Carl Orffs Weihnachtsgeheimnis

Orff-Interpret Rupert Rigam: Zusammenspiel von Wort, Satzrhythmik, Musik, Mimik und Bewegung.

Orff-Interpret Rupert Rigam: Zusammenspiel von Wort, Satzrhythmik, Musik, Mimik und Bewegung. Foto: Ines Wagner

Beeindruckte im Olaf Gulbransson Museum das Publikum: Rupert Rigam, ehemaliger Stadtpfarrer Tegernsees und großartiger Orff-Rezitator las „Ludus de nato Infante mirificus“ – das der alpenländischen Tradition verpflichtete Weihnachtsspiel Orffs.

Restlos ausverkauft war die Lesung schon seit langem und mucksmäuschenstill waren die Gäste, derweil Rupert Rigam „seinen“ Orff las, ja eindrucksvoll verkörperte. Große Gesten, großer Schatten hinter ihm an der Wand. Aus seinem Mund wie aus vielen Mündern murmeln, kreischen, hexen die Hexen, beschwören die Winde herbei, rufen schlechtes Wetter, um Maria und Josef vom Weg abzubringen und die Ankunft des Kindes zu verhindern. Nein, dieses Licht, dass die Menschheit retten soll, es soll nicht in die Welt kommen! Und der Stern, „Stella Oscura“, soll verlöschen, verblassen, verblenden…

Eindrucksvoll ruft der Chor der Hexen, klopft Pfarrer Rigam mit knöchernen Fingern auf den Tisch, beschwört, verzaubert und verwünscht den Stern. Gespenstig ist die noch schneelose, kalte Winternacht, stehen die Berge starr ringsum. Und Pfarrer Rigam und seine Zuhörer sind bereits in den Bann gezogen, mittendrin in der Orffschen Weihnacht, konzentriert der altbairischen Sprache des Stückes lauschend.

seiner Berufung folgend

Das alpenländische Sprachkunstwerk Carl Orffs erfährt in seiner Intensität und Dichte einen besinnlichen Rahmen durch die musikalische Untermalung von Harfe und Gitarre. Franz und Balbina Hampel begleiten den Interpreten seit vielen Jahren mit ihren Instrumenten. Carl Orff selbst hat seinen Segen dazu gegeben, erzählt Rupert Rigam, der bei dem Komponisten das Sprechen und Rezitieren der Texte erlernt hat und dessen Geist weiter trägt. Das Zusammenspiel von Wort, Satzrhythmik, Musik, Mimik und Bewegung des Orffschen Werkes hatten ihn bereits als jungen Pfarrer beeindruckt.

Rupert Rigam beschwört mit dem gespenstigen Chor der Hexen schlechtes Wetter herauf.
Rupert Rigam beschwört mit dem gespenstigen Chor der Hexen schlechtes Wetter herauf. Foto: Ines Wagner

Dreißig Jahre ist er jetzt mit dem Weihnachtsspiel unterwegs. Es ist eine Berufung daraus geworden und Rupert Rigam gilt heute als einer der großen Orff-Rezitatoren und Interpreten schlechthin. Umso mehr schätzte sich die Olaf Gulbransson Gesellschaft e.V. glücklich, dass Rigam, der von 1987 bis 2005 als Stadtpfarrer in Tegernsee wirkte, in der Kulisse des Anbaus vom Olaf Gulbransson Museum im Rahmen der Matinee „Ludus de nato Infante mirificus“ vorlas.

Hexen, Höhlen, Hirten

Im Weihnachtsspiel Carl Orffs wird das Mysterium der Geburt Christi als ein weltveränderndes, kosmisches Ereignis sichtbar. Der Mensch, Vertreten durch die Hirten, ist zwischen die guten und bösen Mächte eingespannt. Als Spielball der Hexen, die das Ereignis zu verhindern versuchen, und der Engel, welche die frohe Botschaft verkünden. Zwischen Glauben und Unglauben hin und her geworfen, müssen sich die Hirten entscheiden. In „Wahrträumen“, die sie sich gegenseitig voller Verwunderung und Kopfschütteln erzählen, formt sich die Begebenheit der Geburt im Stall als Gewissheit.

Der Glaube siegt, die frohe Botschaft siegt, die Hexen sind geschlagen. Das Licht zieht ein in der Welt, Kinder tragen es mit nackten Füßen und Kerzen in der Hand über den glitzernden Schnee. Durch die altbairische Sprache hat Orff eine Dichte und Verbundenheit zur alpenländischen Heimat geschaffen, die hintergründig die tiefe Dimension des Weihnachtsgeschehens erlebbar macht.

Rupert Rigam zieht Zuhörer in Bann

Das eindrücklich wiedergegebene Orffsche Weihnachtsspiel Pfarrer Rigams verzauberte die Tegernseer Zuhörer am Vorabend des dritten Adventes. Wie sehr ihn selbst der immer wieder rezitierte Text jedes Mal aufs Neue berührt, war deutlich spürbar, wie „Balsam auf sein Herz“.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen im Olaf Gulbransson Museum finden Sie hier.

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