Kunstaktion gegen Rechtsextremismus

Kunstaktion gegen Rechtsextremismus

Kunstaktion des Bündnisses gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland. Foto: KN

Kunstaktion in Schliersee

Das „Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland“ hat mit einer neuerlichen Kunstaktion auf ein Gedenken an das rechtsradikale Freikorps Oberland an der Weinbergkapelle in Schliersee reagiert. Bürgermeister Franz Schnitzenbauer indes möchte den Prozess der Aufarbeitung einvernehmlich zu Ende führen.

Die Tafel an der Weinbergkapelle in Schliersee hat in der Vergangenheit immer wieder am 21. Mai zu kontroversen Auseinandersetzungen Anlass gegeben. Die Zusammenhänge mit dem Ort, dem Freikorps Oberland, der Annabergschlacht und der Frage, wie man heute mit Gedenken umgeht, wurde in einem umfangreichen Projekt unter Federführung des Kreisbildungswerkes Miesbach aufgearbeitet.

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Am diesjährigen Gedenktag fand ein Livestream statt, an dem in einer Lesung Zeitzeugen zu Wort kamen, der Haushamer Schauspieler Jochen Strodthoff war einer der Darsteller.

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Das Anliegen der Veranstaltung war es, auf den rechtsradikalen und antisemitischen Hintergrund des Freikorps Oberland aufmerksam zu machen und auf den Bezug zur Gegenwart hinzuweisen.

Gedenken in Schliersee
Die Weinbergkapelle in Schliersee. Foto: Petra Kurbjuhn

Jetzt teilt das „Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland“ mit, dass vermutlich am Wochenende 20./21. Juni wieder ein Gedenken an das rechtsradikale Freikorps Oberland stattgefunden habe. Sichtbares Zeichen sei ein Blumengesteck der Landsmannschaft der Oberschlesier mit Spruchschleife.

Kunstaktion gegen Rechtsextremismus
Blumen von Landsmannschaft der Oberschlesier. Foto: KN

„Es kann nicht sein, dass dem an der brutalen Niederschlagung der Räterepublik in München beteiligten Freikorps immer noch gedacht wird. Auch bei seinem Einsatz in Oberschlesien zeichnete sich das Freikorps Oberland nicht nur durch Brutalität gegenüber Bevölkerung aus. Ebenso war dessen nationalsozialistische Orientierung weithin bekannt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe habe sich deshalb entschlossen selbst ein Zeichen zu setzen. Ein Plakat informiert die Besucher und Besucherinnen: „Willkommen zur Kultstätte der rechtsradikalen Bewegung“. Und weiter: „Hier trafen sich über viele Jahrzehnte Anhänger und Anhängerinnen der völkisch-nationalistischen Bewegung von NSDAP bis hin zu jungen Neonazis – sie huldigten ihren Kämpfern.“

Kunstaktion gegen Rechtsextremismus Kunstaktion gegen Rechtsextremismus. Foto: KN

Auf Nachfrage teilt Michael Kurz, Mitglied des Bündnisses mit, dass man sehr unzufrieden mit der Aufarbeitung der Geschichte in dem vom KBW organisierten Projekt sei. Es wäre wichtig gewesen, die Ergebnisse aus den Vorträgen der Experten zu veröffentlichen. Man habe die Chance vertan, die Expertise, insbesondere des Instituts für Zeitgeschichte zu nutzen, um die Öffentlichkeit breit über die Hintergründe zu informieren und mit der Bevölkerung zu diskutieren.

„Nach wie vor ist der Ort unverändert und das kann nicht unkommentiert bleiben,“ kritisiert Michael Kurz. Deshalb habe sich das Bündnis zur neuerlichen Aktion entschlossen.

Öl ins Feuer gegossen

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer bedauert es, dass das Ende des Prozesses nicht abgewartet und jetzt Öl ins Feuer gegossen wurde. „Wir haben Donnerstag Abend eine Zusammenkunft mit der Kirchenverwaltung, bei der wir eine einvernehmliche Lösung anstreben.“

Der Knackpunkt ist die Idee einer transparenten Platte, die über die Tafel an der Weinbergkapelle angebracht werden sollte. Darauf sollte das Friedensgebet des Heiligen Franziskus den Blick auf den Untergrund stören. Dies war das Ergebnis des Projektes mit den Experten. „Dieser Plan fand keine Zustimmung beim Denkmalschutz“, informiert der Bürgermeister. Da die Weinbergkapelle ein bedeutendes kirchenhistorisches Denkmal sei, dürfe man dort nichts hinbauen. „Aber es gibt Alternativen“, sagt Schnitzenbaumer.

Annabergdenkmal
Die umstrittene Tafel sollte eine transparente Platte erhalten. Foto: Petra Kurbjuhn

Zudem sei die Landsmannschaft der Oberschlesier nicht für Rechtsextremismus bekannt, wie das Freikorps Oberland, sondern es handle sich um normale Heimatvertriebenenverbände.

Das Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland ist ein loser Zusammenschluss von Vertretern und Vertreterinnen aus Bildung, Gewerkschaften, Politik, Kunst und Kultur der Region Schliersee/Miesbach. Ziel des Bündnisses ist es, rechtsradikalen Umtrieben und der Wiederbetätigung von faschistischer Ideologie entgegenzutreten.

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