Die beinah tödliche Frage: Wie seh ich aus?

Holzkirchner Komödchen: Nach dem tödlichen Schuss – Ensemble „Holzkirchner Komödchen“.

Nach dem tödlichen Schuss – Ensemble „Holzkirchner Komödchen“. Foto: Andreas Vogt

Komödie in Holzkirchen

Eine himmlische Inszenierung gelang Regisseurin Lydia Starkulla mit dem Volksstück „Hummel im Himmel.“ Im Rotlichtmilieu der 50er Jahre, mit Elvis Presley an der Wand und dem Rock ’n’ Roll im Blut, gibt es die Schauspieler des „Holzkirchner Komödchens“ noch weitere achtmal zu bewundern.

München, 1958, Bahnhofsviertel. Am Geländer der Holztreppe hängen Dessous, Elvis dreht sich am Plattenspieler und die schwarze Lederjacke muss wieder einmal eingefettet werden. Max Hummel, seit seinem Austritt aus dem Kinderheim im Nachtclub „Paradiso“ beheimatet, sieht durch den Gefängnisaufenthalt des „Capos“ seine Chance gekommen, um sich als neuer Chef des Reviers zu etablieren. Beinah geht sein Plan auf, wird dann aber doch durch seinen eigenen Tod gründlich vereitelt. Er ringt mit Gott und bekommt die Erlaubnis, noch einmal ins Leben zurückzukehren, unter der Bedingung, eine Nacht lang nur die Wahrheit zu sagen.

Spannungsgeladener Abend mit dem „Holzkirchner Komödchen“ Christian Hort, Regina Deflorin D´Souza, Albert Ambacher, Paula Baumgartner.
Spannungsgeladener Abend mit dem „Holzkirchner Komödchen“: Christian Hort, Regina Deflorin D’Souza, Albert Ambacher, Paula Baumgartner (v.l.).Foto: Andreas Vogt

Theater passiert genau jetzt

Was nach einer recht einfachen Geschichte klingt, wird auf der Bühne des Foolstheaters zu einem grandiosen Fest der Lebendigkeit, das die Vorzüge des Theaters gegenüber des Films spürbar macht. Theater passiert nämlich genau jetzt, in diesem Augenblick, vor dem Auge des Betrachters. Schon im ersten Akt fühlt sich der Zuschauer mitten im Geschehen, als Max Hummel dem frühzeitig aus dem Gefängnis entlassenen „Capo“ (Christian Hort) gegenübersteht, von den Damen des Hauses leidenschaftlich beschützt. Die Dynamik, die sich schon im ersten Akt durch Bewegungen, Stimmen und gelebten Gefühlen auf der Bühne entwickelt, beeindruckt durch die leidenschaftliche Darstellung der Schauspieler und gipfelt im Todesschuss, der den Kleinkriminellen Max Hummel niederstreckt.

Schwierige Konversationen für die Protagonisten des Stückes „Hummel im Himmel“
Schwierige Konversationen für die Protagonisten des Stückes „Hummel im Himmel“. Foto: Andreas Vogt

Im Nu erscheint ihm Gott in Form der eben noch anwesenden Prostituierten und Hummels Freund Biwi (Jochen Geipel) und wiederum ist es die gekonnt in Bewegung und Stillstand inszenierte Präsenz der Schauspieler, die Gänsehaut entstehen lässt.

Wenn Wahrheit unmöglich wird

Zurück im Leben hält sich Max Hummel (überragend dargestellt von Albert Ambacher) recht wacker an das Wahrheitsgebot, bis er von der älteren Animierdame Ria (hinreißend: Gisela Emmi Siade) gefragt wird, wie sie in ihrem neuen, karminrotem Kleid wirkt. „Du kannst einer Frau nicht die Wahrheit sagen, wenn sie dich fragt, wie sie aussieht“ denkt der junge Mann wie Millionen anderer Männer und ringt wie an keiner anderen Stelle des Stückes, um nicht mit der nackten Wahrheit unterzugehen.

Ohne Liebe geht’s nicht

Den Sittenpolizisten Hoheneder (Karl Jakob) auf eine falsche Fährte zu führen, erscheint dagegen wie ein Kinderspiel. Letztendlich ist es wie so oft die Liebe, die Kraft und Mut verleiht. Sie erscheint dem um Ehrlichkeit bemühten Max Hummel in Form der jungen Schönheit Anna (authentisch: Paula Baumgartner), die eine Stelle als Bedienerin sucht und den jungen Draufgänger durch ihre Natürlichkeit verändert.

Komplex, unberechenbar, lebendig

Zur Seite stehen ihm natürlich auch die Damen des verruchten Etablissements. Neben der roten Ria frönen auch noch Sophie (Renate Grötsch), Gitti (Daniela Scheuenstuhl-Anduleit), Bernadette (Beate Kraft) und Leni (Regina Deflorin D’Souza) ihr Dasein im Nachtclub. Sie sorgen sich um das Wohl ihrer Gäste (u.a. dargestellt von Manfred Demmel) und werden von Regisseurin Lydia Starkulla ins beste Licht gerückt. Temperamentvoll, unverschämt liebenswert sind sie, die fünf unterschiedlichen Frauen. Scheinen sie doch in erster Linien als die Dienerinnen, Verliererinnen des Spiels, lassen sie doch immer wieder erkennen, dass sie stark sind und letztendlich auch das Zentrum, um das sich die Männer drehen.

Die gefeierte Regisseurin Lydia Starkulla mit Darstellern.
Die gefeierte Regisseurin Lydia Starkulla mit Darstellern. Foto: Andreas Vogt

Schon in den vergangenen Jahren begeisterte das Ensemble „Holzkirchner Komödchen“ mit seinen Stücken, letztes Jahr mit „Das Wirtshaus im Spessart“. Die diesjährige Inszenierung der von Christian Lex geschriebenen Komödie garantiert 90 Minuten puren Theatergenuss, der den Zuschauer mit voller Wucht ins Stück zieht, die 50er Jahre aufleben lässt und den Wunsch erweckt, wie Max Hummel einen Rock ’n’ Roll Kurs zu besuchen.

Die weiteren Termine für “Hummel im Himmel“, das bis zum 19. Mai noch achtmal gespielt wird, finden Sie auf der Website des KULTUR im Oberbräu Holzkirchen.

 

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