Archivare des Vergänglichen

Tutti und Klaus Gogolin zur Vernissage im KULTUR im Oberbräu

Tutti und Klaus Gogolin zur Vernissage im KULTUR im Oberbräu, im Hintergrund: „Katzengold“. Foto: Ines Wagner

Ausstellung in Holzkirchen

Sie sind bekannt für ihre Sammelleidenschaft, das ästhetische Auge für die Schönheit des Vergänglichen, die grafische Präzision der Arrangements ihrer Objekte und der Malerei: das Künstlerehepaar Tutti und Klaus Gogolin aus Bayrischzell. Jetzt stellen sie gemeinsam in Holzkirchen aus.

Viele Besucher kamen trotz des strömenden Regens am Sonntag zur Vernissage ins KULTUR im Oberbräu. Das hatte seinen Grund. Die Ausstellung „SpielerischERNST III“ von Tutti und Klaus Gogolin lockte, und damit Kunst der besonderen Art: upgecyclete Objekte – Weggeworfenes, dem Zahn der Zeit Anheimgefallenes, Fundstücke, denen zu neuem Glanz und Leben verholfen wurde.

Tutti und Klaus Gogolin: “Worthülsen”
Tutti Gogolin: “Worthülsen”. Foto: Ines Wagner

Die Laudatorin der Ausstellung, Nele von Mengershausen, erzählte von der Sammelleidenschaft des Künstlerpaares, die aufs engste verbunden ist mit dem Ort, an dem sie leben. Der sei eine Art „Werkstoffhof“, sagt sie mit spielerischem Ernst. Und man kann sich sofort vorstellen, dass dort alles mit der gleichen Präzision geordnet ist, die sich in den Arbeiten wiederspiegelt. „SpielerischERNST III“– der Titel der Ausstellung beschreibt plastisch den Spannungsbogen der Arbeiten.

Der Vergangenheit ein Schnippchen schlagen

Im spielerischen Umgang mit den Fundobjekten schlagen die Gogolins der Vergänglichkeit ein Schnippchen, so die Laudatorin. Wobei das Sammeln keineswegs das Anhäufen von Materie sei, sondern ein höchst kreativer Akt.

Tutti Gogolin: „Abgefackelt“
Tutti Gogolin: „Abgefackelt“ (Ausschnitt). Foto: Ines Wagner

Tutti Gogolin ist eine Meisterin darin, mit wachem Auge im Vorübergehen Dinge zu entdecken, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sie anrühren. Die vielleicht, verwoben mit anderen Fundstücken, eine Geschichte erzählen könnten, die dann vielleicht mit den Worten beginnen wird „Es war einmal, und ist nicht mehr, ein ausgestopfter Teddybär“. Oder die als Assemblagen mit Titeln wie „Alles für die Katz“ neugierig machen.

Die Künstlerin aus Bayrischzell ist eine Geschichtenerzählerin. Sie lässt ihre Fundsachen sprechen, die, verfremdet und in einen anderen Kontext gestellt, eine neue Wertschöpfung erfahren.

Kreative Wortschöpfungen

Doch nicht nur Fundstücke mit der Patina vergangener Jahre erhalten einen neuen Rahmen und neue Würde. Beim Zusammensetzen von Alltagselementen wie Nespressokapseln, Buntstifthülsen, Yoghurtbechern, weggeworfenen Fackelresten oder Katzenfutterdosendeckeln entwickelt die Künstlerin mit feinem Humor Kunstwerke von grafischer Präzision. „Katzengold“, „Worthülsen“ oder „Abgefackelt“ sind kreative Wortschöpfungen, welche die Werke betiteln.

Klaus Gogolin: „Freiräume“ und „C M B“
Klaus Gogolin: „Freiräume“ und „C M B“. Foto: Ines Wagner

Klaus Gogolin, der auch bekannt ist für seine Objekte und Skulpturen, zeigt in dieser Ausstellung Werke der Malerei. Die Bilder, oftmals in schwarz gehalten, atmen Schicht um Schicht die Lebendigkeit ihrer Übermalungen. Weiß schimmert hervor, Linien durchbrechen streng grafische Anordnungen. Findlinge wie angeschmortes Staniolpapier aus dem Lagerfeuer, eine alte Computerplatine oder angekohlte Pappstücke sind Elemente, die im Bild ihre Anordnung finden und den Spannungsbogen halten.

So zeugen auch die Bilder Klaus Gogolins vom Wertschätzen der geheimnisvollen Patina der Vergänglichkeit. Dazwischen strahlt Blau aus schwarzem Untergrund und gibt den Farbflächen Raum zum Strahlen.

Gitarrenjungstar Benjamin Wittmann und Künstlerin Nele von Mengershausen
Gitarrenjungstar Benjamin Wittmann und Künstlerin Nele von Mengershausen. Foto: Ines Wagner

Begeistert hat auch der 15-Jährige Benjamin Wittmann, der auf der klassischen Gitarre die Vernissage begleitete. Im vorigen Jahr belegte er im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Platz. Mit seinem technisch präzisen, ernsten Spiel und anmutiger Leichtigkeit hat er nicht nur die Jury verzaubert. Auch die Gäste der Ausstellung im KULTUR im Oberbräu klatschten anerkennenden Beifall.

Der Spannungsbogen zwischen Spiel und Ernst ist geglückt.

Die Ausstellung „SpielerischERNST III“ von Tutti und Klaus Gogolin iin Holzkirchen im KULTUR im Oberbräu noch bis zum 06. Juli 2017 zu sehen.

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