Das sakrale Element

Ausstellung in Seeshaupt

Der Dietramszeller Fotograf Tobias Hohenacker ist bekannt für seine intuitive Arbeitsweise. Im Mittelpunkt der jetzigen Ausstellung steht eine Serie von Fotografien, die er in Südfrankreich fertigte. Er fand im Wald, überwuchert von Farnen und Geäst bemooste Steine. Von den Menschen erfuhr er, dass diese Steine als Heiligtümer verehrt wurden und dass eine so hohe Energie herrsche, dass man nicht dort wohnen könne.

Andererseits musste er feststellen, dass die Menschen vom Abbau dieser Jahrmillionen alten Granitsteinen leben, dass sie zerstört werden. „Ich wollte ein Denkmal schaffen für etwas, was es nicht mehr gibt“, sagte er beim Künstlergespräch am Sonntag. Aber Tobias Hohenacker drückt nicht einfach auf den Auslöser um zu dokumentieren, sondern bei ihm müssen Standort, Lichteinfall und Beziehung zwischen Motiv und Fotograf stimmen. Oft habe er den ganzen Tag gewartet, bis das Licht passte und sein Motiv so lebte, dass es für ihn ein bestimmtes Gefühl erzeugte.

Einmalige Kostbarkeiten

So sind die Fotografien einmalige Kostbarkeiten, nicht nur weil ihre Ursachen so nicht mehr existieren, sondern ebenso, weil sie den besonderen Moment, den kontemplativen Austausch, bei dem die Kamera Zeuge war, einfingen. Dazu kommt, dass Tobias Hohenacker analog fotografierte und in der Dunkelkammer selbst entwickelte.

Sein Material sei das Opfer des Abbruchprozesses, sagte Uwe Jonas. Der Münchner Künstler erklärte, dass für ihn als studierten Maler, abstrakte Kunst im Fokus stehe. So interessiere ihn die Komposition von Steinfragmenten in bestimmten Anordnungen. Er spaltet,sägt und schneidet Steine und ordnet sie auf Stahlgerüsten formal an.

Das Nicht-Perfekte

Seine Intention wird besonders deutlich in der Arbeit, in der er 14 mal 14 Steinwürfel wie bei einem Mondrian-Bild auf Schnittpunkten des Stahlgerüstes fixiert hat. Obwohl auf den ersten Blick formal gleich, ist jeder Kubus ein Individuum. Und je nach Lichteinfall kommen diese Unterschiede zur Wirkung. Wenn etwas nicht perfekt ist, trägt es Leben in sich.

Die Arbeiten von Uwe Jonas sind ebenso still und kontemplativ wie die Fotografien von Tobias Hohenacker. Sie drängen sich nicht auf, sondern laden zur Betrachtung ein, zum Sichhineinvertiefen, den Standort zu wechseln und das Wechselspiel von Steinkomposition und Lichteinfall zu beobachten.

Das erste Licht am Morgen

So verbindet die beiden Künstler nicht nur das Material, der Stein, sondern auch die Art und Weise, wie sie der Welt begegnen, zum einen befassen sie sich mit dem verbleibenden Moment und zum anderen mit dem übergreifenden. Vom sakralen Element sprachen beide Künstler im Kontext ihrer Werke. Steine hatten dieses Element schon in archaischen Zeiten, wie in Stonehenge. In Uwe Jonas Labyrinth kommt es ebenso zum Tragen wie in den mystisch anmutenden Fotografien von Tobias Hohenacker.

Der Fotograf ergänzt in der Ausstellung die Serie „Der himmlische Regen“ mit der unwirklich anmutenden Engelserie, der zauberhaften Tagebuchserie und farbigen Digitalfotografien, die er „Sanctuarium“ nennt, heiliger Raum also, mit denen sich der Kreis schließt, denn hier beobachtet er, was das allererste Licht am Morgen mit den Steinen im Gebirge macht.

Die Ausstellung „Immanenz und Transzendenz“ von Tobias Hohenacker und Uwe Jonas ist in der Seeresidenz Seeshaupt noch bis zum 17. Januar täglich von 9 bis 22 Uhr zu sehen.
www.seeresidenz-alte-post.de

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