Pension Schoeller

Berliner Luft führt zu irren Verwirrungen in Miesbach

Her mit den „Irren“: (l.) Phillip Klapproth (Roman Postel) freut sich mit Neffe Alfred (Tomas Mayer) auf ein besonderes Erlebnis in Schöllers (Michael Probst) Pension. Foto: MF

Theater in Miesbach

„Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“ – die allseits bekannte Melodie begleitete allerlei Irrungen und Wirrungen im Bräuwirt, wo die Junge Bühne Miesbach ein Stück mit Humor und Herz darbot: die „Pension Schöller“, eine Posse in drei Aufzügen nach Carl Laufs und Wilhelm Jacoby in einer Einrichtung von Horst Willems.

Ein Stelldichein exzentrischer Charaktere im Café Berlin

Der Beginn von Vielem ist oft erst eine locker-unverbindliche Zusammenkunft. Etwa hier im „Café Berlin“ bei Bier, Cognac und Kaffee. Aber bereits da lassen die Charaktere erahnen, dass Fulminantes folgen wird. Da sind Major a. D. Gröber (militärisch-lautstark und zackig: Wolfgang Wastlhuber), die Schriftstellerin Josephine Krüger (interessiert-affektiert: Ute Bauer) auf der Suche nach Inspiration für ihr nächstes Werk oder der Weltreisende Fritz Bernhardy (stets optimistisch-begeistert: Helmut Enzinger).

Pension Schöller
Noch ist alles ruhig bei der illustren Gesellschaft im „Café Berlin“: (v. r.) Alfred Klapproth (Thomas Mayer), Mayor a. D. Gröber (Wolfgang Wastlhuber), Schriftstellerin Josephine Krüger (Ute Bauer) und Eugen Rümpl (Klaus Ruml). Foto: MF

Da ist auch der in der Gastronomie verhaftete, von der Schauspielkunst entflammte Eugen Rümpel (von der Muse beseelt: Klaus Ruml), der tapfer mit dem Handicap eines Sprachfehlers kämpft und genau deswegen für viel Begeisterung und Lachen beim Publikum sorgte.

Pension Schöller
Trotz Sprachfehlers deklamiert Eugen Rümpl (Klaus Ruml) tapfer die Klassiker. Foto: MF

Und da ist noch Alfred Klapproth (umtriebig-hoffnungsvoll: Thomas Mayer). Der benötigt Geld für sein eigenes Unternehmen. Hier kommt sein Onkel Philipp Klapproth (stark erlebnishungrig: Roman Postel) ins Spiel. Selbiger hat die Finanzen, möchte aber gern bei seinem Stammtisch mit einem besonderen Erlebnis angeben können – er will „echte Irre“ in einer Nervenheilanstalt erleben. Der Neffe soll ihm das ermöglichen.

Nun ist guter Rat teuer. Eine echte Heilanstalt kennt der nicht, dafür aber die Gäste der „Pension Schoeller“, von denen er einige im „Café Berlin“ traf. Die durchaus exzentrischen Charaktere findet er verrückt genug. Also gibt er die Pension als Sanatorium aus und ist dort mit seinem Onkel bei einer Soiree zu Gast.

Voyeuristische Neugier auf die „Irren“ in der „Pension Schoeller“

Pension Schöller
Irr oder einfach nicht alltäglich? Der Weltreisende Fritz Bernhardy (Helmut Enzinger) mit zwei Leoparden (Hannah Floßmann und Pia Echtler von der Crachia Hausham). Foto: MF

Phillip Klapproth ist schwer angetan. Der kann die „Irren“ bei der pension Schöller (ganz der seriöse Pensionsbesitzer: Michael Probst) nun hautnah erleben – voll Neugier, aber auch mit einer gewissen Nervosität. Denn um sie nicht zu erzürnen gibt es Dinge, die nicht ausgesprochen werden dürfen: Patient oder Anstalt etwa. Ein Spiel mit Wörtern und Annahmen beginnt, das zu großem Amüsement beiträgt. Aber eben auch zu weiterer Verwirrung. Etwa wenn Amalie Pfeiffer (betulich-aufdringlich: Barbara von Miller) ihre Tochter Friederike (elegant-abwägend: Sonja Fischbacher) an den Mann bringen will.


Hiergeblieben! Amalie Pfeiffer (Barbara von Miller) hat in Philipp Klapproth (Roman Postel) einen Top-Heiratskandidaten erkannt.Foto: MF


Oder ist doch der sichtlich verliebte Alfred Klapproth (Thomas Mayer) der Richtige für Friederike (Sonja Fischbacher)?. Foto: MF

Die „Irren“ stürmen den heimischen Salon

Nach dem Besuch des „Sanatoriums“ wird es schließlich im Salon der Klapproths turbulent. Phillip Klapproth sieht sich mit all den „Irren“ aus der „Pension Schöller“ konfrontiert, die zu ihm nach Hause kommen. Verfolgungsangst und große Nervosität machen sich bei ihm breit. Und seine Schwester Ulrike Sprosser (überzeugt-resolut: Monika Greindl) glaubt nun, dass ihr Bruder wahnsinnig ist.


Ulrike Sprosser (Monika Greindl) wähnt ihren Bruder Phillip Klapproth (Roman Postel) verrückt und redet Tacheles.. Foto: MF

Der doppelte Boden durch die Finte des Neffen und das Unausgesprochene beim Erleben der „Nervenheilanstalt“ zeigt Wirkung. Aber wie es sich bei einer Posse gehört, kann das Ende doch nicht schlecht sein.

Amüsantes Stück mit Neuaufführung nach hundert Jahren

Dass sich alles zum Guten wendet soll auch bewusst so sein, wie Regisseurin Regina Weber-Toepel erklärt. Die Junge Bühne Miesbach erfreut die Zuschauer meist mit Komödien. Nach französischen und englischen Stücken wurde es dieses Mal wieder ein deutsches Werk. Dabei habe das Ensemble schon länger mit der „Pension Schöller“ geliebäugelt. Schließlich begannen die Proben im vergangenen September. Interessant auch: in Miesbach wurde die Posse aus dem Jahr 1908 schon einmal dargeboten. Stadtarchivar Alexander Langheiter ließ Weber-Toepel einen Zeitungsartikel über eine Aufführung 1912 zukommen. „Dass wir es nach ungefähr hundert Jahren wieder auf die Bühne bringen fand ich schon etwas Besonderes,“ meint die Regisseurin begeistert.


Regisseurin Regina Weber-Toepel (r.) freut sich mit den Schauspielenden über den Applaus des Publikums. Foto: MF

Umgesetzt wurde das Stück kreativ mit zwei Bühnenarrangements. Während des ersten Aufzugs finden sich die Schauspieler vorne im Gastraum und leben einen intensiven Publikumskontakt. Dann geht es für die zehn Akteure in den Salon auf der Bühne. Eine elegante Figur machen dort zudem auch junge Tänzerinnen der Crachia Hausham (Hannah Floßmann und Pia Echtler, Franziska Leidgschwendner und Leni Zehetmair, Choreo: Sophia Floßmann) – als Leoparden. Die musikalische Umrahmung mit stimmungsvollen Einspielungen kam von Elisabeth Rauwolf und Christian Gemmer. Das Publikum – so viel wurde durch die Heiterkeit und den begeisterten Beifall klar – verbrachte mit der „Pension Schoeller“ eine irre gute Zeit.

Für die Posse „Pension Schöller“ der Jungen Bühne Miesbach sind noch weitere Aufführungen im Saal des Miesbacher Bräuwirts angesetzt: Samstag, 20. April, Sonntag, 21. April, Freitag, 26. April und Samstag, 27. April. Die Veranstaltungen beginnen um 19:00 Uhr (Einlass um 17:30 Uhr). Der Eintritt beträgt zwölf Euro (zehn Euro ermäßigt). Alle Infos auf der Webseite.

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