„Wachstum, was nun?“

Postwachstumsgesellschaft - Film Wachstum, was nun?“ von Marie-Monique Robin

Urbanes Landwirtschaftsprojekt „Fresh City Farms“ in Toronto . Repro: KN


Grenzenloses Wachstum – und dann? Das Ende des Wachstums ist längst erreicht. Wie aber kann die Postwachstumsgesellschaft aussehen? Dazu gab der Film Marie-Monique Robins Antworten – und Denkanstöße, innerhalb der Reihe „Anders Wachsen“.

Seit September läuft die Veranstaltungsreihe, die vom Katholischen Erwachsenenbildungswerk und der Spurwechselinitiative von Kulturvision e.V. ins Leben gerufen wurde. Hausherrin Ingrid Huber und Christof Langer vom KBW begrüßten gestern im Foolstheater des KULTUR IM OBERBRÄU die zahlreichen Interessenten zum Film „Wachstum, was nun?“ von Marie-Monique Robin („Monsanto“, „Unser täglich Gift“). Mit ihrem Film zeigt Robin die Schattenseiten des ungebremsten Wachstums auf und beschreibt zugleich Alternativen für Energie, Landwirtschaft und Finanzwesen, die Anderen Mut machen sollen, selbst Initiative zu ergreifen.

Niko Paech brachte in Deutschland 2006 den Begriff der Postwachstumsökonomie in die Diskussion
Niko Paech brachte in Deutschland 2006 den Begriff der Postwachstumsökonomie in die Diskussion . Repro: KN

Wie zeitgemäß ist der Mythos des grenzenlosen Wachstums angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit noch? Die Regisseurin lässt im Film die großen Sprecher der Bewegung zu Wort kommen, wie Daniel Meadows, der seit dem Club of Rome darauf hinweist, dass das Ende des Wachstums erreicht ist. Auch Richard Heinberg („Das Ende des Wachstums“), Tim Jackson („Wohlstand ohne Wachstum“) und Niko Paech, der in Deutschland 2006 erstmalig den Begriff der Postwachstumsökonomie gebrauchte, kommen zu Wort.

Niko Paech: Wer heute noch an Wachstum glaubt, ist verrückt

Die Herausforderung heute bestünde vor allem darin, der Politik unter die Nase zu reiben, dass es bereits alternative Lösungen gibt, und diese auch funktionieren, damit ein Wandel auch von „Oben“ in Gang kommt. Die Initiative gehe meist von kleinen Bewegungen aus. Wo sie durch die Politik unterstützt würden, zeigten sich nachhaltige Lösungen selbst für große Städte, beispielsweise in Toronto. Dort wurde bereits 1991 eine neue Nahrungsmittelstrategie entwickelt und urbane ökologische Landwirtschaft betrieben. Das urbane Landwirtschaftsprojekt Antonio Latuccas in Rosario in Argentinien dient als Mittel im Kampf gegen den sozialen Ausschluss: Aus Müllhalden sind „Gartenparks“ entstanden, welche die Stadt versorgen und Arbeitsplätze schaffen. Als Beispiel eigenständiger Energieversorgung wird die dänische Insel Samsø angeführt. Energetische Demokratie nennen sie ihr Genossenschaftskonzept zur autarken Erzeugung und Versorgung mit Ökostrom. Neben urbaner Landwirtschaft und eigenständiger Versorgung mit erneuerbaren Energien ist der Finanzsektor der dritte wichtige Punkt auf dem Weg zur Postwachstumsgesellschaft. Dazu zeigt der Film Beispiele lokaler Währungen, welche die lokale Wirtschaft ankurbeln.

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Die Schulen in Buthan lehren den Kindern “Weltweites Glück“. Repro: KN

William Rees, der Erfinder des „ökologischen Fußabdrucks“ lobt das winzige Buthan, das wie ein Leuchtturm Vorbild für die ganze Welt sein könne. Buthan steht dafür, wie wichtig für eine Gesellschaft das Bruttoglücksprodukt als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt ist. Solidarwirtschaft als neue Ökonomie der Postwachstumsgesellschaft kann nur durch Zusammenhalt einer Gemeinschaft entstehen.

Umgang mit Nahrung, Energie und Geld

Wie aber setzen wir das in unseren Kommunen, in unseren Familien um? Darum ging es in der anschließenden Diskussion. Das Thema Lokalwährung wurde aufgegriffen, denn diese schaffe ein Gemeinschaftsgefühl für ein Gemeinwohlprojekt. Aber der „Chiemgauer“, der „Isartaler“ und auch der „Regio“ „kränkelten“ vor sich hin. Der Film sei zwar durchweg optimistisch, aber in der Realität würden viele Initiativen auch wieder zerbröseln. Als Gegenbeispiele wurden starke regionale Projekte hervorgehoben, die Mut machen sollen, nicht aufzugeben.

Schule und Politik sind gefordert, aber der Funke müsse in jedem Einzelnen entstehen. Dass es die Politik mitunter schwer habe gegen Widerstände aus der Bevölkerung, selbst bei ökologischen Projekten, räumte Erster Bürgermeister Olaf von Löwis ein und forderte an dieser Stelle auf, die Politik nicht nur an den Pranger zu stellen, sondern mit Überzeugungskraft und guten Argumenten zu unterstützen. Das war dann auch das Fazit: Der erhobene Zeigefinger nütze nichts, vor allem Begeisterung braucht es!

Die nächste Veranstaltung im Rahmen von „Anders Wachsen“ findet am Mittwoch, dem 16. November 2016 um 19.30 im Altwirtssaal in Warngau statt: Die „10. Reithamer Gespräche“ mit dem Thema „Wachstum und Suffizienz“

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