Ein Kleinod an der Moldau: Český Krumlov

Český Krumlov

Blick auf die Mantelbrücke. Foto: MZ

Kulturtipp in Tschechien

Sie brauchen dreieinhalb Stunden, um in die Stadt in Südböhmen zu gelangen. Oder Sie nehmen an einer Busreise teil. Auf jeden Fall aber sollte der Besuch auf Ihrer künftigen Ausflugsplanung stehen. Sie werden begeistert sein. Es gibt aber auch Schattenseiten.

Schon bei der Ankunft auf dem Parkplatz ist sie nicht zu übersehen: die Burg mit der dreistöckigen Mantelbrücke, die sich hoch über den Besuchern erhebt. Es ist ein einmaliger Anblick, den man nicht so schnell vergisst. Auf einer Tafel kann man sich die Übersicht des Ortes, dessen historische Altstadt seit 1992 in der Liste des UNESCO-Welterbes geführt wird.

Český Krumlov
Plan von Český Krumlov. Foto: MZ

Český Krumlov liegt an einer Krümmung der Moldau, die die Altstadt einschließt. Laut Wikipedia leitet sich der deutsche Name Krumau von „krumme Au“ ab. Auf einer Erhöhung zwischen der Moldau und ihrem Zufluss liegt das Schloss, das aus der ursprünglichen Burg sukzessive errichtet wurde und heute eine Gesamtfläche von 10 Hektar umfasst. Es ist nach der Prager Burg der zweitgrößte historische Bau Tschechiens.

Aber beginnen wir in der Altstadt. Nachdem wir die Mantelbrücke ganz unten durchquert haben und immer wieder zurückschauen müssen, weil sie einfach so imposant ist, überqueren wir die Moldau auf einer Fußgängerbrücke. Die Altstadt ist für den Verkehr gesperrt, nur einzelnen im Schritttempo fahrenden Versorgungsfahrzeuge begegnen wir. Wir gehen durch Gassen mit wunderschönen Häusern und leider auch vielen Souvenirgeschäften bis hin zum Marktplatz mit der Mariensäule. Überall finden sich Lokale jeglicher Couleur, die Preise sind saftig.

Český Krumlov
Marktplatz mit der Mariensäule. Foto: MZ

Die im 14. Jahrhundert errichtete gotische St. Veitskirche wurde später barockisiert, das Minoriten- und Clarissenkloster, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert, dient heute als Museum. Hier finden wir einen kleinen Park mit einer besonders schönen Aussicht und Blick auf die monumentale Schlossanlage.

Wir gehen weiter durch die Altstadt und mit uns Ströme zumeist asiatischer Touristen, die unentwegt Handybilder machen und sich dazu in die attraktivsten Posen bringen. Zwei junge Damen tragen in der linken Hand das Handy, in der rechten einen Ventilator. Früher tats ein Fächer.

Český Krumlov
Blick auf das Schloss mit Turm. Foto: MZ

An der alten Holzbrücke, die über die Moldau hinüber zum Schlossberg führt, finden wir ein nettes Lokal mit akzeptablen Preisen unten am Fluss. Nach der Stärkung reihen wir uns wieder in den Strom ein und werden auf das Schloss hinauf gespült. Es ist eine Riesenanlage, die in unterschiedlichen Baustilen errichtet wurde. Zunächst wurde die Burg zu einem Renaissanceschloss umgebaut und später gab es Erweiterungen im Stile des Wiener Barock.

Český Krumlov
Die Schlossanlage umfasst 10 Hektar. Foto: MZ

Wir durchschreiten einen Burghof nach dem anderen und landen schließlich auf dem oberen Geschoss der Mantelbrücke. Ein fantastischer Blick auf die Altstadt tut sich auf. Um uns herum ausschließlich Touristen.

Im Standard finde ich einen Artikel, der die Schattenseiten des wunderschönen Städtchens aufzeigt. „Nach Auskunft des Rathauses leben im Stadtzentrum aktuell nur noch 300 Menschen. Der Rest gehört den Touristen.“ Die Stadt sei nur Kulisse, tote Staffage, es gebe kaum noch Leben in der Stadt.
Český Krumlov
Blick auf die Altstadt von der Mantelbrücke. Foto: MZ

Und doch war Český Krumlov einmal eine blühende Stadt. Hier wurde Silbererz gefunden und im 16. Jahrhundert überwog durch den Zuzug deutscher Bergleute die deutsche Bevölkerung. Im 18. Jahrhundert fiel Krumau an den Fürsten Schwarzenberg und man findet in der Stadt zahlreiche Hinweise darauf.

Egon Schiele Museum

Von den Museen sei nur eins erwähnt: das Egon Schiele Art Centrum. Egon Schiele lebte im Jahr 1911 in Český Krumlov, wurde aber wegen seines Lebensstils angefeindet und verließ den Ort wieder.

Fazit: Český Krumlov muss man gesehen haben. Besuchen Sie das Kleinod möglichst früh am Morgen oder am späten Nachmittag, dann können Sie die außergewöhnlich schöne Anlage und Architektur genießen. Vielleicht haben Sie Gelegenheit mit einem Bewohner zu sprechen, um auch die Schattenseiten zu erfahren. Und bleiben Sie über Nacht. Denn am Abend können Sie im Park oberhalb der Moldau etwas Besonderes erleben. Hier gibt es ein Freilichttheater, bei dem sich die Zuschauertribüne dreht. Hier „Schwanensee“ zu sehen, ist ein unvergessliches Erlebnis.

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