Tobias Hohenacker „Erinnerungsorte“

„Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Inneren wird.“ Diese Worte Richard von Weizsäckers hat der renommierte Fotograf Tobias Hohenacker als Motto vor seine Ausstellung in der Pasinger Fabrik gestellt. Sie ist Teil der Schau „21x Expedition München“, die vom Fotografenverband FREELENS hier bis zum 24. Juni gezeigt wird.

Der Anlass für die Themenwahl ist ein persönlicher. Und so widmet Tobias Hohenacker die Präsentation auch seiner Urgroßmutter Jenny Thelen, deren Spur sich im April 1945 im Nervenkrankenhaus Haar-Eglfing verliert. Auch ein Besuch des Konzentrationslagers Flossenburg beeindruckte den in Jasberg beheimateten Fotokünstler nachhaltig. Und so begab er sich auf Expedition in und um München, um Mahnmale zu entdecken, die den Opfern des NS-Regimes gewidmet sind: Juden, Andersdenkenden und Euthanasieopfern.

Eine wichtige Hilfe, so sagt er, sei ihm das Buch von Helga Pfoertner „Mit der Erinnerung leben“ gewesen. Zwei Fragen beschäftigten ihn bei seiner Suche. Wie sind die Erinnerungsorte gestaltet und wie werden sie angenommen. Dabei fand er sehr unterschiedliche Antworten. Einige Plätze seien positive Beispiele, wie der Ehrenhain im Perlacher Forst, wo die Asche von Insassen des KZ Dachau und von Euthanasieopfern bestattet wurde. Auch der Kubus aus Dolorit von Leo Kornbrust in den Arkaden der Staatskanzlei werde seiner Meinung nach gut angenommen.
Beeindruckend fand der Fotograf auch das von der Max-Planck-Gesellschaft errichtete Mahnmal im Waldfriedhof Fürstenried. Hier wurden Hirnschnitte von Euthanasieopfern beigesetzt.

Das sehr eindrucksvolle Denkmal in Berg am Laim für das ehemalige Jüdische Sammellager im Noviziathaus der Barmherzigen Schwestern führe hingegen eher ein Schattendasein.
Negative Erfahrungen habe er in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim gemacht, erzählt Tobias Hohenacker und so hat er es auch in seinen Begleittexten in der Ausstellung formuliert.

Seine Bitte um Zugang zu den Denkmalen für Opfer des NS-Regimes wurde von der Anstaltsleitung sehr zögerlich nachgegeben. Eigentlich gebe es vier Erinnerungsorte, aber nur einer sei ihm zugänglich gewesen. Die Hinrichtungsstätte war 1958 überbaut worden, in einem Innenhof durfte der Künstler nur für wenige Minuten das von Wilhelm Breitsameder geschaffene Denkmal, ein stilisierter Richtblock, fotografieren. Tobias Hohenacker ist noch immer entsetzt: „Wie viel Unrecht ist hier geschehen und heute sieht die Erinnerungskultur so aus.“

Der Fotograf will sich mit seinen „Erinnerungsorten“ gegen die Tendenz wenden, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Seine Bilder sind nicht düster und anklagend, sondern sollen ermuntern, sollen einladen, sich mit der Geschichte zu befassen. Damit hat er ein breites Echo ausgelöst. Charles Kenwright, Redakteur bei wissen.de widmete ihm einen Beitrag, in dem er schreibt, Tobias Hohenackers Fotografien zeichnen nicht nur auf, sondern sie kommunizieren.

Am morgigen Donnerstag lädt der Fotokünstler zu einer Führung durch die Ausstellung ein. Sie beginnt um 18.45 Uhr in der Pasinger Fabrik, August-Exter-Straße 1. Die Ausstellung ist bis 24. Juni dienstags bis sonntags von 16 bis 20 Uhr geöffnet. (Tel.: 089/829 290-0).

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