Außer Kontrolle

Turbolentes Chaos mit britischem Charme

Wie man eine Leiche transportiert. Foto: Johanna Lubecki

Theater in Holzkirchen

Ein Staatsminister, eine heimliche Affäre und plötzlich ein Toter im Fenster: Die Premiere von „Außer Kontrolle“ bringt das Publikum von der ersten Minute an zum Lachen. Die rasante englische Komödie von Ray Cooney, inszeniert mit dem Holzkirchner Komödchen von Lydia Starkulla, lebt von Tempo, Timing und herrlich überdrehtem Schauspiel. Kann dieses Chaos überhaupt noch gebändigt werden?

Verwirrspiel im Hotelzimmer

Außer Kontrolle
Mr. Willey und seine Affäre finden die Leiche. Foto: Johanna Lubecki

Was als diskretes Treffen in einer luxuriösen Hotelsuite beginnt, entwickelt sich rasend schnell zu einem irrwitzigen Durcheinander. Staatsminister Richard Willey will sich eine Auszeit vom politischen Stress gönnen – mit Champagner, Austern und der Sekretärin der Opposition. Doch die scheinbare Idylle wird zerstört, als plötzlich ein lebloser Mann eingeklemmt im Fensterrahmen auftaucht.
Von diesem Moment an kennt die Handlung nur noch eine Richtung: vorwärts – und zwar im Höchsttempo. Eine Katastrophe jagt die nächste, Ausreden türmen sich auf, und jeder Versuch, die Situation zu retten, macht alles nur noch schlimmer. Die Inszenierung lebt von genau diesem Rhythmus und hält ihn konsequent durch.

Ein Raum, unzählige Katastrophen

Die Bühne bleibt dabei bewusst reduziert: Ein einziges Hotelzimmer genügt, um das Chaos perfekt in Szene zu setzen. Die Tür und das verhängnisvolle Fenster werden zu zentralen Spielorten, durch die die neun einzigartigen Figuren im Minutentakt herein- und herausstürmen. Das Timing stimmt, die Pointen sitzen, und die Situationskomik entfaltet ihre volle Wirkung.

Das Publikum wird in eine komödiantische Achterbahnfahrt gezogen, bei der man kaum Zeit zum Durchatmen hat. Wortwörtlich halsbrecherisch entwickelt sich die Handlung, ohne dabei jemals unübersichtlich zu werden – außer für die armen Charaktere selbst.

Ein spielfreudiges Ensemble

Außer Kontrolle
George wird von einer misslichen Lage in die Nächste gedrängt. Foto: Johanna Lubecki

Der Cast überzeugt durchweg mit Spielfreude und sympathischem Zusammenspiel. Besonders herausragend ist Patrick Junge als George Pigdon: Als schüchterner, überforderter Assistent wird er von einer Notlüge in die Nächste gedrängt. Er entwickelt dabei eine herrlich tragikomische Bühnenpräsenz und entdeckt im Laufe der Geschichte auch einige unerwartete Talente. Das muss er auch, denn schließlich wird er von Jochen Geipel als Richard Willey mit unlösbaren Aufgaben nur so überhäuft: „Tun Sie das nie wieder, Mr. Willey!“

Regisseurin Lydia Starkulla gelingt es, eine harmonische Gruppe auf die Bühne zu bringen, die das Stück mit spürbarer Freude trägt. Jeder Charakter hat seinen Moment, ohne dass das Gesamtgefüge aus dem Gleichgewicht gerät.

Begeistertes Publikum und große Emotionen


Keine Figur weiß mehr, wie das passieren konnte. Foto: Johanna Lubecki

Das Publikum reagiert von Anfang an begeistert. Gelächter erfüllt den Saal, Szenenapplaus unterbricht immer wieder das Geschehen, und am Ende steht eine rundum euphorische Premiere. Von jung bis alt lassen sich alle gleichermaßen mitreißen – selbst wenn die ganz Kleinen die meisten der eindeutig zweideutigen Situationen gar nicht verstehen.

Der Schlussapplaus mündet schließlich in Standing Ovation. Blumensträuße für Ensemble, Regie und das gesamte Team unterstreichen den Erfolg dieses Abends. Man merkte, dass alle Besuchenden am Ende von „Außer Kontrolle“ außer Atem waren.


Schnell verstecken! Foto: Johanna Lubecki

„Außer Kontrolle“ ist ein Paradebeispiel für eine gelungene Farce: schnell, pointiert und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Die Mischung aus präzisem Timing, cleveren Dialogen, überzeugendem Schauspiel und einer durchgehend hohen Energie macht den Abend zu einem echten Vergnügen. Eine Premiere, die seinem Titel alle Ehre macht – und das Publikum pausenlos unterhält.

Es spielen: Es spielen: Jochen Geipel, Patrick Junge, Renate Grötsch, Christian Hort, Katharina Antonin, Albert Ambacher, Daniela Scheuenstuhl-Anduleit, Kati Östreicher und Karl Jakob.

Weitere Spieltermine im Foolstheater Holzkirchen sind am Freitag, dem 10.4., sowie am 11.4., 19.4., 25.4., 26.4. und 1.5. Karten: Erhältlich online sowie an der Theaterkasse.

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