Josef Fuchs | Von der Banalität der Zukunft zur Utopie

Ich lade Sie herzlich ein, sich gemeinsam mit mir Gedanken zur Zukunft zu machen. Es geht nicht darum, eine Zeitreise zu unternehmen und auch nicht darum, Science-Fiction oder eine Gesellschaftsutopie zu entwerfen. Wir schauen ganz einfach auf die Zeit. Für manche mögen es altbekannte Gedanken und Sätze zur Zeit und zur Zukunft sein, ohne Zweifel, aber gerade darin liegt die Kunst, darüber zu staunen, was alle sehen.

Nehmen wir uns gemeinsam Zeit für die Zeit, um aus der Vergangenheit zu lernen, um die Gegenwart bewusst wahrzunehmen und die Zukunft immer neu zu gestalten. Die Gestaltung der Zukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe und sollte nicht den sog. Experten überlassen werden. Die Gemeinschaft und der Gestaltungswille zeichnen die Utopie aus.

Die Zukunft braucht ein Forum, sie braucht Zeit und nicht zuletzt Hoffnung.

Die Zukunft – ein Füllhorn an Möglichkeiten

Es war – es ist – es wird sein. Dadurch charakterisieren wir in Kurzform Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dieses „es war“ sagt uns es ist vorbei, wir haben keinen Einfluss mehr auf das Geschehene. Wir können nur noch nach dem „warum“ fragen. Wir können nur noch darauf reagieren. Wir können die Vergangenheit für uns akzeptieren oder ablehnen. Das kann man historisch in Bezug auf die Gesellschaft tun oder auch persönlich am Ende seines Lebens. Die Gegenwart ist die Schnittstelle zwischen Zukunft und Vergangenheit. Die gefühlte Länge der Schnittstelle hängt vor allem von unserem Bewusstsein und der momentanen Wahrnehmung ab. Die gefühlte Zeit zieht sich in die Länge, wenn wir auf jemanden warten, ganz anders, wenn uns von einer Sekunde zur anderen ein Unglück ereilt.

Aus Zukunft wird Gegenwart und aus Gegenwart Vergangenheit. Im Gegensatz zu Vergangenheit und Gegenwart steckt in der Zukunft mehr als ein „es wird sein“. Wir sind geradezu mit einer Fülle an Möglichkeiten konfrontiert: „Es kann sein, es soll sein, es muss sein, es darf sein.“

Der Mensch hat schon immer versucht, die Zukunft vorherzusehen und zu beeinflussen. Wir beschäftigen uns auch heute mehr mit der Zukunft, als uns vielleicht bewusst ist. Viele werden einwenden, dass sie sich mehr mit den Alltagsproblemen herumschlagen müssen und für die großen Zukunftsfragen keine Zeit hätten.
Was gibt es heute Abend zu essen?
Wie sieht die Woche aus?
Was machen wir kommendes Wochenende, was im Urlaub?
Wie wird mein Lieblingsfußballclub am Wochenende spielen?
Wie wird das Wetter morgen?

Über das Unmittelbare hinausdenken

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Manche Zukunftssorgen werden zur Routine, manche entwickeln sich zu existenziellen Zukunftsängsten. Je ferner in der Zukunft die Probleme liegen, desto bedrückender, ja geradezu unlösbarer erscheinen sie. Oder wir verdrängen die Zukunft, weil wir uns schwer damit tun zu verstehen, dass unser aktuelles Handeln diese Zukunft beeinflusst.

Zugleich fragen wir uns oft, ob wir nicht zu sehr mit der Zukunft beschäftigt sind, so dass für das Hier und jetzt keine Zeit mehr bleibt? Oder sind wir mit dem gegenwärtigen Alltag so beschäftigt, dass wir keine Zeit mehr haben über die Zukunft nachzudenken? Wir können uns von der alltäglichen Gegenwart sowie von den berechtigten und unberechtigten Zukunftssorgen unterbrechen lassen. Nehmen wir uns Zeit und blicken auf die „großen Zukunftsfragen“, die ich hier nur durch zwei Fragen charakterisieren möchte „Wie wollen wir, wie müssen wir leben?“

Freiheit nutzen

Von der Archäologie wissen wir, dass es vor einigen Zehnjahrtausenden einen kulturellen Schub gab. Durch die Beherrschung des Feuers und durch den Schutz der Höhlen erlangten die Menschen zu mehr freier Zeit, in der sie nicht gezwungen waren, um das Überleben zu kämpfen. Wandmalereien, Figuren aus Stein und Elfenbein, sowie Musikinstrumente zeugen davon, wie die Steinzeitmenschen die neu gewonnene „Freizeit“ nutzten. Eine nicht zu unterschätzende kulturelle Errungenschaft der vergleichsweise neueren Zeit ist die Einführung eines freien Wochentages wie der Sabbath bei den Juden oder der Sonntag bei den Christen. Vor 1700 Jahren hat der römische Kaiser Konstantin den Sonntag für arbeitsfrei erklärt. Bis auf einige Ausnahmen hatten und haben dadurch viele Menschen freie Zeit, gemeinsam nach- oder auch vorauszudenken. Soziale Sicherheit und Zeit sind wichtige Voraussetzungen für gesellschaftliche und kulturelle Weiterentwicklungen.

Wir können uns der Zukunft schicksalhaft ergeben oder sie ganz bewusst mitgestalten. Wir haben die Wahl. Diese Wahlmöglichkeit ist ein Geschenk – und wir sollten es als Chance nutzen.

Werden Sie Kulturförderer

Als Mitglied oder Partner von KulturVision e.V. fördern Sie unser Magazin „KulturBegegnungen“, unser täglich aktuelles Online-Magazin und viele weitere kulturelle Projekte.

mehr…

Projekte

Hier erfahren Sie mehr über unsere vielfältigen Projekte.

mehr…

Kontakt

Sie haben Fragen zum Verein, zu kulturellen Projekten oder wollen mit der Redaktion Kontakt aufnehmen? Wir freuen uns auf Ihre E-Mail.

mehr...

Folgen Sie uns.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner