Festival der ARD Preisträger

Die Zwillingsschwestern Ani und Nia Sulkhanshvili. Foto: KN

Konzert in Tegernsee

Es traten die koreanische Sopranistin Sooyeon Lee, der deutsche Schlagzeuger Alexej Gerassimez, die georgischen Pianistinnen Ani und Nia Sulkhanshvili und der spanische Flötist Francisco López Martín in der Konzertreihe „Podium für junge Solisten“ auf. Schon der Anfang mit den vitalen Zwillingsschwestern ließ erahnen, welch musikalische Energie und Sensibilität dieser Konzertabend zu bieten hatte. Mendelssohns Andante und Allegro in A-Dur op.92 spielten Ani und Nia Sulkhanshvili mit traumwandlerischer Sicherheit und äußerst gesanglichem Vortrag, ein symbiotisches Duo, welches in volltöniger samtener Anschlagskultur alle Lebendigkeit, Esprit und jagende Verspieltheit aus diesem leuchtenden Werk für Klavier zu vier Händen holte.

Mit Leo Delibes „Le Rossignol“ (Die Nachtigall), einem Lied für Sopran, Flöte und Klavier, begann ein längerer Auftritt dieser Besetzung. Das legere Lied eines der beliebtesten Bühnenkomponisten der Romantik (1836-1891) erzählt von der Flüchtigkeit der Liebe. Die Singstimme Lees und die Flötenlinie Martíns imitierten und umkreisten sich in Girlanden von Vogel- und Soprangesang in betörender farbiger Geschmeidigkeit und Kommunikation auf der sanften Begleitung des zart auftretenden Klaviers.

Virtuose Flötenpassagen und rasante Rhythmen

Bei„Troi chants de Noël“ Frank Martins bewegten sich die drei jungen Musiker gekonnt auf moderneren Gefilden und zeichneten den verwobenen Stil aus Zwölftontechnik und Tonalität des Schweizer Komponisten mit ernster Ausdrucksstärke nach. Ruhig wogend und einfühlsam nahm sich das Trio des Liedes „Une flute invisible“ von Camille Saint-Saens an, die Friedfertigkeit des Schäferslied, die Fröhlichkeit des Vogelgesangs und die schmeichelnden Laute des Liebesgesangs im warmer Tongebung ansprechend. Die Sonatine für Flöte und Klavier von Pierre Sancan (1916-2008) beleuchtetet Ani Sulkhanshvili und Francisco López Martín ausdrucksvoll und bewegt, nachdenklich, mit virtuosen Flötenpassagen und rasanten Rhythmen.

Bevor Alexej Gerassimez am Marimbaphon loslegte, wollte er dem Publikum von sich und seiner nun als Weltpremiere erklingenden Komposition erzählen, die in einer Zeit des mangelnden festen Wohnsitzes in Berlin entstand, als er monatelang auf der Durchreise bei Freunden und Bekannten war, bis er eine Wohnung gefunden hatte. Er rauschte durch das schnelle tokkatenähnliche Stück und faszinierte mit seiner Behändigkeit und seiner geschmeidigen und eleganten Tongebung.

Ästhetisch in Klang gesetzte Empfindungen

Zwei Lieder in der Bearbeitung von Calvin Bolton, Beethovens „Ich liebe dich“ und das irische Lied „The last rose of summer“ ließen die Feinfühligkeit der beiden Künstler und die Schönheit dieser Musik bewundern. Mit Hugo Wolfs 3 Liedern nach Gedichten von Mörike widmeten sie sich mit Tiefsinn und Leidenschaft der eng mit dem Text verbundenen Musik, einer Welt der ambivalenten, ästhetisch in Klang gesetzten erleuchtenden wie verstörenden Empfindungen. Flöte und Klavier führten mit Francis Poulencs Sonate zurück in glückliche Momente von lockerem Sinnieren und fließendem Spiel, pfiffig und getrieben dann im schärfer pointiertem quirligen Schlusssatz mit bejahendem finalem, sich aufbäumendem Motiv.

Debussys „Petite Suite“ für Klavier zu vier Händen zeugte wieder von der musikalischen Verbundenheit der beiden Schwestern Ani und Nia, die erzählend, fein ziselierend, anmutig, sowie klangstark und rhythmisch durchdrungen, von durchsichtigen Harfenklängen bis zu galoppierenden Passagen spielend, das unglaubliche Spektrum ihrer Fähigkeiten fröhlich und beseelt zeigten. Chick Coreas improvisatorische jazzigem „Spain“ schenkte die bisher im Programm nicht vorgekommene Kombination von Flöte und Marimbaphon, mit Martín und Gerassimez, dem von den fünf jungen Musikerinnen und Musiker begeistertem Publikum als mitreißende Zugabe.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Bitte besuchen Sie uns auf
KulturVision auf facebook
KulturVision auf facebook
Twitter
Visit Us
Instagram

Werden Sie Kulturförderer

Als Mitglied oder Partner von KulturVision e.V. fördern Sie unser Magazin „KulturBegegnungen“, unser täglich aktuelles Online-Magazin und viele weitere kulturelle Projekte.

mehr…

Projekte

Hier erfahren Sie mehr über unsere vielfältigen Projekte (Spurwechsel, Anders wachsen, Schreib-Seminare, Warngauer Dialog, Kulturbegegnungen).

mehr…

Kontakt

Sie haben Fragen zum Verein, zu kulturellen Projekten oder wollen mit der Redaktion Kontakt aufnehmen? Wir freuen uns auf Ihre E-Mail.

mehr...

KulturVision e.V.

KulturVision wurde im Juli 2004 mit dem Ziel gegründet, das reiche kulturelle Leben im Landkreis Miesbach darzustellen, zu vernetzen und außergewöhnliche Kulturbegegnungen zu ermöglichen. Mit unseren Magazinen liefern wir aktuelle Kultur-Themen aus dem Landkreis. Zudem haben wir einige Projekte ins Leben gerufen – und haben noch einiges mehr vor!

mehr…

Impressum… Datenschutzerklärung

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial