Perfekte Avatare und das Fehlermodell Mensch

Uli Masuth in Waakirchen. Foto: Karin Sommer Name

Kabarett in Waakirchen

Was hat ein Mensch, der sich selbst als „Ossi mit westdeutschem Migrationshintergrund“ bezeichnet, über die Lage der Nation und der Menschheit im Allgemeinen zu sagen? Mit Uli Masuth eröffnete die Kleinkunstbühne in der Grundschule Waakirchen die neue Saison.

Wo erst am Dienstag die Erstklässler aufgeregt die Treppe hinaufliefen, folgten ihnen diesen Freitag die Spur ältere Menschen, die es auch nicht erwarten konnten, in die Grundschule von Waakirchen zu gelangen. Der Grund war die Einladung der Kleinkunstbühne Waakirchen, die mit dem Kabarettisten Uli Masuth die neue Saison eröffnete.

Schon zum zweiten Mal war der Künstler eingeladen worden, und es war zu spüren, dass ihn das Publikum mit Freude erwartete.
Und dann kam er. Hochgewachsen, jung geblieben, ganz in schwarz, mit seinem neuen Programm „Mein Leben als ICH“, in dem er eigentlich nur von sich erzählen wollte. Was er dann doch nicht tat, sondern über all die Themen sprach, an denen wir als Einzelmenschen und Gemeinschaft nicht vorbeikommen.

Der frühe Trump

Kein aktuelles Thema ließ er aus. Wolfgang Schäubl, “die schwarze Null”, und seine bis über den Tod des „frühen Trumps“ Helmut Kohl hinausgehende Feindschaft kam genauso zu Sprache wie Trump selbst. Das gezeichnete Bild des amerikanischen Präsidenten, der im Kindergarten bei den Drei- bis Fünfjährigen, seiner Entwicklungsstufe entsprechend, am Boden liegt, mit den Fäusten hämmert und dann ohne Essen ins Bett geschickt wird, blieb wohl in so manchen Köpfen der Zuseher haften.

Die Flüchtlingsthematik kam immer wieder ins Spiel, wurde von politischer und auch persönlicher Seite betrachtet. „Roberto Blanco is a wunderbarer Neger“, zitierte Masuth Innenminister Joachim Hermann und fragte sich, wie es dazu kam, dass er Hitlers „Mein Kampf“ im Jahre 2017 als Bestseller in einem Buchhandlung fand.

Uli Masuth
Uli Masuth am Klavier. Foto: Karin Sommer

Uli Masuths neues Programm trägt den Titel „Mein Leben als ICH“ und zeigt die Herauforderung dieses unseren „Ichs“ in der heutigen Zeit. Es erinnert daran, dass wir beinahe soweit sind, uns einen perfekten Avatar in der digitalen Welt zu schaffen und daran arbeiten, die physische Welt gegen eine virtuelle einzutauschen. Kein Wunder, dass wir uns das wünschen, wo wir Menschen so fehlerhaft und dem Altersprozess unentrinnbar erlegen sind. Aus den drei Fernsehprogrammen und ebensovielen Eissorten wurden unzählige Möglichkeiten, die uns teilweise zu überfordern scheinen. Gott sei Dank gibt es da einige Dinge die gleichbleiben, wie die Tatsache, dass eh und je unsere Ehepartner daran schuld sind, dass unser Leben nicht so läuft wie es sollte.

Das wachsende Ich

Das Publikum kann sich in diesen Themen wiederfinden. Wenn die Mehrzahl der Besucher auch im Alter des junggebliebenen 60ers zu sein scheint, leben wir doch alle, wie Masuth sagt, in einer Gesellschaft, in der wir uns selbst immer wichtiger nehmen, unser eigenes Ich sich immer in den Vordergrund zu drängen scheint, bis sogar Freundschaft einen Preis hat, dessen Höhe in der Handyrechnung abzulesen ist.

Das neue Kabarettprogramm von Uli Masuth ist ein Mix aus Themen, denen wir alle nicht entkommen. Politik steht diesmal nicht im Vordergrund, hat aber doch ihren Platz. Der Seitenhieb, dass die AFD-Wähler, die traditionelle Nichtwähler sind, sich bei der vor der Tür stehenden Wahl an ihre Werte erinnern und zuhause bleiben sollen, brachte dem Kabarettisten viele Lacher ein.

Uli Masuth
Uli Masuth. Foto: Karin Sommer

Mit einem uns zum Lachen und Weinen bringendem Einblick in die heutige und zukünftige Rentensituation ging der kurzweilige, zum Nachdenken anregende Abend dann auch schon wieder seinem Ende zu. Das Publikum verlangte eine Zugabe und bekam sie auch. Uli Masuth setzte sich noch einmal auf seinen Klavierhocker und erzählte, dass er der alten Zeit nicht nachtrauere, aber dann doch manchmal eine Flasche Wein aufmache und sich nach der Zeit sehne, in der das Leben der Männer einfach war. Sie machten den Frauen die Türen auf, luden sie zum Essen ins Restaurant ein und öffneten Reissverschlüsse.

Ein Moment, denen wohl viele von uns nachempfinden konnten, in dem der Künstler dem Publikum sehr nahe war und der den Wunsch weckte, dass er vielleicht doch einmal ein Programm mache, in dem er nur von sich erzählt.

Das komplette Programm der Kleinbühne Waakirchen finden Sie unter: www.kkb-waakirchen.de
Kabaretttermine und mehr über Uli Masuth gibt es auf seiner homepage zu erfahren: www.kabarett-musik.de

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