Chorverband Oberland: Singen macht glücklich!

Seit einem Jahr im Amt: Dr. Kurt Richert will dem Chorverband Oberland junge Sänger bescheren. Im Hintergrund Sänger von „OstBahnGroove“. Foto: Anja Gild

Chor-Konzert in Holzkirchen

Im Chor zu singen, reine Töne gemeinsam zu erzeugen – das ist alles andere als einfach. Sieben Chöre aus dem Chorverband Oberland stellten ihr Können im Oberbräusaal unter Beweis. Garniert mit Überraschungen und leider auch mit einem Problem.

Und es gab sie doch an diesem musikalischen Abend! Diese Highlights und Überraschungen – mitten im Klingen der Chöre vom Chorverband Oberland und mitten zwischen vielen weiß- und grauhaarigen Sängerinnen, Sängern und Zuhörern. Zum Beispiel das Gesicht des jungen Nigerianers Emason Amaraihi. Gekleidet in die leuchtend blaue Uniform des „Liederkranz Tegernsee“ interpretierte er mit seinem tiefen Bass die Solopartie des „Going Home“ von Antonin Dvorak. Der Applaus brauste durch den Saal.

Oder die erst 19 jährige (!) Maria Weinzierl, die den zart-tönenden Chor & Orchesterverein Miesbach leitete. Alle guten Dinge sind aber drei: Der Jazzchor OstBahnGroove! So gut, so fein, so rhythmisch und so lebendig in der Intonation und in der Darbietung, dass die Bravo-Rufe generationenübergreifend durch den vollbesetzten Festsaal des Oberbräu in Holzkirchen schallten. OstbahnGroove und Oberland? „Fast die Hälfte von uns kommt aus und lebt im Oberland – wir proben halt am Ostbahnhof“, erklärt Chorleiterin Agnes Schlaghaufer (aus Valley). Sie stand übrigens nicht auf der Bühne, sondern auf Publikumsebene. Die Bühne gehörte ganz allein den 21 jungen sangesfreudigen Frauen und Männern.
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Hat schon in Nigeria im Kirchenchor gesungen: Emason Amaraihi singt auf Englisch, Deutsch und Bayerisch im „Liederkranz Tegernsee“.. Foto: Anja Gild

Lieder von den Alpen bis Amerika

Damit wären wir eigentlich am Ende des Programms. OstbBahnGroove setzte den grandiosen Schlusspunkt. Und zu Beginn? Es fing mit dem Schlierseer Alpenchor an und hörte mit OstbahnGroove auf. Dazwischen die eben genannten sowie die Singvereinigung Miesbach, die Liedertafel Holzkirchen und die kleine Liedertafel Holzkirchen. Das Programm reichte vom alpenländischen „Frisch auf die Alm“ über weltliche Renaissancelieder, gregorianischen Gesang, amerikanische Volkslieder und eben bis zum Jazz- und Popp einer Alanis Morisette oder eines Georg Gershwin. Vom reinen Männerchor bis zu Chören mit deutlichem Frauenüberhang, von kraftvoll bis zart war alles geboten. Kurzweilig war es! Einerseits.

Die jungen Stimmen fehlen

Andererseits war nicht zu übersehen und manchmal auch zu überhören, wo das Problem liegt: Im fehlenden Nachwuchs. Bei den gemischten Chören war es nicht so stark zu bemerken, bei den reinen Männerchören schon eher – in der hohen Stimmlage fehlten teilweise die jungen, tragenden Tenorstimmen. Obwohl so musikalische Urgesteine wie Leonhard Sonnenstatter vom Schlierseer Alpenchor bekanntermaßen mit seiner Kopfstimme beinahe jeden Sopran übertönen kann. Eine Ausnahme machte der Männerchor Liedertafel Holzkirchen und die kleine Liedertafel (Leitung Stefan Krischke). Hier klangen die Männerstimmen auch im hohen Bereich leicht und volltönig. Dennoch, jüngere Stimmen tragen Töne anders. Das ist keine Kritik, schon gar nicht angesichts der musikalischen Leistungen, der meist reinen Harmonien – sind doch alles Laiensänger, die sich in ihrer Freizeit diesem einmaligen Erlebnis, gemeinsam einen Klang entstehen zu lassen, hingeben. Aber es führt zum Urgrund des Abends im Oberbräusaal.

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Apropos Nachwuchs: Die Musikstudentin Maria Weinzierl leitet mit erst 19 Jahren den altehrwürdigen Chor & Orchesterverein Miesbach.. Foto: Anja Gild

Nachwuchsförderung und Außenwirkung sollen besser werden

Natürlich sollten die Chöre ein Forum und das singbegeisterte Publikum eine Kostprobe der Laienchor-Sänger bekommen. Aber der tiefere Sinn war schlicht Werbung für Chorsingen. „Wir wollen mit guter Chormusik Lust auf Chorsingen machen. Uns fehlen junge Sänger.“ Dr. Kurt Richert, seit einem Jahr Vorstand des Chorverbandes Oberland, zählt auf: 42 Chöre, rund 340 Mitglieder, Altersdurchschnitt 55. OstbahnGroove senkte den Altersdurchschnitt deutlich. „Wir brauchen mehr Außenwirkung. Wir müssen als Chorverband besser wahrgenommen werden“, beklagt Kurt Richert.

Nachwuchsförderung und Außenwirkung – das sind die beiden Hauptziele, die sich der Tierarzt gemeinsam mit seinem Stellvertreter Hans Georg Hering (Jazzchor Miesbach) auf die Fahne für seine zweijährige Amtszeit geschrieben hat. Dass er als gebürtiger Bonner ausgerechnet Vorstand des Sängerbundes wurde, nimmt er mit Humor hin. „Ich habe mich ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt und schon wurde ich vorgeschlagen.“ An Humor und Sangesfreude fehlt es Richert jedenfalls nicht: Seit zwei Jahren singt er wieder als zweiter Tenor im „Liederkranz Tegernsee“ unter der Leitung des wie immer genialen Tim Tzschaschel. Bevor Chöre und Zuhörer gemeinsam am Ende – es war eine fast feierliche Stimmung – das Lied „Kimmt schö hoamli die Nacht“ singen, erklärt Richert, warum junge Menschen unbedingt in einen Chor gehen sollten: „Es ist ein Gemeinschaftserlebnis; man ist am Abend beschäftigt; nachher weiß man, was man getan hat; man weiß, wo man ist und trifft nette Leute.“ Aber eines sagt er nicht: Singen macht glücklich – das ist wissenschaftlich bewiesen.

Weiter Informationen zum Chorverband Oberland finden Sie hier.

Sehenswerte Filme zum Thema „Chormusik“
Die Kinder des Monsieur Mathieu (Frankreich 2004)
Wie im Himmel (Schweden, Dänemark 2004)
Vaya con Dios – und führe uns in Versuchung (Deutschland 2004)

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