Gisela Beck in Leipzig

Vor 64 Jahren floh Gisela Beck mit ihrem Mann Herbert aus Leipzig, nachdem er von den russischen Besatzern verhaftet worden war und wieder freikam. Am Tegernsee fanden die beiden Künstler eine neue Heimat. Sie hatten sich in der Malklasse des berühmten Max Schwimmer in Leipzig kennen gelernt. Herbert Beck machte Karriere als Künstler und Gisela Beck verzichtete auf die ihre zugunsten der Familie.

Vor 20 Jahren nahm sie ihre aktive künstlerische Arbeit wieder auf. Angespornt von ihrem Mann wagte sie erste Ausstellungen. Aber nach seinem Tod im vergangenen Jahr verließ sie die Lust am Malen. Das Gespräch, der Austausch habe ihr so gefehlt, sagt die Künstlerin. Jetzt aber organisierte Sohn Michael, Galerist aus Düsseldorf, die Ausstellung in Leipzig.

Die Vernissage im Modeatelier gegenüber der Thomaskirche war ein Zusammenspiel von Kunst, Mode und Musik. Mehr als 150 Gäste waren zu dieser Frühlingssoiree erschienen, zu der Gisela Beck im Kreise ihrer Kinder und Enkel gekommen war. Nach einer musikalischen Einstimmung des Canella-Trios begann eine Modenschau. Zu Ehren des Gastes aus Tegernsee wurden neben eleganter, aber tragbarer Mode auch Dirndl vorgeführt.

Michael Beck hätte sich bei den Models ein wenig mehr „Holz vor der Hüttn“ gewünscht, fand aber die Dirndl schön. Er erzählte aus dem Leben seiner Mutter, von ihren Leipziger Wurzeln, ihrem künstlerischen Werdegang und führte in die gezeigten Arbeiten ein.

Gisela Beck zeigt Frauenköpfe. Physiognomien. Sie alle bestechen durch ihre intensive Farbigkeit. Das ist selten bei Aquarellen. Ihre Arbeiten zeigen, dass die Künstlerin nach ihrem Studium der Malerei sich immer intensiv mit Kunst auseinandersetzte, auch wenn sie sich aus dem aktiven Malen zurückgezogen hatte. Hier kommt etwas zum Ausdruck, was wohl schon lange in ihr gärte. Das Werk ist von einer harmonischen Geschlossenheit, denn Gisela Beck arbeite aus ihrer inneren Welt. Sie aquarelliert ohne Vorzeichnung, setzt die Farbe in einem Schwung auf das Papier.

Gisela Beck – Archetypen

Dabei arbeitet sie nicht mit wirklichen Modellen, sondern mit Charakteren, menschlichen Landschaften, die sie in ihrem Leben in sich aufgenommen hat und jetzt wieder frei gibt. So könnte man fast von Archetypen sprechen, von der „Verschwiegenen“, von der „Wartenden“, der „Siegessicheren“ oder der „Intrigantin“. Spuren dieser Charaktere kennt ein jeder Betrachter in ihm bekannten Gesichtern, auch bei sich selbst.

Ich erinnere mich noch gut, wie wir einmal gemeinsam mit Herbert Beck diese ungemein spannungsreichen Frauengesichter in ihrem Tegernseer Atelier anschauten. Gisela Beck sagte zu einem der Porträts: „Das da ist ein Scheusal, mein Mann ist eher für die hässlichen, strengen Frauen.“ Und Herbert Beck widersprach anerkennend: „Das ist kein Scheusal, sondern eine sehr interessante Arbeit.“

Der Austausch war für beide Künstler inspirierend, kein Wunder also, dass Gisela Becks Arbeit nach dem Tod ihres Mannes stagnierte. Aber jetzt nach dieser Vernissage in Leipzig, da erlebe sie einen Aufschwung. Die Kunstfreunde können sich freuen.

 

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