Jens Sparschuh in Miesbach

Tickt der eigentlich ganz richtig? So fragt sich der Zuhörer, wenn er von den abstrusen Gedanken dieses Hannes Felix hört. Aber eigentlich ist er ja einer von uns, in jedem steckt so ein bisschen der Ordnungsfanatiker. Aber ist es lustig, mit einem solchen Typen zusammen zu leben? Mit einem, der sogar der gerade aus ziehenden Ehefrau noch den Koffer ordentlich packt? Jens Sparschuh liest aus seinem Buch „Der Kasten“.

Diese Ehe war wohl schon länger nicht mehr so ganz glücklich, denn man hatte sich gestritten oder noch schlimmer „pausenlos aufeinander ein geschwiegen“. Für Hannes ist die Vorliebe von Monika für den Pizzaservice, den sie nach der Wende als Akt der Befreiung und wichtiger als die friedliche Revolution sah, ein Gräuel. Am schlimmsten aber war es, wenn sie die Pappkartons nicht ordentlich in die blaue Tonne entsorgte.

Für Monika indes eskalierte die Situation, als Hannes mikroskopisch den Hausstaub untersuchte und über die „flirrende Wunderwelt im schrägen Sonnenstrahl im Herbst“ sinnierte. Da brauchte es die nächtliche Aktion mit Björn aus dem schwedischen Möbelhaus eigentlich gar nicht mehr. Monika hatte genug von diesem Hannes, der noch nicht einmal gescheit einen Spiegelschrank aufbauen konnte. Monika ging.

Und Hannes konzentriert sich jetzt ganz auf seine Arbeit am Rande der Stadt. Dort ist er bei NOAH, der Firma, wo ein jeder seinen derzeit unbenötigten Krempel abstellen kann. Das können private Steuerdinge ebenso sein, wie Konserven im Zwischenlager oder noch unbenutzte Särge in Wartestellung. Aber die Firma schwächelt und Hannes entwickelt eilig Konzepte zur Rettung.

Dabei hat er die bahnbrechende Idee von der Neuberechnung der Mieten. Es könne doch nicht sei, doziert er, dass der Mensch im Raum lebt, aber für die Fläche Miete bezahle. Flugs erfindet er den Faktor, der alles was niedriger als drei Meter Höhe ist, den Preis fallen und was höher ist, den Preis steigen lässt. Damit kann der mit der niedrigen Raumhöhe, da ihm ja Stauraum fehlt, bei NOAH einlagern. Brillant, denkt er.

Sein Chef Norbert nicht. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf.
Jens Sparschuh las mit Witz und Esprit seine philosophischen Betrachtungen zum Thema Ordnung und Chaos, zum Thema „Immer mehr haben müssen“. Der Autor, in Karl-Marx-Stadt geboren, in Leningrad Philosophie studiert, war zu den West-Östlichen Kulturbegegnungen des Vereins Kulturvision, dem Kulturamt der Stadt und der vhs Miesbach gekommen.

Mitgebracht hatte er einen Kollegen, keinen geringeren als Sten Nadolny, der mit seinem Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ Literaturgeschichte schrieb. Er saß neben mir und amüsierte sich königlich über diesen verhinderten Hans im Glück.
Kommt Monika zurück? Das verriet Jens Sparschuh nicht. Aber das Buch „Im Kasten“ ist im Buchhandel erhältlich.

 

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