Wiener Auslese in Miesbach

Jung samma, fesch samma, mit dieser Überzeugung verließ beschwingt das Publikum, durchweg dem Teenageralter entwachsen, gestern Abend den Waitzinger Keller in Miesbach. Mit der Wiener Auslese von Brahms bis Burgmayr begeisterten Musiker und Sänger.

Schon die Bühnengestaltung weckte Urlaubsgefühle und Sehnsucht nach Wien: Fiaker, Grinzing, dazu wunderschöne wechselnde Fotos von der österreichischen Hauptstadt. Mit Schrammelmusik begann der Abend, der sich zu einem bunten erfrischenden Kaleidoskop Wiener Musik und Wiener Geschichten entwickelte.

Da gab es natürlich die bekannten Lieder vom „Frühling in Wien“, „Wien, Wien, nur du allein“ und „Im Prater blühn wieder die Bäume“, aber auch Operettenmelodien, wie Gräfin Mariza. Elisabeth Artmeier bezauberte mit ihrem gewinnendem Charme, ihrem Temperament und dem vollen Sopran. Sie ist und bleibt die geborene Soubrette, die in die stimmungsvolle Welt der Operette mitnimmt und das Publikum bezaubert. Der österreichische Tenor Marko Kathol ist ihr nicht nur ein idealer Gesangspartner, sondern moderiert auch den Abend. Beide wirbeln singend über die Bühne, animieren auch das Publikum zum Tanzen, was punktuell gelingt, die meisten würden sicher gern, trauen sich aber nicht, wippen tun sie aber allemal. Die Stimmung, anfangs noch recht verhalten, wird immer ausgelassener.

Und wenn Marko Kathol den Klassiker „I bin a stiller Zecher“ anstimmt und über die Bühne torkelt bis er flach am Boden liegt, dann singt schon so mancher mit. Die Wiener Anekdoten tun das ihrige für die Stimmung. Manches ist Geschmackssache, der morbide Humor aber der Wiener, die mit mehr als 100 Umschreibungen dem Tod begegnen, gefällt. Kannten Sie den schon? Zwei alte Damen sitzen an der Haltestelle vom Zentralfriedhof. Sagt die eine: Wie alt sind Sie. 94. Und da schminken Sie sich noch? Fragt die andere: Wie alt sind Sie? 107. Und da fahren Sie noch nach Hause?

Ganz andere Töne bringt Veronika von Quast, begleitet von Florian Burgmayr am Klavier ein. Sie hat sich den Liedern von Hugo Wiener verschrieben, die er für seine Frau Cissy Kraner geschrieben hat. Herrlich schräg und ordentlich frivol präsentiert die bekannte Schauspielerin diese Lieder. Und man nimmt ihr den „Vamp von München Mitte“, der allerdings heute die Männer mit Germknödeln und Schweinshaxen betört, komplett ab. Beim „Witwencafe“, einem ziemlich bösen Lied, wo es um Schwammerln zur Beseitigung unliebsamer Ehemänner geht, versucht sich die Mimin auch in Partnervermittlung und fragt ab, wer heute Abend „oaschichtig“ unterwegs ist.
Am schrillsten gelingt Veronika von Quast der berühmte „Novak“, bei dem sie liegend die Zusammenkunft mit dem Fakir demonstriert.

Der Abend lebt aber nicht nur von den drei Sängern, sondern ebenso von den sechs Musikern, allen voran Christoph Bencic an der Geige. Virtuos, einfühlsam, großartig. Am besten bei ungarischen Klängen, ob es die ungarische Rhapsodie von Brahms ist oder ein Csardas, aber auch der Walzer von Florian Burgmayer oder Schrammelmusik, das Ensemble mit Georg Obermüller (Akkordeon), Simone Lautenschläger (Klarinette), Michael Stacheder (Bass) und Andreas Stauber(Gitarre), sowie Florian Burgmayr am Klavier ist bei weitem nicht nur Begleitung, sondern trägt mit den Instrumentalstücken wesentlich zum Gelingen des beschwingten, heiter stimmenden Abends bei.

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