Vom Zauber des Lesens

Stadtbücherei Miesbach: Ausleihtheke. Foto: Isabella Krobisch

Die „neue“ Stadtbücherei

Es gibt sie noch: Kommunen, die auch bei angespannter Haushaltslage in die Kultur investieren – und Bürger, die es ihnen danken. Bürgermeisterin Ingrid Pongratz dürfte es gefreut haben, wie euphorisch sich die Kunden der Stadtbücherei Miesbach zur Renovierung und neuen Innenausstattung geäußert haben. Denn in der Kulturausschuss-Sitzung am 7. Juni berichtete Büchereileiterin Tanja Bott in ihrem Jahresbericht für das Jahr 2015 von den begeisterten Reaktionen der Leser, die froh waren, als die Bücherei nach dreimonatiger Schließung endlich wieder ihre Pforten öffnete.

1.988 aktive Leser

Die Neugestaltung brachte aber auch neue Kunden, so dass es jetzt 1.988 aktive Leser sind, die trotz dreimonatiger Schließzeit 75.530 Entleihungen tätigten. War es vor dem Umbau eine Publikumsfläche von 285 m², so stehen heute 406 m² zur Verfügung. Die Stadtbücherei Miesbach verfügt über 23.750 Medien. Für Neuerwerbungen steht ein Jahresetat von 25.000 € zur Verfügung. Die Zuwendung der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen betrug 25.800 €, darin sind 23.600 € für Umbaumaßnahmen und EDV enthalten. Die Personalausstattung ist keineswegs üppig, „2,87 Vollzeitstellen“ weist der Jahresbericht aus. Allerdings gibt es zahlreiche Vorlesepaten und ehrenamtliche Mitarbeiter, die das Büchereiteam bei der Medienpflege, beim Einstellen und beim Bücherflohmarkt unterstützen.

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Stadtbücherei Miesbach: Kinderabteilung. Foto: Isabella Krobisch

Für Kinder: Leseschatzpass und Lesestart-Set

Tanja Bott liegt vor allem die Nachwuchsförderung sehr am Herzen: Schulklassen erhalten Führungen, es gibt die regelmäßige Klassenausleihe, zum Welttag des Buches stets ein Quiz und für Kindergärten und Schulen werden Medienboxen zu verschiedensten Themen zusammengestellt. Zur speziellen Leseförderung finden Bilderbuchkinos statt, es wird ein Leseschatzpass angeboten und ein Lesestart-Set, denn seit November 2013 ist die Stadtbücherei Miesbach Anlaufstelle für Familien und ihre dreijährigen Kinder, die dort ihr persönliches Lesestart-Set erhalten. Darin sind ein altersgerechtes Bilderbuch, ein Infoflyer mit Anregungen und Tipps für das Vorlesen, ein Elternratgeber und ein Wimmelposter. Und immer dienstags findet das Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren statt.

Bücher als Kraft zur Veränderung

Es ist war kein Zufall, dass in den vergangenen Wochen in einer Ausstellung im Lesesaal gerade jenes Mannes gedacht wurde, der vor 50 Jahren mit dem Neubau der Stadtbücherei eine kleine Revolution auslöste: Rudolf Pikola, Gründer der Miesbacher Volkshochschule und Bürgermeister von 1960 bis 1970. Er hätte seine Freude am Gedeihen dieses kleinen Kulturtempels mitten in Miesbach. Wie schon viele Generationen vor ihnen, so streben gerade die Kinder mit großer Freude in „ihre“ Bücherei, gespannt, welche Überraschungen die vielen Regale wohl heute wieder bieten werden. Und den erwachsenen Lesern wird der Nobelpreisträger Orhan Pamuk aus der Seele sprechen: „Eines Tages las ich ein Buch, und mein ganzes Leben veränderte sich. Auf den ersten Seiten schon bekam ich die Kraft dieses Buches innerlich so stark zu spüren, dass ich glaubte, mein Körper habe sich von Tisch und Stuhl, wo ich saß, gelöst und abgehoben. So kraftvoll war die Wirkung, dass ich meinte, mir sprühe beim Lesen aus den Seiten dieses Buches Licht entgegen (…) und ich ahnte, es würde mich auf einen anderen Weg führen, dieses Licht, und ich nahm in diesem Licht die Schemen eines Daseins wahr, das ich später kennenlernen, mit dem ich vertraut sein würde.“

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