„Die jungen Wilden“ – Die Sängerin Julia Finis

Julia Finis

Die Musik ist ihr Lebenselixier: Die Sängerin Julia Finis im Porträt der Reihe „Die jungen Wilden“. Foto: Franz Mathauser

Neue Reihe: „Die jungen Wilden“

Sie sind außergewöhnlich, kreativ und innovativ – in der neuen Reihe „Die jungen Wilden“ stellt KulturVision junge Kunst- und Kulturschaffende sowie Menschen mit tollen Ideen vor, die mit ihren Werken und Persönlichkeiten die Szene aufmischen und ihr Publikum mit in ihre eigene Welt nehmen. Heute im Porträt: Die Sängerin Julia Finis.

Das braune lange Haar weht sanft im Wind. Das weiße Kleid dreht sich rhythmisch im Takt. Scheinbar schwerelos schwebt sie über die grüne Wiese und die Frühlingssonne küsst mit ihren sanften Strahlen zart die anmutige Szenerie. So sorgenlos und elfengleich wie Julia Finis in ihrem neuesten Musikvideo durch die Sequenzen schwebt, scheint auch ihre Karriere und ihr Leben zu verlaufen. Kaum jemand aus der Region hat die 29-jährige Vollblutsängerin mit ihrer einzigartig kehligen Stimme noch nicht gehört oder gesehen. Die Bühne ist ihr Zuhause, der Applaus ihr Lebenselixier. Doch Corona hat die Livebühne zum Erliegen gebracht. Was macht ein Mensch, der für seine Leistungen normalerweise sofort Beifall und Zuspruch erhält? Wenn auf einmal alles still und das Scheinwerferlicht aus ist?

Julia Finis
Ihr strahlendes Lachen und positive Energie stecken an. Doch die Sängerin hat auch eine ruhige, nachdenkliche Seite. Foto: Franz Mathauser

Geballte Lebensenergie und Glück

Im Fall von Julia Finis ist diese Frage gleich vorneweg leicht zu beantworten: Nicht nichts. Denn wenn etwas im Leben der oberbayerischen Sängerin keinen Platz hat, dann Langeweile. „Ich brauche den Druck, die Energien von außen, die Herausforderung alles unter einen Hut zu bringen. Das macht mich aus, das ist mein Wesen“, erklärt sie selbstbewusst. Innerhalb von nur zwei Tagen inmitten der Pandemie hat sie etwa mit dem Videographen Franz Mathauser das Video zu ihrem Radio Hit „Jakob“ aufgenommen. „Die Zusammenarbeit ist einfach so entstanden. Eigentlich ist bisher alles in meiner Gesangskarriere einfach so auf mich zugekommen“, sagt die Warngauerin scheinbar unbeeindruckt. Doch dieses selbstsichere Auftreten, die geballte Lebensenergie, die einem in ihrer Gegenwart sofort entgegenschlägt, wird manchmal falsch interpretiert. „Die Leute fragen mich oft, ob ich das alles nur schauspielere. Aber so bin ich und ich habe lange gebraucht mich so zu nehmen wie ich bin“, sagt die hübsche Brünette in diesem Moment ganz nachdenklich.

Selbstzweifel und ein Mut-mach-Song

Denn hinter der „Rampensau“, wie sich Julia Finis selbst scherzend betitelt, steckt eine sensible Frau, die sich lange Zeit vor allem nach Akzeptanz gesehnt hat. Nach der Geburt ihres Sohnes zerriss sie der Anspruch der Gesellschaft und die Sehnsucht nach dem eigenen Selbst fast. Die beiden völlig konträren Welten der Mutter und der Sängerin passten nicht zusammen: „Mama sein, aber auch wild und jung sein, auf der Bühne stehen. Das hat nicht in das gesellschaftlich vorgegebene perfekte Rollenbild gepasst. Ich habe mich ständig in Frage gestellt und verglichen, hatte starke Selbstzweifel.“ Doch wie immer in ihren eigenen Songs, hat die junge Frau auch diese Lebenserfahrung gepackt und in wundervolle Worte gefasst. Dadurch entstand ihr erster eigens geschriebener Song, der es sogar ins Radio schaffte „Hey Baby“.

Mit diesem Lied möchte sie allen Frauen, aber vor allem jungen Müttern, Mut machen, sie selbst zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen.

Finis pur – authentisch und tiefgründig

Julia Finis
Julia Finis ist echt, ungekünstelt und nutzt die Zeit ohne Livebühne für ihre persönliche Weiterentwicklung. Foto: Franz Mathauser

Finis ist pur – und das versteht man, wenn man die Sängerin ohne die Lautstärke eines Konzertes kennenlernt. Eine junge Frau, die alles was sie tut mit dem Herzen entscheidet. Ganz unverstellt und pur sieht man sie nun auch häufiger in ihren Videos. Dann sitzt sie da, nur mit der Gitarre und ihre warme, volle Stimme lässt einen etwa bei Janis Joplins „Mercedes Benz“ eine Gänsehaut auf dem gesamten Körper spüren. Gitarre spielen hat sich die knapp 30-Jährige übrigens selbst beigebracht. Das Instrument war 2018 ein Weihnachtsgeschenk. Einige You Tube-Tutorials später sitzt sie vor kurzem mit Dirndl und Weißbier im Glas vor dem Handy und präsentiert ihren „Reutberger Lovesong“:

Eine Ode an den für sie „schönsten Biergarten in der Region“ und das kurze Aufflammen eines Hoffnungsschimmers inmitten der Corona-Pandemie. 20 Minuten am Text gesessen, Video aufgenommen, online gestellt – und innerhalb von drei Tagen wurde der Song knapp 7000-mal auf Facebook geteilt. Die positive Resonanz war riesig. Ihre Leichtigkeit, Authentizität und Lebenslust kommen einfach an. Und damit die Zeit bis alle sie wieder auf der Livebühne bewundern können auch ganz bestimmt nicht langweilig wird, stellt sie sich jetzt einer neuen Herausforderung: ein Fernstudium in Psychologie. Julia Finis möchte ihre Lebenserfahrung weitergeben und den Blick hinter die Kulissen der Menschen wagen – ganz still und fernab von Beifall und Scheinwerferlicht.

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