Thomas Montasser: Der Sommer der Pinguine

Der Sommer der Pinguine

Thomas Montasser: „Der Sommer der Pinguine“. Foto: Monika Ziegler

Neuerscheinung auf dem Buchmarkt

Wussten Sie, dass unter uns Menschen unerkannt Pinguine leben? Nein? Klar, weil Sie wie ich immer nur das sehen, was wir sehen wollen. Nicht so Annetta Robington. Und so erlebt sie ein verblüffendes Abenteuer, in dem auch die Liebe eine Rolle spielt.

„Der Sommer der Pinguine“ von Thomas Montasser ist ein Buch für den Urlaub oder auch nur für ein Wochenende, denn es umfasst nur 143 Seiten. Was es aber dringend braucht, um dieses Büchlein zu genießen, ist Ruhe, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf ein modernes Märchen einzulassen.

Was man dafür erhält? Ein paar Stunden Lesevergnügen und tiefgründige, leider unerfreuliche, nichtsdestoweniger wahre Beschreibungen der menschlichen Spezies. Vielleicht auch die künftige etwas andere Einstellung zu dem was wir sehen, denn vielleicht ist ja doch alles ganz anders.

Annetta Robington ist Geografielehrerin und als solche eine durch und durch rationale Person. Bei einem Besuch in London vergisst sie in einer kleinen Buchhandlung die Zeit und damit auch ihren Zug nach Hause. Als letztes blätterte sie in einem Fotoband über Pinguine und als sie zahlen will, kann sie es nicht fassen, denn der ältere Buchhändler ähnelt den Tieren, die es nur am Südpol zu geben scheint, ganz ungemein.

Versteckte Exemplare

Einmal sensibilisiert, erkennt die Heldin des Buches noch mehr versteckte Exemplare dieser Art, versteckt deshalb, weil sie von anderen, eiligen Menschen nicht erkannt werden. Sie ist fasziniert von diesen Wesen, die ihr allesamt sympathisch und ihrem Wesen nach als etwas ganz Besonderes erscheinen.

Und so nimmt es nicht wunder, dass sie sich für das Fortbestehen dieses Geheimnisses einsetzt, als es droht aufzufliegen. Zusätzlich aber handelt das Büchlein auch von einer unerfüllten, ja verletzten Liebe, daraus resultierendem Rachegelüst und letztlichem Verzeihen. Happyend, also? So genau erklärt es Thomas Montasser nicht, ein wenig soll sich der Leser auch selbst zusammenreimen.

Der Sommer der Pinguine
Thomas Montasser. Foto: © Insel Verlag

Das macht den Reiz des Buches aus: eine märchenhafte Geschichte, offen bleibende Handlungsstränge, fein gezeichnete Charaktere und dazu noch eingestreute wissenschaftliche Abhandlungen. Es gibt nämlich ein Buch von P.G. Iceberger „Die Entdeckung des Menschen“. Zwar ist es vergriffen und auch antiquarisch kaum noch erhältlich, aber Thomas Montasser ist es gelungen, aus einem Exemplar immer wieder zu zitieren. Da steht also geschrieben: „Der Mensch ist das Übel der Erde. Er frisst stets mehr als er für sein Überleben braucht, er zerstört, was ihm in die Hände fällt, und er bedenkt nicht das Morgen.“

Wie der Pinguin den Menschen sieht

Und noch ein Buch hat der Autor aufgetrieben: Fjodor F. Rostowitsch, „Pinguine – Ein Wegweiser von A – Z“. Hier erfährt der menschliche Leser unter dem Buchstaben M wie Moral: „Die Moral ist mithin als Maßstab menschlichen Handelns vor allem eine Fiktion, die den jeweils Anderen ins Unrecht setzen soll.“ So also sehen die Pinguine den Menschen.

Der Wechsel von Handlung und Sachbucheinträgen hat ein retardierendes Moment, zum Nachdenken anregend, zumal sich Thomas Montasser eines äußerst charmanten und witzigen Stils bedient. Zum Vergnügen trägt neben dem Lesen auch das Sehen bei. Die zauberhaften Illustrationen von Isabel Pin passen haargenau zur Art der Geschichte, fein, zart, ein bisschen altmodisch, in wenigen Strichen das Wesentlich festgehalten.

Thomas Montasser „Der Sommer der Pinguine“ Insel Verlag 2018

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