Hoernisch Grafiken

Eine Ausstellung von KulturVision

Norbert Blüm und Dorothee Sölle waren zwei von 61 Prominenten, die dem Grafiker Otto Hoernisch auf seine Anfrage vor 30 Jahren antworteten. Jetzt starteten wir erneut eine Umfrage.

„Die bevorstehende Vereinigung der beiden deutschen Staaten DDR und BRD löst in mir und bei vielen anderen Menschen nicht nur Freude, sondern auch Angst und Sorge aus“, schrieb Otto Hoernisch an ausgewählte Politiker, Künstler, Medienschaffende und Vertreter der Kirchen. Er als Künstler habe versucht, diese Gefühle zu visualisieren und bitte darum, spontane Empfindungen und persönliche Gedanken auf der Grafik niederzuschreiben und an ihn zurückzusenden.

Der Grafiker gestaltete aus den Antworten ein Buch: „Das V wirkt für mich wie ein Symbol eines Prozesses, die Entwicklung beider Staaten zu einer Gemeinschaft, zu einem einheitlichen Ganzen. Bei der Betrachtung habe ich das Gefühl, als ob in Ihrer Grafik die DDR von der Bundesrepublik einverleibt wird. Das ist nicht beabsichtigt, siehe Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion.“ Das schreibt in dem Buch Arbeitsminister Norbert Blüm. SPD-Politikerin Herta Däubler-Gmelin hat eine andere Vision: „BRDDR“. Sie gibt der Hoffnung Ausdruck, dass „alles international offen in Europa eingebunden wird“. Auch Elke Heidenreich sieht die Zukunft in Europa.

Vertraue auf Überlebenskraft

Die Autorin Amelie Fried schreibt: „Was verbindet mich mit den Menschen dort? Eigentlich sind sie mir ziemlich fremd… Manche Deutschen sind mir unheimlich.“ Ganz anders schreibt der Intendant des Mannheimer Theaters Arnold Petersen: „Ich vertraue auf die Überlebenskraft unserer Brüder und Schwestern von „drüben“. Sie werden sich nicht widerstandslos vereinnahmen lassen.“

„Wenn wir uns so einatmen lassen, dann sind wir schuld, nicht die anderen“, schreibt Bürgerrechtler Jens Reich. Mit einem langen Brief antwortet Luise Rinser und gibt ihrer Trauer Ausdruck, dass man im Westen die Menschen im Osten als Stiefkinder bezeichnete: „Man vergaß welch großen Beitrag die Brüder im Osten zur deutschen Kultur lieferten. Man vergaß, dass Künstler wie Christa Wolf und der Komponist Siegfried Matthus (um nur einige Heutige zu nennen) zu Deutschlands Weltgeltung beitrugen.“ Sie schließt: „Der Westen bezahlt die Opfer mit Geld. Wer bezahlt die Enttäuschung der Betrogenen und Allein-Gelassenen?“

„Jetzt gibt es nur noch Haifische“, gibt die evangelische Theologin Dorothee Sölle ihrer Sorge Ausdruck. Umweltminister Klaus Töpfer aber schreibt, dass die DDR ihre Geschichte, ihre Kultur und ihre Tradition in ein geeintes Deutschland einbringen und es damit bereichern solle.

Ist das geschehen?

Otto Hoernisch starb 2001. Sein Sohn, der Fotograf Andreas Hoernisch und KulturVision fragten sich, wie die Menschen 30 Jahre später auf die Grafik reagieren. Da viele der damals Befragten nicht mehr am Leben sind, entschieden wir, uns bekannte Menschen im Landkreis Miesbach und den neuen Bundesländern um ein Statement zu bitten. Wir verschickten 20 Grafiken und erhielten 13 Antworten.

Lessetipp: Eindrücke und Gedanken zwischen Ost und West

Wir stellen Ihnen eine Auswahl der Grafiken aus dem Jahr 1990 und die neu erstellten hier zur Verfügung.

Elke Heidenreich

Stefan Scheider

G.S. Troller

Nina Treu

Karlheinz Stockhausen

Hans-Günther Kaufmann

Bernt Engelmann

Harald Hauswald

Willy Brandt

Zither Manä

Edmund Gruber

Andreas Kuhnlein

August Everding

Sabine Lessig

Norbert Blüm

Peter Coreth

Nani Mahlo

Margaret Heckel

Karin Straßburger

Celino Bleiweiß

Bernd Göbel