Gräber für Muslime

Lisa Braun-Schindler, Max Niedermeier, Süleyman Kaynak, Matthias Striebeck (v.l.). Foto: Monika Ziegler

Netzwerktreffen in Miesbach

Der Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturvereins Süleyman Kaynak hatte die Bitte schon vor längerer Zeit geäußert und trug sie gestern bei der Netzwerkssitzung noch einmal vor. Es komme jetzt immer häufiger vor, dass Muslime nicht mehr in der Heimat beerdigt werden können oder wollen, sondern hier in der neuen Heimat ihre letzte Ruhe finden möchten.

Dafür aber fehlten im Landkreis Miesbach die rechtlichen Regelungen ebenso wie die Voraussetzungen für die muslimische Bestattungskultur. Kaynak erklärte, dass nach muslimischem Ritus die Toten einer rituellen Waschung unter fließendem Wasser unterzogen würden. Das sei zwar im Krankenhaus Agatharied möglich, nicht aber wenn die Menschen zu Hause sterben.

Nach Mekka ausgerichtet

Man wünsche sich also einen Waschraum und einen Gebetsraum, in dem Abschied vom Verstorbenen genommen werden kann, so wie es das in anderen oberbayerischen Orten wie Kolbermoor, Rosenheim oder Penzberg schon gebe. Der evangelische Pfarrer Matthias Striebeck wie darauf hin, dass bei einigen Bestattungsinstuten dies bereits möglich sei.

Welche unterschiedliche Kultur der Bestattung denn zu beachten sei, wollte Franziska, Gräfin von Drexel wissen, Vorsitzende des Hospizvereins Miesbach, die mit Geschäftsführer Peter Rosner als Gäste am Netzwerkstreffen teilnahmen. Zum einen würden die Toten in einem Tuch bestattet und nicht in einem Sarg, zum anderen müsse das Grab nach Mekka ausgerichtet sein und es dürfe nur einmal belegt werden, erklärte Kaynak.

Wie christliche Gräber

Peter Rosner teilte mit, dass er sich die Friedhöfe des Landkreises angeschaut habe und viele freie Plätze vorfand. Wenn aber Muslime nicht schon einmal belegte Gräber akzeptieren könnten, dann müsste man mit den Gemeinden oder Kirchen über Friedhofserweiterungen verhandeln. Kaynak meinte, dass man mit einer Ecke auf einem Friedhof durchaus zufrieden sei, zudem würden die Gräber mit Stein ebenso aussehen wie christliche.

Das Netzwerk Integration sei das geeignete Forum, sich dieser Frage zu widmen, betonte Max Niedermaier, Integrationsbeauftragter des Landkreises. Es sei schließlich zu erwarten, dass man irgendwann auch Flüchtlinge zu bestatten habe, die wegen der Kriege in ihrer Heimat nicht zurückgeführt werden können.

Über Bestattungsmöglichkeiten informieren

Er schlage eine Veranstaltungsreihe zum Thema Bestattungsmöglichkeiten vor, sagte Matthias Striebeck. Auch deutsche Katholiken würden sich nicht immer zu einer Erdbestattung entschließen. Immer wieder wanderten auch Menschen aus Oberbayern in andere Regionen aus, wo es freiere Bestattungsmöglichkeiten gebe. Dabei könnte auch über die unterschiedlichen Kulturen von Muslimen, Juden oder orthodoxen Christen informiert werden.

Man einigte sich darauf, dass Süleyman Kaynak, Matthias Striebeck und Dorothea Strecker vom Netzwerk Integration gemeinsam mit Peter Rosner vom Hospizverein das Thema weiter entwickeln. Lisa Braun-Schindler als Sprecherin des Netzwerkes betonte: „Wir wollen das Bewusstsein dafür wecken, dass Bedarf für eine muslimische Bestattungskultur existiert.“ Jetzt gelte es, mit den Gemeinden und dem Landkreis Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Kaynak meinte: „Wir Muslime haben viel mit Katholiken gemeinsam, so ist es für uns nicht bedenklich muslimische Gräber auf einem katholischen Friedhof zu haben.“

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