geradezu gigantisch.
Wir werden sehen, wie die Resonanz ausfällt und dann ist es durchaus möglich, dass bei sehr positiver Rückmeldung eine Einzelausstellung folgen könnte … Und dann würde ich zur Vernissage nach Chongqing reisen…. Wäre schon schön.

Ursula-Maren Fitz bei den Offenen Ateliertagen. Foto: Becky Köhl
UND: Wir geben zwei Stichworte, Sie eine Antwort, was Sie damit verbinden: Glas – Träume?
Glas ist ein besonderes Material, das mich immer wieder in seinen Bann zieht. Glas braucht im Arbeitsprozess viel Aufmerksamkeit, damit im Glas keine Spannungen entstehen, die das Objekt völlig unerwartet zerstören.
Glas ist das Material, mit dem ich immer wieder meine Gedanken und Träume umsetzen kann.